Hundeangriff in Stetten: Rentnerin von Kampfhund zerfleischt! Prozessbeginn in Baden-Württemberg

Ein Abendspaziergang endet für eine Frau fatal: Die 72-Jährige wird im Mai 2017 von einem Hund angefallen und totgebissen. Die Attacke sorgt für Entsetzen - so wie ähnliche Vorfälle in Deutschland.

Eine 72-Jährige Frau wurde in Baden-Württemberg von einem Hund der Rasse Kangal totgebissen (Symbolbild). Bild: Christoph Schmidt/dpa

Die alte Dame hat keine Chance.Im Mai 2017 wird sie - so schildert es der Staatsanwalt - in Stetten am kalten Markt bei Sigmaringen (Baden-Württemberg) von einem Hund der Rasse Kangal angefallen. Das Tier reißt sie zu Boden, beißt ihr mehrfach in Kopf und Hals. Zwar ist schnell ein Notarzt da. Doch der kann sich erst um die Frau kümmern, als der aggressive Hund von ihr ablässt. Die Seniorin stirbt an ihren schweren Verletzungen.

Rentnerin von Kampfhund zerfleischt: Prozessbeginn in Sigmaringen

Vor dem Amtsgericht Sigmaringen müssen sich seit Dienstag die Besitzer des Tieres - eine 44-Jährige und der 48-jährige, von ihr getrennt lebende Ehemann - verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen fahrlässige Tötung vor (Az.: 5 Ls 11 Js 4710/17).

Kampfhunde-Attacken in Deutschland häufen sich

Die tödliche Attacke des Hundes im Süden Baden-Württembergs ist eine von vielen, die regelmäßig für Entsetzen sorgen. Zuletzt biss in diesem Frühjahr ein Kampfhundmischling in Hannover seine 52 Jahre alte Besitzerin und deren 27 Jahre alten Sohn tot. Ebenfalls im April tötete ein Mischlingshund einen sieben Monate alten Jungen in Hessen mit einem Biss in den Kopf. In München fiel erst kürzlich ein Rottweiler mehrere Passanten an.

Ehemann des Opfers fordert Hundeführerschein

Angesichts solcher Vorfälle kommt die Frage nach strengeren Vorschriften bei der Hundehaltung auf. Der Ehemann der getöteten 72-Jährigen - der beim Prozess in Sigmaringen als Nebenkläger auftritt - spricht sich in der Verhandlungspause für einen Hundeführerschein aus. "Der Tod meiner Frau war sinnlos und grausam", sagt er. Er verstehe nicht, warum die Haltung von Hunden nicht besser geregelt sei. "Sonst gibt es für alles Vorschriften."

Verband für das Deutsche Hundewesen lehnt Hundeführerschein ab

Der Verband für das Deutsche Hundewesen lehnt einen verbindlichen Führerschein dagegen ab. "Wir wollen Halter, die sachkundig sind. Das sollte auf freiwilliger Basis gefördert werden", sagt die Abteilungsleiterin für gesetzliche Vorgaben, Birgit Büttner. Sonst sei zu befürchten, dass beispielsweise Senioren, die einer entsprechenden Prüfung nicht mehr gewachsen seien, keine Hunde halten dürften. Zudem hänge die Gefährlichkeit von Hunden nicht von der Rasse ab, sondern von Haltung, Zucht und Sozialisierung.

Über 1.400 Hundeattacken in Baden-Württemberg im Jahr 2017

Ein Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass strafrechtlich relevante Vorfälle mit Hunden in Baden-Württemberg seit Jahren offenbar zunehmen. 2017 wurden demnach 1433 Menschen von Hunden verletzt - ein Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem Wert von 2013, als 1189 Opfer gezählt wurden. Bundesweit werden Vorfälle mit Hunden nach Angaben des Bundeskriminalamtes nicht erfasst.

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