Amoklauf in YouTube-Zentrale: Polizei hatte vorher Kontakt zu Angreiferin

Wenige Wochen nach dem Massaker an einer Schule in Florida mit 17 Toten kommt es in den USA erneut zu Schusswaffengewalt. In dem Internet-Unternehmen Youtube in Kalifornien schießt eine Frau um sich. Nun kommt heraus: Die Polizei hatte vorher Kontakt zur Angreiferin.

Polizisten gehen in der Nähe eines Büros von Youtube. In der Zentrale des Internet-Unternehmens Youtube hat eine Frau Schüsse abgegeben und sich anschließend vermutlich selbst umgebracht. Bild: dpa

In der Zentrale des Internet-Unternehmens Youtube in Kalifornien hat eine Frau am Dienstag Schüsse abgegeben und anschließend vermutlich sich selbst umgebracht. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, drei davon durch Schüsse, sagte der Polizeichef der Stadt San Bruno bei San Francisco, Ed Barbarini, mehrere Stunden nach dem Vorfall. Einer von ihnen, ein 36-jähriger Mann, befindet sich Medienberichten zufolge in "kritischem" Zustand. Die Behörden gehen nicht davon aus, dass die Tat einen terroristischen Hintergrund hatte.

Schüsse in Youtube-Zentrale: Rätsel um Motiv der Schützin

Zu der Identität und den möglichen Motiven der Frau äußerte sich die Polizei zunächst nicht. Medien hatten berichtet, sie habe versucht, ihren Freund zu erschießen. Laut US-Medien soll es sich bei der Täterin um die 38-Jährige Nasim Aghdam handeln. Warum die Frau das Feuer eröffnete, bleibt vorerst ein Rätsel.

Das Youtube-Gebäude war evakuiert worden, mehrere Hundert Menschen mussten ihre Arbeitsplätze verlassen. "Es war sehr chaotisch", beschrieb der Polizeichef von San Bruno, Ed Barbarini, die Szene vor Ort. Die Polizei durchsuchte den Komplex. Erst nach mehreren Stunden kam die Entwarnung, dass den Beschäftigten der Google-Tochter keine weitere Gefahr drohte. Die drei Schussopfer wurden in ein Krankenhaus gebracht.

Täterin tötet sich vermutlich selbst

Die Frau sei in dem Komplex von der Polizei gefunden worden, teilten die Ermittler mit. Sie habe sich vermutlich selbst umgebracht, hieß es. Das australische Nachrichtenportal News.com.au berichtete, die Frau habe mindestens 40 Schüsse abgegeben, bevor sie sich selbst getötet habe.

Google-Chef Sundar Pichai unter Schock

Google-Chef Sundar Pichai bezeichnete den Vorfall als einen "schrecklichen Akt von Gewalt". Viele Mitarbeiter stünden unter Schock. Er sagte den Betroffenen Hilfe zu, um diese "unvorstellbare Tragödie" zu überwinden. "Dies ist ein trauriger Tag für die Youtube-Familie", sagte Firmensprecher Chris Dale. Eine eng miteinander verbundene Gemeinschaft sei von dieser Tat betroffen.

Motiv unklar: Beziehungstat oder Terror?

Die Behörden gehen nicht von einem terroristischen Hintergrund der Tat aus. Die Leitung der Ermittlungen habe die Polizei San Bruno, teilte die Bundespolizei FBI mit. Dies wird als Zeichen gewertet, dass es sich nicht um einen Angriff gegen den Staat handelt. Der US-Sender ABC7 berichtet zudem, dass die Täterin in keiner Beziehung zu den Opfern stand. Sie selbst sei jedoch Nutzerin der Plattform gewesen. Dem Bericht nach hat die Schützing Youtube für die angebliche Zensur und die finanzielle Entwertung ihrer Inhalte verantwortlich gemacht, hie es. Demnach habe die Schützin immer mehr Nutzer auf ihrem Account verloren.

Vater warnte Polizei vor seiner Tochter

Der Vater der Frau sagte der Zeitungsgruppe Bay Area News Group, seine Tochter habe sich geärgert, dass Youtube sie nicht mehr für ihre Videoinhalte bezahlt habe. Sie sei eine vegane Aktivistin gewesen, zitierte ihn die Zeitung "East Bay Times", die zur Mediengruppe gehört. Er warnte die Polizei, dass Nasim Aghdam auf den Weg zum Firmengelände von Youtube sei und einen regelrechten "Hass" auf das Unternehmen entwickelt habe.

Laut der Behörden soll die Frau aus Menifee im Riverside County südöstlich von Los Angeles stammen, wie die "East Bay Times"berichtet.

Polizei hatte vorher Kontakt zu Angreiferin

In der Nacht vor der Attacke auf die Zentrale der Videoplattform YouTube in Kalifornien hatte die Polizei die Angreiferin befragt. Die Beamten fanden die Frau schlafend in einem geparkten Auto in Mountain View. Bei der Überprüfung des Auto-Kennzeichens bemerkten sie, dass eine Vermisstenanzeige für die Frau vorlag. Am darauffolgenden Dienstagmittag gelang die gebürtige Iranerin in die Zentrale von YouTube in San Bruno, wo sie mehrere Schüsse abgab.

In der Nacht zuvor hatte sie während der 20-minütigen Befragung den Beamten erklärt, die Familie aus persönlichen Gründen verlassen zu haben und hier auf Jobsuche zu sein. "Während der gesamten Unterhaltung mit ihr war sie ruhig und kooperativ", heißt es in einem Polizeibericht. Dass sie wütend auf Youtube gewesen sei, habe sie nicht erwähnt. Das geparkte Auto stand etwa fünf Kilometer vom Google Hauptquartier entfernt. Google ist eine Schwesterfirma von YouTube.

Präsident Trump meldet sich nach Amoklauf in San Bruno zu Wort

US-Präsident Donald Trump erklärte, seine "Gedanken und Gebete" seien bei denen, die in die Tat in San Bruno verwickelt seien. "Danke an unsere phänomenalen Polizisten und Ersthelfer, die derzeit am Tatort sind", schrieb er auf Twitter.

Schüsse in San Francisco: Angriff in der Mittagspause

Mitarbeiter des Unternehmens berichteten dem lokalen Sender KCBS, sie hätten viele Schüsse gehört. Mehrere Menschen seien angeschossen worden. Notrufe aus dem Gebäude gingen gegen 13 Uhr Ortszeit bei der Polizei ein.Eine Frau erzählte dem Sender "KTVU": "Es klang wie Maschinengewehr-Feuer. Ich meine, die Patronen kamen schnell nacheinander."

Fernsehbilder zeigten ein großes Aufgebot von Polizei im Umfeld der Gebäude. Etwa 1.700 Youtube-Mitarbeiter strömten aus dem Gebäude, teilweise mit erhobenen Händen. Sie wurden von Beamten durchsucht.

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sba/news.de/dpa

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