24.01.2018, 12.03 Uhr

Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen: Junge (15) ersticht Mitschüler (14) - Haftbefehl wegen Mordes?

Blumen, Kerzen, ein BVB-Schal am Zaun: An der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule trauern Schüler und Lehrer um einen 14-Jährigen, der am Vortag erstochen worden war. Ein Mitschüler hat die Tat gestanden. Auch das Tatmotiv scheint gefunden.

Ein Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen hat am Morgen des 23. Januar 2018 seinen Mitschüler erstochen. Bild: dpa

Am Tag nach der Bluttat an der Käthe-Kollwitz-Schule in Lünen versuchen Schüler und Lehrer gemeinsam, die Trauer über den gewaltsamen Tod eines Mitschülers zu verarbeiten. Der Unterricht begann am Morgen nach Angaben der Schulleitung planmäßig und sollte auch wie geplant enden. An der Schule gedachten am Morgen Schüler und Lehrer des erstochenen 14-Jährigen mit Blumen und Kerzen. Auch ein Fanschal des Fußballvereins Borussia Dortmund hing am Zaun.

Junge (15) ersticht Mitschüler (14) in Lünen: Mutmaßlicher Täter vor dem Haftrichter

Der mutmaßliche Täter, ein 15 Jahre alter Mitschüler, sollte am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Er hatte am Dienstagabend gestanden, den Jungen in den Hals gestochen zu haben, weil dieser seine Mutter mehrfach provozierend angeschaut habe. Nach Angaben der Behörden ist der 15-Jährige polizeibekannt gewesen. "Nach Einschätzung der Sozialarbeiterin gilt der 15-Jährige als aggressiv und unbeschulbar...", hatte die Polizei mitgeteilt.

Im Laufe des Tages soll es in Lünen in den Schulen und im Rathaus eine Schweigeminute geben, auch lange Gespräche zur Bewältigung des Schocks sind geplant, wie die Schule mitteilte.

Schulpsychologen und Notfallseelsorger kümmern sich um Schüler in Lünen

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) traf bereits am Morgen an der Schule ein. Alle Schüler sollen Gelegenheit bekommen, im Klassenverband mit den Lehrern zu sprechen. "Den unterrichtlichen Rahmen möchten wir als Schulgemeinde nutzen, um gemeinsam das Erlebte und Geschehene aufzuarbeiten", erklärte die Schule auf ihrer nach wie vor in Trauerfarben gehaltenen Homepage mit.

In einem an die Eltern gerichteten Text betont die Schulleitung, dass die vertrauten Schulstrukturen den Kindern Halt gäben. Außerdem stünden Schulpsychologen und Notfallseelsorger jederzeit für Gespräche und andere Hilfen bereit. Vor dem Unterricht sollte am Morgen zunächst eine Lehrerkonferenz stattfinden.

Messer-Attacke von Lünen: Kriminologe sieht extremen Ausnahmefall

Der Kriminologe Christian Pfeiffer sieht in dem gewaltsamen Tod des 14-jährigen Schülers dagegen einen extremen Ausnahmefall. Alle Statistiken zeigten, dass Gewaltdelikte an Schulen und auch Tötungsdelikte von Jugendlichen extrem rückläufig seien. Daran werde auch die Tat in Lünen nichts ändern, sagte Pfeiffer der dpa. "Egal welche Statistik wir nehmen: Wir gelangen zu der Einschätzung, dass Tötungsdelikte durch junge Menschen eine extreme Ausnahme werden."

Im aktuellen Fall werde man vermutlich sehr auf den individuellen familiären Hintergrund des mutmaßlichen Täters achten müssen. "Mit der Schule dürfte das wenig zu tun haben, eher mit dem Elternhaus", sagte Pfeiffer. Ob der Streit um die angeblichen Blicke zur Mutter des mutmaßlichen Messerstechers tatsächlich das abschließende Tatmotiv war, will die Staatsanwaltschaft weiter ermitteln. Die Familie des Opfers wurde von Fachleuten betreut.

Staatsanwaltschaft will Haftbefehl wegen Mordes

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft will nach der Bluttat Haftbefehl wegen Mordes gegen den 15 Jahre alten mutmaßlichen Täter beantragen. Der Jugendliche soll im Laufe des Mittags dem Haftrichter vorgeführt werden, wie die Anklagebehörde am Mittwoch in Dortmund mitteilte. Gegen den Jungen besteht dringender Tatverdacht, am Dienstag einen 14 Jahre alten Mitschüler erstochen zu haben. Die Mutter des 15-Jährigen, die an der Schule einen Termin mit ihrem Sohn bei einer Sozialarbeiterin hatte, wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft Zeugin des Verbrechens.

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