17-Jährige in Flensburg erstochen: Mordprozess beginnt! Täter droht lebenslänglich

Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen: Eine 17-Jährige wird im März in Flensburg erstochen. Jetzt beginnt der Mordprozess. Zunächst muss geklärt werden, wie alt der junge Angeklagte zur Tatzeit war.

Blumen und Grablichter stehen an einem Mehrfamilienhaus in Flensburg. In dem Gebäude ist am Montag eine 17-Jährige nach Messerstichen gestorben. Bild: dpa

Wegen Mordes an der 17-Jährigen Mireille muss sich ein junger Mann von Dienstag (9.15 Uhr) an vor dem Landgericht Flensburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus Afghanistan stammenden Angeklagten vor, die Jugendliche im März aus niedrigen Beweggründen mit 14 Messerstichen getötet zu haben. Laut Anklage soll der Mann aus Eifersucht gehandelt haben, weil das Mädchen in den Wochen zuvor eine andere Beziehung eingegangen sei. Die Hinwendung zu ihrem neuen Partner und die damit einhergehende, von ihm unabhängige Lebensgestaltung habe der Angeklagte nicht akzeptieren wollen.

Prozess in Flensburg gegen mutmaßlichen Mörder von Mireille eröffnet - Angeklagter war zur Tatzeit mindestens 21 Jahre alt

Zu Beginn des Prozesses musste das Gericht zunächst das Alter des Angeklagten klären, da es nach Gerichtsangaben widersprüchliche Angaben dazu gab. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben. Wenn der Angeklagte zur Tatzeit wirklich wie zunächst angenommen 18 Jahre alt war, hätte die Kammer entscheiden müssen, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewandt wird. Dann hätte die Höchststrafe den Angaben zufolge "im Regelfall zehn Jahre" betragen. Wäre er dagegen bereits 21 Jahre alt gewesen, käme das Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung. Dann würde dem Angeklagten eine lebenslange Strafe drohen.

Am ersten Prozesstag schloss eine Gutachterin aus, dass der junge Mann im März noch 18 Jahre alt war. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass der Angeklagte mindestens 21 Jahre alt gewesen sein müsse.

Der mutmaßliche Täter und das Opfer standen seit Jahren unter der Obhut des Jugendamts - das Mädchen wegen seiner schwierigen Familiensituation, der junge Afghane, weil er 2015 als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland kam. 

Ermordung von Mireille ähnelt der Bluttat von Kandel 

Der Fall hatte weit über Flensburg hinaus für Entsetzen und Trauer gesorgt - weil das Opfer so jung war und wegen der Ähnlichkeiten mit der Bluttat von Kandel wenige Monate zuvor. In der pfälzischen Kleinstadt starb Ende Dezember 2017 eine 15-Jährige, nachdem ihr Ex-Freund, ebenfalls ein vermutlich afghanischer Flüchtling, mit einem Messer zugestochen hatte. Er wurde am Montag wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt.

Am Landgericht Flensburg sind zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte Mitte Oktober fallen.

Horror-Tat in Flensburg im Rückblick: 17-jähriges Mädchen in Wohnung erstochen

Die 17-Jährige war am Abend des 12. März 2018 mit schweren Stichverletzungen in ihrer Wohnung gefunden worden. Trotz Wiederbelebungsversuchen erlag sie noch am Tatort ihren Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt wegen Totschlags gegen einen 18 Jahre alten Asylbewerber aus Afghanistan. Der junge Mann sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft.

18-Jähriger in Untersuchungshaft nach Mord an 17-jähriger Mireille

Das Opfer und der Tatverdächtige hatten eine Beziehung. "Warum es zur Gewalttat kam, dazu können wir noch gar nichts sagen", sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Tötete Mireilles Mörder aus Eifersucht?

Auch die Aussagen einer Freundin der 17 Jahre alten Mireille bestätigten die Beziehung von Opfer und Täter. Gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärte sie: "Ahmad und Mireille waren seit dem 30. Januar 2016 ein Paar. Es gab häufiger Streit. Er wollte, dass sie immer ein Kopftuch trägt und zum Islam konvertiert. Für sie stand das noch nicht fest. Wenn sie hin und wieder ohne Kopftuch rumlief, gab es Streit."

Und auch eine Angehörige erklärte im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung: "Ahmad war ein eifersüchtiger Gockel, der sie immer kontrollieren wollte." Tötete der 18-Jährige seine Freundin also, weil sie ihm nicht gehorchte? Das herauszufinden ist nun Aufgabe der Staatsanwaltschaft.

Mord an 17-jähriger Mireille in Flensburg: Liebte sie einen anderen?

Doch eine Freundin verriet im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung, dass Mireille sich in letzter Zeit öfter mit einem anderen Jungen getroffen habe. "Glücklich wirkte sie nicht mehr. (...) Ahmad habe hingegen sofort zugeschlagen." Anders der neue Junge. Der blieb laut Mireille in Streitsituationen ruhig.

Tötung einer 17-Jährigen - Jugendamt betreute Opfer und Verdächtigen

Mireille und der mutmaßliche Täter waren bis zuletzt vor der Tat vom Jugendamt betreut worden. Zu Einzelheiten der Betreuung wollte sich ein Sprecher der Stadt aus Datenschutzgründen nicht äußern. Das Mädchen sei aufgrund seiner Familiensituation seit vielen Jahren betreut worden. Der junge Afghane, der 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen war, werde in der Untersuchungshaft weiterhin betreut.

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sba/news.de/dpa

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