Filmreifer Gefängnisausbruch in Frankreich: Häftling türmt mit Hubschrauber! Pilot berichtet von irrer Aktion!

In Reau, einer Stadt bei Paris, hatte ein Häftling keine Lust mehr auf von Gittern gesiebte Luft und legte einen absolut filmreifen Gefängnisausbruch hin. Noch immer fehlt von dem Gefangenen jede Spur.

In Frankreich wurde ein Häftling von Komplizen spektakulär mit einem Helikopter aus dem Gefängnis befreit. (Symbolbild) Bild: Wolfram Kastl / dpa

In Frankreich ist einem Häftling ein spektakulärer Ausbruch gelungen. Per Hubschrauber sei der 46-Jährige Redoine Faïd am Sonntag mit Hilfe bewaffneter Komplizen aus dem Gefängnis in Réau rund 50 Kilometer südlich von Paris geflüchtet, berichteten französische Medien. Nachdem der Hubschrauber im Innenhof der Haftanstalt gelandet war, brachen die Komplizen demnach die Tür zum Besucherzimmer auf, in dem sich der Gefangene zusammen mit einem seiner Brüder befand. Die Fahndung nach dem Flüchtigen läuft noch.

Flucht mit einem Helikopter aus dem Gefängnis: Ausbilder für Piloten wird zur Befreiungsaktion gezwungen

Die Aktion habe nur wenige Minuten gedauert, Geiseln oder Verletzte habe es nicht gegeben, hieß es weiter. Drei Komplizen sollen bei der Flucht geholfen haben. Der Hubschrauber wurde später rund 60 Kilometer entfernt vom Gefängnis gefunden. Laut Polizeikreisen soll der Pilot ein Ausbilder gewesen sein, der auf einen Schüler gewartet hatte und von den Komplizen zu der Aktion gezwungen wurde. Er stehe unter Schock.

Der entführte Pilot: "Sie haben mich genötigt und gewarnt, dass meine Familie in Gefahr sei"

Die Komplizen des Häftlings Redoine Faïd hätten ihn mit Pistolengriffen geschlagen und seiner Familie gedroht, sagte Stéphane Buy am Mittwoch dem Radiosender RTL. Buy gab an, dass zwei Männer bei ihm einen Flug gebucht hatten. Sie seien vorher schon einmal mit ihm geflogen. "Für mich war das ein Vater, der seinem Sohn eine Freude machen wollte", sagte er. Doch schon am Flugplatz hätten sie ihn bedroht, damit er einen bestimmten Hubschrauber nimmt. "Sie haben mich genötigt und gewarnt, dass meine Familie in Gefahr sei", sagte der Fluglehrer mit brechender Stimme.

Bei einer ersten Zwischenlandung hätten die Männer ihn mit Waffen bedroht, geschlagen und in ihre Pläne eingeweiht. "Ich hatte keine Wahl." Bei einem zweiten Stopp seien weitere Personen dazugekommen und hätten offenbar Dinge in den Helikopter geladen. "Danach ist die Maschine nicht angesprungen und da wurde es zum Alptraum." Die Männer hätten sich aufgeregt, ihn immer heftiger geschlagen. Schließlich lief die Maschine wieder. Die Geiselnehmer dirigierten ihn zum Gefängnis, wo er in einem Hof niedergehen sollte. Bei der anschließenden Flucht sei Faïd sehr ruhig gewesen. Das Kommando wies Buy demnach an, nahe einer Tankstelle nördlich von Paris zu landen. "Sie haben versucht, Feuer in der Kabine zu legen."

Justizministerin Belloubet ordnet Inspektion an

Die Vollzugsbeamten des Gefängnisses mussten nach Darstellung eines Justizgewerkschafters tatenlos bei dem Ausbruch zusehen: "Sie haben ihn (den Helikopter) ankommen sehen, sie haben den Alarm ausgelöst, aber sie konnten nichts tun", sagte Martial Delabroye dem Sender RMC. Die Aufseher des Gefängnisses seien nicht bewaffnet.

Ein Großaufgebot der Polizei sucht weiter nach dem geflohenen Häftling. Ein solcher Ausbruch sei nicht akzeptabel, sagte Premierminister Édouard Philippe am Montag im Radiosender RTL. "Das wirft viele Fragen auf."Rund 2900 Polizisten wurden für die Fahndung nach dem verurteilten Verbrecher Redoine Faïd eingesetzt. "Die Ordnungskräfte sind vollständig mobilisiert, um zu versuchen, diese Person wiederzufinden", sagte Regierungschef Philippe.

Justizministerin Nicole Belloubet ordnete eine Inspektion an, um mögliche Fehler bei den Sicherheitsvorkehrungen in dem Gefängnis von Réau zu klären. Zudem erklärte sie im Sender Europe 1, dass vor einigen Monaten Drohnen über dem Gefängnis gesehen worden seien. "Wir denken daher, dass es vielleicht eine Verbindung zwischen diesen Drohnen (...) und dieser Flucht gibt", sagte sie. Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte eine Untersuchung eingeleitet.

Hubschrauber-Flucht: Häftling hatte wohl vier bis fünf Komplizen

An der spektakulären Helikopter-Flucht aus einem französischen Gefängnis dürften laut Polizei etwa vier bis fünf Komplizen des Häftlings beteiligt gewesen sein. Das ließen die ersten Ermittlungsergebnisse vermuten, sagte Philippe Veroni von der Kriminalpolizei am Dienstag. Die Unterstützer seien noch nicht identifiziert. Bislang war nur bekannt, dass ein bewaffnetes Kommando aus drei Personen am Sonntag per Helikopter in der Haftanstalt Réau südöstlich von Paris gelandet war und den bekannten Verbrecher Redoine Faïd befreite.

Trotz einer groß angelegten Suche ist Faïd weiter auf der Flucht. Nach Regierungsangaben wurden seit dem Ausbruch rund 2900 Polizisten an der Fahndung beteiligt. Veroni warnte, dass der Mann gefährlich sei - falls er gefunden werde, rechne die Polizei mit "einer gewissen Form des Widerstands". Faïd könne versuchen, sich ins Ausland abzusetzen.

Der Ausbrecher mag es spektakulär...

Der 46-Jährige war im April von einem Berufungsgericht wegen eines Raubüberfalls, bei dem eine Polizistin ums Leben kam, zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Bereits im Jahr 2013 hatte er wegen eines Ausbruchs von sich reden gemacht. Damals hatte er vier Wärter als Geiseln genommen.

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pap/news.de/dpa

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