Vulkanausbruch in Guatemala: Haben die Behörden zu spät evakuiert? Staatsanwaltschaft ermittelt nach Kritik

Haben die Behörden beim Vulkanausbruch in Guatemala versagt? Die Staatsanwaltschaft des Landes will nun prüfen, ob die Menschen zu spät aus dem Gefahrengebiet gebracht wurden. Die Zahl der Opfer ist mittlerweile dreistellig.

Eine Feuerwehrfrau trägt den leblosen Körper eines Kindes in den Armen nach dem Ausbruch des Feuervulkans in Guatemala. Bild: Oliver De Ros / dpa

Die Zahl der Toten steigt nach der schweren Naturkatastrophe immer weiter. Stück für Stück arbeiten sich die Suchtrupps an den Hängen des Bergs durch Asche und Geröll. Dutzende Menschen werden noch immer vermisst.

Haben die Behörden zu spät evakuiert? Staatsanwaltschaft ermittelt nach Kritik

Die Staatsanwaltschaft Guatemalas untersucht, ob die Menschen um den Volcán de Fuego (Feuervulkan) rechtzeitig in Sicherheit gebracht wurden. Es seien Ermittlungen eingeleitet worden, um zu prüfen, ob die nötigen Schritte unternommen worden seien, hieß es. Nach dem Ausbruch des Vulkans in dem lateinamerikanischen Land waren am Sonntag mindestens109 Menschen ums Leben gekommen.Weit über 100 Menschen wurden nach dem Unglück vom Sonntag noch immer vermisst.

Zuvor war in den guatemaltekischen Medien Kritik am Katastrophenschutz Conred und dem Institut für Vulkanologie laut geworden. Den Behörden wurde vorgeworfen, das Gebiet um den Vulkan nicht evakuiert zu haben, nachdem der Berg am Sonntagvormittag bereits rumort hatte. Conred-Leiter Sergio García Cabañas erklärte, das Vulkanologie-Institut habe Alarmberichte veröffentlicht - jedoch sei nicht absehbar gewesen, wo die Lavaströme abgingen. Conred stellte am Donnerstag die Suche nach weiteren Todesopfern temporär ein, da der Feuervulkan weiterhin Lava freigab.

Helfer müssen Bergung wegen Lava abbrechen

Die Helfer mussten am Donnerstag im Gebiet um den Volcán de Fuego (Feuervulkan) die Bergungsarbeiten temporär einstellen, da der Berg immer wieder rumorte und Lavaströme ausspuckte. Zudem gefährdeten Schlammlawinen, die durch Regen entstanden waren, die Einsatzkräfte, wie der Katastrophenschutz Conred mitteilte. Der Vulkan war am Sonntag mit voller Kraft ausgebrochen, Lavaströme zerstörten dabei ganze Ortschaften.

Guatemala bittet um internationale Hilfe

Die Regierung Guatemalas, das Außenministerium und der Katastrophenschutz baten gemeinsam um internationale Hilfe. Es werde eine Anfrage auf internationale Unterstützung gestellt, sagte Außenministerin Sandra Jovel. Benötigt würden unter anderem Ausstattung für Notunterkünfte, mobile Medizineinheiten und Fachärzte.

Die USA kündigten an, Unterstützung nach Guatemala zu entsenden. Auf Anfrage des Staats würden Notfallausrüstung sowie finanzielle Hilfe für Essen, Trinken und sanitäre Anlagen bereitgestellt. Die US-Luftwaffe hatte zuvor bereits sechs Kinder mit schweren Verbrennungen zur Behandlung in Spezialkliniken nach Texas ausgeflogen.

Schuhe der Helfer schmelzen beim Einsatz

Immer wieder mussten die Einsatzkräfte ihre Suche unterbrechen, weil es regnete oder der Vulkan wieder Lava ausstieß. Auf dem heißen Untergrund schmolzen die Schuhe der Helfer. "Leute wie ihr bilden eine Nation. Ihr seid echte Helden", sagte Präsident Jimmy Morales bei einem Besuch der Suchtrupps im Katastrophengebiet. "Wir arbeiten daran, euch neue Schuhe und Uniformen zu geben und euren mutigen Geist wieder aufzurichten."

58 Menschen mit schweren Verbrennungen

Mindestens 58 Menschen erlitten bei dem Ausbruch des Volcán de Fuego zum Teil schwerste Verbrennungen. Sechs Kinder wurden zur weiteren Behandlung in eine Spezialklinik in den Vereinigten Staaten ausgeflogen, wie die US-Botschaft in Guatemala mitteilte. Das Nachbarland Mexiko schickte ein Ärzteteam und mobile Praxen nach Guatemala, wie das mexikanische Außenministerium mitteilte.

Der Feuervulkan war am Sonntag ausgebrochen, ein Strom aus Asche, Gestein und heißen Gasen zerstörte mehrere umliegende Dörfer. Der Volcán de Fuego ist einer von drei aktiven Vulkanen in Guatemala. Seit 2002 ist der etwa 3700 Meter hohe Berg wieder verstärkt aktiv. Erst im Mai brach der Vulkan aus und löste eine Schlammlawine aus.

12.000 Menschen wurde evakuiert

Dienstag mehr als 12 000 Menschen in Sicherheit gebracht worden seien. Die Regierung des mittelamerikanischen Landes habe die Hilfe angefordert. Die Luftwaffe habe zudem Ausrüstung gespendet, um guatemaltekische Einsatzkräfte zu unterstützen.

Auch das Nachbarland Mexiko entsandte nach Angaben des Außenministeriums Hilfe. Ein Ärzteteam und mobile Praxen würden nach Guatemala geschickt, teilte das Ministerium mit.

Lavastrom fließt weiter und behindert Bergung

Die Bergungsarbeiten mussten immer wieder unterbrochen werden. Mal machten heftige Regenfälle die Suche unmöglich, dann wieder rumorte der Vulkan und versetzte Anwohner und Helfer in Panik. Das Institut für Vulkanologie meldete am späten Nachmittag einen erneuten Abgang eines Lava-Stroms vom Feuervulkan. Dieser sei rund 30 Meter lang und stellenweise bis zu drei Meter hoch, erklärte das Institut auf Twitter. Der Strom habe Felsbrocken und Bäume mitgerissen.

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pap/news.de/dpa

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