Amok-Fahrt in Münster: Rachepläne und Verfolgungswahn - DAS wissen wir über Jens R.!

Warum fährt ein Mann in Münster in eine Menschengruppe und erschießt sich dann selbst? Noch haben Staatsanwaltschaft und Ermittler keine Antwort darauf. Doch offenbar war Jens R. psychisch labil und plante einen spektakulären Selbstmord.

Amok-Fahrer Jens R. soll psychisch labil gewesen sein. Bild: dpa

Nach der Amokfahrt von Münster suchen die Ermittler weiter nach Motiv und Hintergründen für die Tat mit drei Toten und mehr als 20 Verletzten. In einer gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei in Münster hieß am frühen Sonntagmorgen: "Bislang liegen keine Hinweise auf einen möglichen Hintergrund für die Tat vor. Die Ermittlungen werden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt."

Mann rast in Münster in ein Straßencafé - Fahrer erschießt sich

Klar ist bisher nur, dass am Samstag um 15.27 Uhr ein Mann einen silberfarbenen Campingbus im Zentrum in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte gesteuert und sich danach im Wagen erschossen hatte. Einige der Verletzten seien in Lebensgefahr, teilten die Behörden mit. "Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich bei dem Fahrer vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus Münster", erläuterte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt.

Der Amokfahrer von Münster besaß keinen eigenen Waffenschein, als er sich nach der blutigen Tat in seinem Wagen erschoss. "Er hatte keinen Waffenschein. Es war keine ordnungsgemäß erworbene Waffe", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montagmorgen dem Sender WDR 5.

War der Amok-Fahrer psychisch labil?

Nach Informationen von "FAZ.NET" stammt der Täter aus Olsberg im Sauerland. Laut der "Süddeutschen Zeitung" war sein Name Jens R. Auf ihn war der Kleintransporter auch zugelassen. Er habe schon lange in Münster nahe des Tatorts gelebt. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU)hatte am Samstagabend gesagt: "Es spricht im Moment nichts dafür, dass es einen islamistischen Hintergrund gibt." Nach dpa-Informationen handelte es sich womöglich um einen psychisch labilen Einzeltäter.

Jens R. wollte sich rächen

Der Amik-Fahrer von Münster, Jens R., hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. In dem 92-Seiten-Brief sind vor allem seine Eltern die Schuldigen an seinem verkorksten Leben. Wenn er Niederlagen hinnehmen musste, waren generell immer andere Menschen schuld. Nachbarn, Geschäftspartner und immer wieder seine Eltern, die ihn angeblich schon seit der Geburt misshandelt hätten, schreibt die "Bild". Dieser krankhafte Verfolgungswahn machte ihn offenbar zum Mörder und Selbstmörder.

Amok-Fahrer Jens R. plante spektakulären Selbstmord

Wie die "Westfälischen Nachrichten" berichten, soll sich Jens R. am 29. März in einer Mail von all seinen Bekannten verabschiedet und damit einen Selbstmord angedeutet haben. Die Welt berichtet zudem unter Berufung auf Polizeikreise, Jens R. habe "in der Vergangenheit schon einmal geäußert, Suizid zu begehen. Dieser sollte spektakulär sein."

Am Vormittag werden Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU)in Münster erwartet. Möglicherweise werden beide mit weiteren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit gehen.

Todesopfer von Münster identifiziert

Die Polizei identifizierte inzwischen die beiden Todesopfer. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei handelt es sich um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken.

Die Polizei fand bei der Durchsuchung der Wohnung des Amokfahrers keine brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47, wie es hieß. Die Beamten hätten nur eine Dekorationswaffe und Feuerwerkskörper gefunden. Spezialisten hätten aus Sicherheitsgründen die Wohnungstür aufgesprengt, bevor die Beamten die Räume hätten untersuchen können. Am Samstagabend waren in Münster wiederholt Explosionsgeräusche zu hören gewesen.

Was fanden die Beamten im Todes-Bus von Münster?

Auch unmittelbar nach der Amokfahrt hatten sich die Einsatzkräfte dem Campingbus mit großer Vorsicht genähert, da Beamte Drähte sahen, die ins nicht einsehbare Fahrzeuginnere führten. Experten des Landeskriminalamts aus Düsseldorf hätten dann das Fahrzeug auf mögliche Gefahren ausgiebig untersucht und letztlich Entwarnung gegeben, hieß es weiter. Ermittler hätten im Wagen die Waffe, mit der sich der Täter erschossen habe, sowie eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper gefunden.

Die Polizei lobte das besonnene Verhalten der Menschen. "Die Polizei konnte die notwendigen Maßnahmen schnell und reibungslos treffen", erklärte der Einsatzleiter, Polizeidirektor Martin Fischer. "Alle haben sich vorbildlich verhalten und den Tatortbereich sehr schnell verlassen."

Polizei bittet Bevölkerung im Mithilfe

Das Bundeskriminalamt richtete im Internet für Zeugen ein Hinweisportal ein: Unter der Adresse https://www.bka-hinweisportal.de/ könnten Videos oder Fotos, die im Zusammenhang mit der Tat stehen, hochgeladen werden. Nach Angaben der Polizei laufen inzwischen viele Hinweise ein.

"Allein die Tatortaufnahme wird viel Zeit in Anspruch nehmen", erklärte Fischer zum Stand der Untersuchungen. "Wir brauchen Zeit, die Spuren auszuwerten und die Ergebnisse der Ermittlungen zusammenzuführen." Auch am Sonntag sei deshalb mit Behinderungen in Münsters Innenstadt zu rechnen.

Münster nach Amok-Fahrt unter Schock

Die Spurensuche am Tatort dauerte in der Nacht an. Leichen wurden dort erst im Dunklen abgeholt. Polizisten sperrten den Bereich weiter großräumig ab. Keine Angaben machte die Pressemitteilung über Gerüchte, wonach zwei weitere Personen aus dem Transporter gesprungen und geflüchtet sein könnten. Die beschauliche Universitätsstadt Münster stand unter Schock. Spontan versammelten sich Bürger, um gemeinsam zu trauern. Im Paulus-Dom in Münster gibt es am Sonntagabend einen ökumenischen Gedenkgottesdienst, den Bischof Felix Genn leiten will.

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fka/news.de/dpa

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