Flugzeugabsturz in Havanna: Mehr als 100 Tote! Vorwürfe gegen den Flugzeug-Eigner

Von Flug DMJ 0972 blieben nur zerfetzte Flugzeugteile zwischen hohem Gras und Palmen. Die Maschine zerschellte neben dem Flughafen von Havanna. Die Hintergründe und die Zahl der Toten des Unfalls waren zunächst ungeklärt. Lateinamerika kondoliert.

Rettungskräfte am Unfallort: In Havanna ist ein Passagierflugzeug vom Typ Boeing 737 kurz nach dem Start abgestürzt. Bild: picture alliance / Andrea Rodriguez/AP/dpa

Ermittler des Flugzeugabsturzes auf Kuba haben einen der Flugschreiber der Maschine gefunden. Die Blackbox sei in einem guten Zustand, sagte der Verkehrsminister des sozialistischen Karibikstaates, Adel Yzquierdo, am Samstag. Yzquierdo sagte dem Staatsfernsehen, Experten arbeiteten intensiv an der Absturzstelle, um auch den zweiten Flugschreiber zu finden.

Vorwürfe gegen Eigner des in Kuba abgestürzten Flugzeugs

Ein Ex-Pilot hat dem Eigner der in Havanna abgestürzten Passagiermaschine schwere Vorwürfe gemacht. Das Flugzeug, bei dessen Absturz am Freitag 110 Menschen starben, gehört der mexikanischen Fluggesellschaft Damojh. Er habe bereits im Jahr 2013 die schlechte Instandhaltung bei Damojh den zuständigen Behörden gemeldet, berichtete Pilot Marco Aurelio Hernández Carmona am Sonntag in mexikanischen Medien.

Er hat eigenen Angaben zufolge von 2005 bis 2013 bei der Fluggesellschaft gearbeitet. In dieser Zeit habe es immer wieder Probleme gegeben, beispielsweise mit überhitzten Motoren, Übergewicht bei Flügen und überarbeiteten Piloten. Zudem habe es Korrosion an den Flügeln der Maschinen und Ausfälle des Radars gegeben.

Die Flugzeuge hätten die Prüfungen zum Zustand immer bestanden, teilte hingegen Andrés Cortés von Damojh der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Untersuchungen seien in jedem Jahr durchgeführt worden, sagte Cortés. Zu den konkreten Vorwürfen des Piloten äußerte er sich zunächst aber nicht.

Flug DMJ 0972 in Havanna abgestürzt - mehr als 100 Tote

Das Passagierflugzeug mit mehr als 100 Menschen an Bord war am Freitagmittag am internationalen Flughafen José Martí von Havanna verunglückt. Nach Angaben der kubanischen Parteizeitung "Granma" wurden am Freitag lediglich drei Frauen und ein Mann lebend aus den Trümmern geborgen. Der Mann sei jedoch kurz darauf gestorben. Eine offizielle Zahl der Toten wurde zunächst nicht mitgeteilt. Mehrere Medien berichteten von 104 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern aus Mexiko an Bord der Maschine. Am Samstag war zudem die Rede von einem sechsten Mitglied der Besatzung von Flug DMJ 0972, einem Techniker. Welche Staatsangehörigkeit dieser hatte, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Mehr als die Hälfte der Opfer stammte nach Angaben des kubanischen Online-Portals "Cubadebate" aus der Stadt Holguín im Osten der Insel, die das Ziel des Flugs gewesen wäre. Fünf der Passagiere waren offenbar nicht aus Kuba. Das argentinische Außenministerium bestätigte, dass zwei argentinische Staatsbürger bei dem Absturz ums Leben kamen. Zu den weiteren Opfern gab es zunächst keine Details.

Flugzeugabsturz auf Kuba: Boeing 737 in Havanna abgestürzt - Überlebende weiter in Lebensgefahr

Die drei Frauen, die in das Krankenhaus Calixto García in Havanna gebracht worden waren, schwebten in Lebensgefahr, wie der Leiter der Klinik, Carlos Alberto Martínez Blanco, laut lokaler Medien am Samstag mitteilte. Ein Spezialteam kümmere sich um die Patientinnen. Eine der Patientinnen hatte demnach schwere Verbrennungen an 30 Prozent ihres Körpers erlitten.

Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel sprach im Namen der Regierung den Familien Beileid aus. Eine Kommission untersuche die Umstände des Unfalls, so Díaz-Canel. Mehr als die Hälfte der Opfer stammte nach Angaben von "Cubadebate" aus der Stadt Holguín im Osten der Insel, die das Ziel des Flugs DMJ 0972 gewesen wäre.

Wie kam es zu dem Flugzeugabsturz in Havanna auf Kuba?

Die Maschine war unmittelbar nach dem Start auf einem Feld in der Nähe des Flughafens José Martí zerschellt. Die weißen, noch rauchenden Teile lagen zwischen hohem Gras und Palmen. Die Besatzung stammte aus Mexiko. Sie habe aus einem Piloten, einem Co-Piloten und drei Flugbegleiterinnen bestanden, teilte das Verkehrsministerium des lateinamerikanischen Landes mit.

Die Maschine vom Typ Boeing 737 gehörte der mexikanischen Fluggesellschaft Damojh, sie wurde jedoch von der staatlichen kubanischen Gesellschaft Cubana gemietet und betrieben. Die Fluggesellschaft Damojh wurde 1990 in Mexiko gegründet, zur Flotte zählen laut Ministerium lediglich drei Flugzeuge. Das Außenministerium Argentiniens bestätigte am Abend, dass auch zwei argentinische Staatsbürger bei dem Absturz gestorben seien.

Passagiermaschine war auf dem Weg in die Stadt Holguín

Auf Videoaufnahmen waren eine dichte Rauchwolke in der Nähe des Flughafens zu sehen. Ein Video, das in den sozialen Medien geteilt wurde, zeigte einen Feuerball über der Absturzstelle.

Auch der ehemalige kubanische Präsident Rául Castro drückte sein Beileid aus. Das berichtete das Staatsfernsehen. Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto schrieb auf Twitter, Mexikos Gedanken seien bei den Familienangehörigen und Opfern. Weitere Beileidsbekundungen kamen aus Venezuela und Nicaragua. Auch die Regierungschefs aus Kanada, Paraguay und Bolivien nahmen Anteil.

Der letzte größere Unfall einer Passagiermaschine auf Kuba hatte sich 2010 ereignet. Damals war in dem Karibikstaat ein Flugzeug der Airline Aerocaribbean mit Touristen an Bord auf dem Weg vom östlich gelegenen Santiago de Cuba nach Havanna abgestürzt. Alle 68 Insassen, darunter zwei Deutsche, starben.

Bundespräsident Steinmeier spricht Kubanern Beileid aus

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Kubanern nach dem Flugzeugunglück bei Havanna mit wohl mehr als 100 Toten sein Beileid ausgesprochen. "Mit großer Betroffenheit" habe er von der Katastrophe gelesen, schrieb Steinmeier dem Präsidenten der Republik Kuba, Miguel Díaz-Canel, am Samstag. "Auch im Namen meiner Landsleute spreche ich Ihnen, Herr Präsident, und den kubanischen Bürgerinnen und Bürgern meine tief empfundene Anteilnahme aus", heißt es in dem Kondolenzschreiben. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien. Den Verletzten wünschen wir eine schnelle und vollständige Genesung."

Lesen Sie auch: Schießerei an High School in Texas mit mindestens 8 Toten - Polizei entdeckt mehrere Sprengsätze.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

kad/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser