Mordfall Peggy: Neue Wende! Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß

In den schier unendlichen Ermittlungen im Mordfall Peggy gibt es wiederum eine Wende. Jetzt ist der 41 Jahre alte Tatverdächtige aus der U-Haft entlassen worden. Einem Gericht reichten die Ermittlungsergebnisse nicht, um ihn weiter in Haft zu halten.

Das Schicksal von Peggy zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Bild: dpa

Neue Wende im Fall des toten Mädchens Peggy aus Oberfranken.Bereits im September hatte ein Verdächtiger gestanden, die Leiche einst in einem Wald in Thüringen gebracht zu haben. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft damals in Bayreuth mit. Der 41-Jährige habe angegeben, dass er das leblose Kind im Mai 2001 von einem anderen Mann an einer Bushaltestelle übernommen habe. Er habe noch versucht, das Mädchen wiederzubeleben, sie dann jedoch in eine rote Decke gepackt und in einem goldfarbenen Auto in den Wald gebracht.

"Focus Online" berichtete in diesem Zusammenhang davon, dass der Mann "Beihilfe zum Totschlag" gestanden haben soll. Er habe den Ermittlern auch gesagt, wer der Mann war, der ihn an der Bushaltestelle zum Anhalten aufforderte. Zu dieser Person wollten Staatsanwaltschaft und Polizei allerdings im Hinblick auf die Ermittlungen im Moment keine näheren Angaben machen.

+++ Update vom 25.12.2018:Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß +++

Neue Wende im Mordfall der neunjährigen Peggy: Der vor zwei Wochen festgenommene Tatverdächtige ist wieder auf freiem Fuß. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag mitteilten, hat das Amtsgericht Bayreuth den Haftbefehl gegen den 41-Jährigen aufgehoben. Der aus dem oberfränkischen Landkreis Wunsiedel stammende Mann wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Gegenwärtig wird gegen keinen weiteren Beschuldigten ermittelt. Der Anwalt des 41-Jährigen hatte in der vergangenen Woche Beschwerde gegen den Haftbefehl eingelegt.

Wie es in der Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei weiter heißt, verneinte das Gericht einen dringenden Tatverdacht, da das widerrufene Teilgeständnis nicht mehr gegen den Beschuldigten verwendet werden könne und das Spurenbild am Ablageort von Peggys Leiche "nicht ein (...) Tötungsdelikt begründe". Die Staatsanwaltschaft kündigte an, den Beschluss des Gerichts zu überprüfen und danach zu entscheiden, ob eine Beschwerde dagegen eingelegt werden soll.

Die Ermittler prüfen nach der Freilassung des Tatverdächtigen das weitere Vorgehen. Sie wollen die entsprechende Entscheidung des Amtsgerichts Bayreuth eingehend prüfen. Anschließend werde darüber entschieden, ob dagegen Beschwerde eingelegt werden soll, hieß es.

+++ Update vom 12.12.2018:Verdächtiger widerruft Teilgeständnis +++

Vor drei Monaten hatte der 41-Jährige Tatverdächtige in einer Vernehmung zugegeben, dass er die tote Peggy im Mai 2001 mit seinem Auto in den Wald gebracht hatte. Er bestritt jedoch, das Mädchen getötet zu haben. Dieses Teilgeständnis hat der Beschuldigte nach Angaben seines Anwalts jedoch zurückgezogen, wie der Bayerische Rundfunk (BR) am Mittwochabend berichtete. Die Polizei habe seinen Mandanten bei der Vernehmung im September stark unter Druck gesetzt, sagte der Anwalt dem Sender. "Er wollte irgendwann nur noch aus dieser Situation heraus und hat deshalb dann einfach das gesagt, was man von ihm hören wollte."

+++ Update vom 11.12.2018: Festnahme im Mordfall Peggy mit Haftbefehl wegen Mordverdacht +++

Doch nun berichte die "Bild", dass"neue Ermittlungen" den Verdächtigen 41-Jährigen so schwer belasten würden, "dass ihm ein Ermittlungsrichter am Amtsgericht Bayreuth einen Haftbefehl wegen Mordes eröffnete." Nunwurde gegen den Verdächtigen Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Ein Ermittlungsrichter am Amtsgericht Bayreuth entschied nach Angaben der Polizei am Dienstag, dass der 41-jährige Deutsche aus dem Landkreis Wunsiedel in Untersuchungshaft muss.

Es bestehe "ein dringender Tatverdacht", dass "der Mann selbst Täter oder Mittäter" an Peggys Tötung war und anschließend den leblosen Körper in einem Wald ablegte. "Es steht im Raum, dass mit der Tötung eine zuvor begangene Straftat verdeckt werden sollte", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Der Mann wurde bereits am Montag festgenommen. Wesentliche Angaben des Mannes seien "nicht mit den weiteren Ermittlungsergebnissen in Einklang zu bringen", erklärte die Polizei. Daher erfolgte die Festnahme. Er hat bislang keine Angaben gemacht, den Tatvorwurf aber durch seinen Verteidiger bestreiten lassen.

Mordfall Peggy: 9-Jährige verschwindet auf dem Heimweg von der Schule

Peggys Schicksal zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Am 7. Mai 2001 war die damals Neunjährige auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Gut 15 Jahre später - Anfang Juli 2016 - fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg in Oberfranken entfernt.

Vergangene Woche hatte die Polizei mehrere Anwesen des 41 Jahre alten Beschuldigten durchsucht. Der Mann sei schon früher zum "relevanten Personenkreis" im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy gezählt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft damals mit. Der 41-Jährige sei vernommen und danach wieder entlassen worden. Er bleibe auch auf freiem Fuß, hieß es am Freitag. Die Polizei sehe keinen dringenden Tatverdacht. Die Ermittler suchen nachZeugen.

Peggys Leiche wies Torfspuren auf

Nun teilten die Ermittler mit, im Zuge einer forensischen Pollenanalyse von Fundstücken an den sterblichen Überresten des Mädchens Torfspuren entdeckt zu haben. Sie stehen in Bezug zu Pflanzarbeiten des Mannes am Tattag, die den Ermittlern bekannt waren. Außerdem fanden sie Farbreste, wie sie in Renovierungsmüll vorkommen. "Den Ermittlern war bekannt, dass der jetzt Beschuldigte damals umfangreiche Renovierungsarbeiten ausgeführt hatte", hieß es.

Darüber hinaus platzte ein angebliches Alibi des Mannes: Entgegen seiner bisherigen Angaben war er am Tattag in Lichtenberg unterwegs. Den Schulranzen und die Jacke von Peggy will der 41-Jährige Tage später bei sich zu Hause verbrannt haben, wie die Ermittler sagten. Das goldfarbene Auto haben Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen gefunden. Es werde ebenfalls nach Spuren untersucht.

Der Fall Peggy: Ein filmreifer Kriminalfall und seine teils grotesken Enthüllungen

Das traurige Geschehen hätte genug Stoff für einen filmreifen Krimi: Im Laufe der Jahre hatte eine Sonderkommission mehrere Verdächtige, doch viele Spuren liefen ins Leere. Deutschlandweites Aufsehen erregte der Fall eines geistig behinderten Mannes, den ein Gericht 2004 als Mörder von Peggy verurteilte - der aber zehn Jahre später in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde.

Zudem entdeckten Ermittler am Fundort von Peggys Skelett DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Das stellte sich zwar später als Verunreinigung eines Geräts der Spurensicherung heraus - doch äußerte sich im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht sogar die Hauptangeklagte Beate Zschäpe zu dem Fall. Sie bestritt dort, etwas über Peggy gewusst zu haben.

In Peggys Heimatort ist ihr Schicksal seit 17 Jahren immer wieder allgegenwärtig. Im vergangenen Jahr hatten sich Bürger aus Lichtenberg, Bürgermeister Holger Knüppel und mehrere Stadträte mit einem "Hilferuf" an die Öffentlichkeit gewandt. Sie warfen den Behörden gravierende Fehler und Schlamperei bei den Ermittlungen vor und sprachen von einem "Polizei- und Justizskandal". Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden, Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Die Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe zurück.

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rut/news.de/dpa

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