Mehr als 20 Anzeigen in Bayern: Polizei schnappt Schulschwänzer an Flughäfen

Dieser Ferienstart ging gründlich in die Hose: Auf Flughäfen in Bayern hat die Polizei zahlreiche Schulschwänzer aufgegabelt, die mit ihren Familien früher in den Urlaub starten wollten. Jetzt hagelte es Anzeigen.

Ferienstart trotz Schulpflicht? Für die Polizei kein Kavaliersdelikt. Bild: Karl-Josef Hildenbrand / picture alliance / dpa

Zu Beginn der Pfingstferien hat die Polizei an Flughäfen in Bayern rund 20 Familien erwischt, die ihre Kinder die Schule schwänzen ließen. Alleine in Nürnberg entlarvten Beamte in elf Fällen Eltern, die mit dem Nachwuchs lieber in den Urlaub flogen, statt dieKinder in denUnterricht zu schicken. Am Allgäu-Airport nahe Memmingen zählten Polizisten zehn Fälle, bei denen Kinder unentschuldigt der Schule fernblieben. Gegen die Eltern ist bei den zuständigen Landratsämtern Anzeige erstattet worden.

Schule schwänzen vor den Ferien ist kein Kavaliersdelikt

Gerade vor Beginn der Ferien kommt es immer wieder vor, dass Eltern ihre Kinder die Schule schwänzen lassen. Gründe sind etwa günstigere Flüge oder weniger volle Straßen. Normalerweise braucht es eine Genehmigung der Schule, wenn Familien mit schulpflichtigen Kindern früher in den Urlaub starten wollen. In einigen der 16 deutschen Bundesländer gibt es Pfingstferien, die längsten in Bayern und Baden-Württemberg.

 

Schule schwänzen kann teuer werden

Schulschwänzen ist kein Kavaliersdelikt, doch verlängern immer mehr Eltern die Ferien ihrer Kinder ohne Erlaubnis der Schule - wohl auch, um sich so manches Reiseschnäppchen zu sichern. Was aber nützt das beste Sonderangebot, wenn Bußgelder drohen? Fragen und Antworten:

Seit wann gilt in Deutschland die allgemeine Schulpflicht?

Seit 1919. Damals wurde der regelmäßige Besuch der Schule in die Weimarer Verfassung aufgenommen - als Recht, aber eben auch als Pflicht für alle. Höhere Bildung sollte nicht länger das Privileg der Reichen und Mächtigen sein, sondern allen zugute kommen. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende des Kaiserreichs wollten die Schulreformer neue Impulse für die Demokratisierung von Staat und Gesellschaft setzen.

Gibt es heutzutage eine bundesweite Regelung?

Nein. Nur der staatliche Erziehungsauftrag findet sich im Grundgesetz, Details sind Sache der Länder. Dauer und Inhalt der Schulpflicht regelt das jeweilige Schulgesetz - ebenso die Strafen, mit denen Verstöße gegen die Schulpflicht sanktioniert werden können.

Welche Strafen drohen denn, wenn ein Schüler unentschuldigt fehlt?

Eltern, deren Kinder ohne Zustimmung der Schule fehlen, drohen Verwarn- oder Bußgelder. Deren Höhe legen Städte und Kommunen selber fest. Das beginnt bei wenigen Euro pro Tag und kann bis zu insgesamt 2.500 Euro reichen - wie zum Beispiel in Berlin. 2013 wurde dort eine Mutter sogar zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt - wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht. Ihr Sohn hatte an fast 1.000 Tagen die Schule geschwänzt.

Wie häufig sind solche Bußgeldverfahren?

Im Schuljahr 2016/17 wurden allein in Berlin in mehr als 860 Fällen Bußgelder verhängt. In der Regel gehen Gespräche mit den Eltern voraus. Erst wenn die erfolglos bleiben, flattert der Bußgeldbescheid ins Haus. Mitunter versuchen die Vollziehungsbeamten vergeblich, das Geld bei den Familien einzutreiben. Oft seien die Betroffenen zu arm, um die Strafe zu begleichen, heißt es.

Schon gelesen? Fünfjähriger soll für Schwänzen bei Kindergeburtstag zahlen

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

loc/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser