Polizei-Angriff bei Musikfest in Darmstadt: Hessens Innenminister Peter Beuth will härtere Strafen - "Ungeheuerlicher Angriff"

Mitten in Darmstadt griff eine Menschenmenge bei einem Musikfest Polizisten an. 15 Beamte werden verletzt - und mehr als 80 Tatverdächtige festgenommen. Was war der Grund für die Gewalt?

In Darmstadt nahm die Polizei rund 80 Personen fest. Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Erst waren es wenige, dann sahen sich Polizisten in Darmstadt nach einem Musikfestival plötzlich mit mehr als 100 Angreifern konfrontiert. In der Nacht zum Sonntag sollen sich mehrere Gruppen zu einer Attacke auf Sicherheitskräfte zusammengetan haben. Die Bilanz der Polizei: 15 verletzte Beamte und mehr als 80 festgenommene Tatverdächtige.

Betrunkene greifen Polizei mit Steinen und Flaschen an - 15 verletzte Beamte

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei handelte es sich nicht um eine spezielle Gruppierung. "Viele der festgenommenen Personen waren stark angetrunken", sagte ein Polizeisprecher. Gegen 2.10 Uhr seien Einsatzkräfte im Darmstädter Herrngarten unvermittelt von mehreren kleinen Gruppen mit Flaschen und Steinen beworfen worden. In der Stadt fand bis Sonntag das alljährliche Schlossgrabenfest statt, nach Angaben der Organisatoren Hessens größtes Musikfestival.

Kein politischer Hintergrund oder Strategie der Angreifer

"Ersten Ermittlungen zufolge schlossen sich die kleinen Gruppen - womöglich aus Solidarität - zusammen und gingen gewaltsam gegen die Beamten vor", sagte der Sprecher. Hinter dem Gewaltausbruch habe man bislang keine "Strategie" feststellen können.

Bei den zum Teil vermummten Angreifern habe es sich um Deutsche und um Ausländer aus unterschiedlichen Milieus gehandelt. "Einen politischen Hintergrund können wir bisher nicht erkennen", fügte der Sprecher hinzu. Die Beamten waren zunächst wegen Ruhestörung und einer mutmaßlichen Körperverletzung zu dem Park gerufen worden.

Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch

Mit Hilfe weiterer Kräfte aus Südhessen, aber auch aus Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden räumte die Polizei schließlich den Park. Bei den Festgenommenen handele es sich zumeist um junge Männer, es seien aber auch Frauen festgenommen worden. Die meisten der Festgenommenen wurden am Sonntag freigelassen. Gegen etliche von ihnen werde wegen Landesfriedensbruchs ermittelt.

Polizeipräsident Bernhard Lammel: "Solch ein Gewaltausbruch ist mit nichts zu rechtfertigen."

Darmstadts Polizeipräsident Bernhard Lammel sagte: "Solch ein Gewaltausbruch ist mit nichts zu rechtfertigen." Die Schadensbilanz stand zunächst nicht fest. Mehrere Einsatzwagen der Polizei wurden durch Flaschenwürfe beschädigt. Auch ein Altkleidercontainer wurde in Brand gesetzt, Randalierer warfen Scheiben rund um den Park ein.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU): "Ungeheuerlicher Angriff"

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte harte Strafen. "Diese Tat stellt nicht nur einen ungeheuerlichen Angriff gegen die eingesetzten Beamtinnen und Beamten dar; es ist zugleich auch ein Angriff gegen unseren Rechtsstaat und unsere Gesellschaft", teilte der CDU-Politiker am Sonntag mit. Er wolle deshalb auf der kommenden Innenministerkonferenz (6. bis 8. Juni) erneut eine Verschärfung des Strafrechts für solche gezielten Angriffe einfordern.

Polizeigewerkschaft fordert bessere Ausstattung

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte eine bessere Ausstattung der Beamten. "Leider werden derartige Feste von Chaoten und Trittbrettfahrern missbraucht, um Gewalt gegen Personen und Gegenstände auszuüben. Folglich müssen die polizeilichen Maßnahmen sowohl personell als auch logistisch aufgerüstet werden", wurde der Landesvorsitzende Lars Maruhn in einer Mitteilung zitiert.

Das Schlossgrabenfest endete am Sonntagabend nach vier Tagen. Zu dem Fest, bei dem mehr als 100 Bands auftreten, wurden im Vorfeld mehr als 400 000 Besucher erwartet.

100 Festgenommene nach Krawallen in Darmstadt wieder auf freiem Fuß

Nach dem Angriff auf Polizeibeamte in Darmstadt wird ermittelt, aber es gibt keine Haftbefehle. 100 Menschen waren in der Nacht zum Sonntag vorübergehend festgenommen worden. "Mittlerweile sind alle wieder auf freiem Fuß", sagte ein Sprecher der Polizei am Montag.

Nach dem Ende des dritten Schlossgrabenfest-Tages war die Polizei in der Nacht zum Sonntag gegen 2.00 Uhr in den Darmstädter Herrngarten gerufen worden, wo Einsatzkräfte nach eigener Darstellung von mehreren Gruppen mit Flaschen und Steinen beworfen wurden. 15 Beamte wurden verletzt.

Ermittelt werde jetzt wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Betäubungsmittel-Delikten. Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen. Sie will auch eine Internetseite bereitstellen, auf der Zeugen Fotos und Videos einstellen können.

Die Gruppe habe sich nach derzeitigem Ermittlungsstand spontan zusammengerottet, sagte der Sprecher. Es habe wohl einen "Solidarisierungseffekt" gegeben. "Wir gehen davon aus, dass dem keine Strategie oder Planung zugrunde lag. Auch eine politische Motivation ist nicht erkennbar." Überwiegend habe es sich um Männer gehandelt, "es waren aber auch Frauen darunter".

Lesen Sie auch:Massenrandale? Polizei korrigiert Zahlen nach unten.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

jat/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser