Virtueller Sextourismus: Abscheulich! Kinder vor Webcam von Mutter missbraucht

Sie missbrauchen nicht selbst Kinder - sie geben die Anweisung dazu. Gegen Geld lassen Täter Mädchen und Jungen in Südostasien Sexspiele ausführen. In einem der ersten Prozesse um diese Missbrauchsart in Deutschland steht ein Mann in Traunstein vor Gericht.

Die Dunkelziffer beim virtuellen Sextourismus ist hoch. Bild: Fotolia/ Photographee.eu

Der Mann saß zuhause in Oberbayern - und gab von dort aus Anweisungen für den Missbrauch von Kindern auf der anderen Seite der Welt. Unter einem Pseudonym chattete er mit einer Philippinin - die ihm ihre drei kleinen Kinder über das Netz anbot. Für Spielchen, die der Kunde aus dem reichen Deutschland über eine Videokamera sehen wollte und bezahlte.

Deutscher (48) lässt Kinder vor Webcam missbrauchen

Der 48-Jährige soll sich über mehr als zwei Jahre hinweg mit der Frau und ihren Kindern im Internet verabredet haben, anfangs waren die Kinder vier bis acht Jahre alt. Im vergangenen August wurde der Mann in Untersuchungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft Traunstein und das Bundeskriminalamt (BKA) schrieben damals vom "noch neuen Modus Operandi des 'Webcam Child Sex Tourism'" (WCST).

Mann aus Traunstein wegen virtuellem Sextourismus vor Gericht

Von Dienstag an muss sich der Mann nun vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Ihm wird Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie der Besitz kinderpornografischer Bilder und Videos vorgeworfen. Er soll für die Dienste über die Jahre mehrere Tausend Euro an die Mutter gesandt haben. Es ist einer der ersten Prozesse um diese Art von Kinderpornografie und Missbrauch in Deutschland.

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Neue Plattform für Pädophile

Das Phänomen Webcam-Kindersextourismus entwickelte sich mit der Verbreitung des Internets in Südostasien. "Das Internet hat den Vorteil: Der Nutzer muss nicht aus der Haustüre hinausgehen und sein Gesicht zeigen - und er kann das Ganze abfilmen", sagt Matthias Wenz vom Referat zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen beim BKA. Für den späteren eigenen Gebrauch - oder für den Tausch im Netz. Nicht zuletzt über derartige Tauschbörsen kommen die Ermittler gelegentlich den Tätern auf die Spur.

Völlig neu ist die Form des "ferngesteuerten Missbrauchs" nicht, sagt Wenz. Neben dem Fall in Bayern laufe noch ein Strafverfahren gegen einen Beschuldigten, der auf den Philippinen eine Hilfsorganisation für Mädchen gründete - und sich unter diesem Deckmantel an Kinder auch für den Missbrauch vor der Webcam herangemacht haben soll.

Kindesmissbrauch für wenig Geld

Der Weg über das Internet ermögliche Kriminellen den direkten Zugang zu ungeschützten Kindern gegen geringes Entgelt. Damit könnten sie Opfer in anderen Ländern leichter und häufiger missbrauchen als je zuvor. 10 bis 100 US-Dollar zahle ein Kunde im Schnitt pro "Show". Es bestehe die Gefahr, "dass WCST schon bald zu einer größeren, schwerer zu kontrollierenden Industrie wachsen wird, die von organisierten Verbrechersyndikaten dominiert wird", warnt Terre des hommes.

Missbrauchte die Mutter ihre Kinder auf Anweisung?

Wenn die Vorwürfe stimmen, missbrauchte die philippinische Mutter ihre eigenen Kinder auf Wunsch des Angeklagten. Teils forderte der Mann sie auf, ihre Kinder gegenseitig Sexpraktiken ausführen zu lassen. Nur bei wenigen Wünschen lehnte die Mutter ab. Und manchmal kam ein Kind davon, weil es nicht zuhause war.

Dem Angeklagten drohen 2 bis 15 Jahre Freiheitsstrafe. Was mit der Mutter geschieht, wie die Kinder mit dem Erlebten zurechtkommen - das bleibt zunächst offen. "Wir haben mit den örtlichen Behörden zusammengearbeitet, als es die Festnahme gab", sagt Wenz. "Alles Weitere müssen wir den örtlichen Behörden und NGOs überlassen."

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fka/news.de/dpa

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