10.01.2018, 19.27 Uhr

Schnee-Chaos in der Schweiz: Lawinengefahr gesunken - Zermatt wieder zugänglich!

Schnee satt wie seit Jahren nicht mehr - die Wintersportorte in den Alpen frohlocken, aber erst einmal brachte das schneelastige Wetter akute Lawinengefahr und abgeschnittene Dörfer. In Zermatt klappt der Durchbruch durch die Schneemassen nach zwei Tagen endlich.

Aufgrund von ergiebigen Schneefällen und Regenschauern ist Zermatt bis zur Dämmerung nur noch auf dem Luftweg erreichbar. Bild: dpa

Rund 13.000 Winterurlauber saßen wegen akuter Lawinengefahr in der Schweizer Skiregion rund um das weltberühmte Matterhorn fest. Nur gut fünf Kilometer liegen zwischen dem abgeschnittenen Wintersport-Ort Zermatt und der Gemeinde Täsch, von der aus die Busfahrt ins Tal möglich ist. Auf diesen Kilometern lauerte aber eine tödliche Gefahr:Weil Unmengen Schnee gefallen sind und es dann Föhn gab mit höheren Temperaturen, drohten die Schneemassen unkontrolliert ins Tal zu donnern.

Update: Lawinengefahr in der Schweiz gesunken - Zermatt zugänglich

Die Lawinengefahr ist nach einem Sonnentag ohne Schneefälle im Schweizer Kanton Wallis gesunken. Das Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) beurteilte die Gefahr am Mittwochabend zwar noch als "erheblich". Das ist aber nur die dritte von fünf Warnstufen. Am Dienstag galt zeitweise Warnstufe fünf.

Bahnverkehr in Zermatt wieder aufgenommen

Nach zwei Tagen Unterbrechung war am Mittwochabend die erste Bahn wieder aus Zermatt nach Täsch gefahren. Von den 13 000 Gästen nutzten einige Dutzend die Gelegenheit abzufahren. Der Andrang am Bahnhof hielt sich aber in Grenzen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Die meisten Gäste hatten in den sechs Waggons Sitzplätze.

Die Bergwacht und Lawinendienste nutzten die gute Sicht im Mattertal vor Zermatt und in anderen Tälern, um Hänge vom Hubschrauber aus in Augenschein zu nehmen und Lawinen zu sprengen. Für Zermatt war für Donnerstag und Freitag Sonne und leichte Bewölkung vorhergesagt. Schon am Mittwoch waren im Skigebiet von Zermatt die ersten Pisten für die Wintersportler wieder eröffnet worden.

Tausende Touristen sitzen in der Schweiz fest: Bahnstrecke hinter Zermatt soll freigesprengt werden

Die Lage war in den vergangenen Tagen so prekär wie seit Jahren nicht mehr. Allerdings nicht für die Menschen im Dorf, versicherte die Gemeinde. Zermatt selbst ist nicht von Lawinen bedroht. "Es gibt keine Panik", sagte Imesch. "Die Stimmung ist gemütlich." So ist es oft in verschneiten Dörfern: Wenn die Versorgung gesichert ist, wenn Strom und Heizung funktionieren, schweißt die Sperrung der Zugangsstraße die Unerreichbaren zusammen. Zermatt hatte am Dienstagmorgen kurz keinen Strom, die Versorgung stand später aber.

Pech für Skifahrer: Pisten und Wanderwege gesperrt

Skifahren ging nicht: Die Pisten und Wanderwege waren als Vorsichtsmaßnahme gesperrt. Wer trotzdem dringend wegmusste, konnte sich am Dienstagnachmittag ausfliegen lassen. Am Mittwoch soll es aber keine Luftbrücke mehr geben. Die Air Zermatt, sonst unter anderem für Rettungseinsätze und Lawinensprengungen im Einsatz, flog Leute nach Täsch, auf dem Luftweg ein Katzensprung. Bis zu sieben Menschen passen in einen Hubschrauber. 70 Franken - rund 60 Euro - kostete der Flug.

Eigentlich wollte die Gemeindeverwaltung im Ort freie Fahrt haben, um Schneemassen beiseite zu schieben. Doch die Menschen blieben nicht in den Gebäuden, sondern flanierten auch im Dorf. Shopping und Wellness waren angesagt, hieß es von Urlaubern des Wintersportorts. Uhren- und Schmuckläden, Bergausrüstung aller Art, Souvenirs, Saunalandschaft, Maniküre - alles im Angebot. Ab und zu dröhne etwas wie Kanonendonner durch die Straßen: Lawinensprengungen.

Mehrere Dörfer im Kanton von der Außenwelt abgeschnitten

Rund um Zermatt hat die Bergwacht seit Jahren Leitungen unter dem Schnee verlegt, damit sie bei Bedarf an besonders kritischen Stellen ferngelenkt Lawinen auslösen kann. Dann können die Schneemassen kontrolliert ins Tal rutschen.

Auch in anderen Dörfern im Kanton Wallis war die Lage schwierig. Mehrere waren von der Außenwelt abgeschnitten. In Visp mussten 20 Menschen in Sicherheit gebracht werden, weil Massen von Schlamm ihre Häuser bedrohten, wie die Einsatzbehörden berichteten. Für Teile des Wallis, darunter der Wintersport-Ort Saas-Fee, verhängte das Lawinenforschungsinstitut zeitweise die höchste Gefahrenstufe.

Schneechaos in Italien: Lawine verschüttet Ferienhaus

Auch im nahen Italien gab es Probleme. Im beliebten Wintersport-Ort Sestriere im Piemont ging in der Nacht zum Dienstag eine Lawine auf ein Ferienhaus nieder - verletzt wurde aber keiner der 29 Menschen darin. Die Schneemassen bahnten sich ihren Weg durch Fenster der Unterkunft, wie Fotos zeigten. Das Olympische Dorf in Sestriere - gebaut für die Winterspiele 2006 - wurde aus Sicherheitsgründen evakuiert, nachdem dasDach eines Gebäudes der Schneelast nicht mehr Stand hielt. Im Aostatal galt gebietsweise die höchste Lawinenwarnstufe 5. Auch in Südtirol war die Lage angespannt.

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sba/news.de/dpa

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