Prozesse 2017 im Jahresrückblick: Das waren die skurrilsten Gerichtsverhandlungen des Jahres

Jährlich werden durchaus wichtige und bedeutsame Prozesse verhandelt, es landen aber auch Klagen vor Gericht, die nur ein Kopfschütteln beim Leser hervorrufen oder stutzig machen. Wir haben die die skurrilsten von ihnen für Sie zusammengestellt.

Auch 2017 landeten zahlreiche kuriose Klagen vor Gericht. Bild: dpa

Im vergangenen Jahr sind wieder zahlreiche große und wichtige Prozesse vor Gericht verhandelt worden. Dazu zählt etwa die Anklage gegen Beate Zschäpe im NSU-Prozess oder der Zivilprozess in Österreich gegen die Familie des früheren Drogeriemarktunternehmers Anton Schlecker. Allerdings standen 2017 auch wieder Fälle vor Gericht, die stutzig machen.

Prozesse und Klagen 2017: Mutter von Nathalie Volk wegen Krankschreibung vor Gericht

So musste sich beispielsweise die Mutter von Nathalie Volk (20) vor Gericht verantworten, weil sie ihre Tochter ins RTL-Dschungelcamp begleitet hatte trotz Krankschreibung. Die Landesschulbehörde hatte die Lehrerin im Januar 2017 vom Dienst suspendiert. Daraufhin kam es zum Prozess, weil die Lehrerin einen Strafbefehl über 7000 Euro nicht akzeptierte, den sie zuerst erhalten hatte. In der Sache ist allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen. Das Landgericht Lüneburg wird sich vom 22. Februar 2018 an in zweiter Instanz mit dem Fall beschäftigen, wie ein Sprecher Anfang Dezember mitteilte.

Friseur-Pfusch versaut Frisur und Karriere eines Models

Während der Fall von Nathalie Volks Mutter noch nicht entschieden ist, konnte sich ein Model beim Kölner Landgericht im Juli 2017 freuen. Das hatte wegen einer misslungenen Haarfärbung gegen den verantwortlichen Friseursalon geklagt - und Recht bekommen. Ende 2015 hatte sie bei dem Friseur ihre Haare "braun-golden" färben lassen - doch statt des gewünschten Farbtons hatten die Haare einen deutlichen Rotstich. Auch zwei Reparaturversuche blieben ohne Erfolg. Dadurch seien ihr mehrere Aufträge entgangen, und die Haare seien durch die Prozedur dauerhaft geschädigt, klagte die Frau, die international als Model arbeitet. Auch habe sie durch die seelische Belastung stressbedingte Akne bekommen. Wegen der entstandenen Verdiensteinbußen gab das Gericht der Klage auf Schadenersatz statt, da es sich um einen Eingriff in den Körper handelte.

Möchtegern-Apfelkönig klagt vor Gericht wegen vermeintlichem Wahlbetrug

Weniger erfolgreich war ein 42-Jähriger, der sich im Herbst 2016 im brandenburgischen Guben beim Apfelfest zur Wahl des Apfelkönigs stellte, aber verlor. Im Herbst 2016 hatte sich eine heute 21-Jährige durchgesetzt und die Krone ergattert. Erstmals waren damals männliche Bewerber um das Ehrenamt zugelassen worden. Der Apfelkönig-Anwärter zog daraufhin mit dem Vorwurf der Wahlmanipulation vor Gericht und wollte erreichen, dass die Abstimmung für ungültig erklärt wird. Allerdings erlitt er - auch hier - eine Niederlage. Aber auch das lässt sich der 42-Jährige nicht gefallen und hat angekündigt in Berufung zu gehen. Neben dem Hauptsacheverfahren liegen dem Gericht weitere Klagen des Mannes vor. Er will vom Tourismusverein, der die jährliche Wahl für das Ehrenamt ausrichtet, Schadenersatz - insgesamt 25.000 Euro.

Schwerverbrecher handeln mit Würsten und Schnitzel im Knast

Bleiben wir doch beim Kulinarischen. Dass im Knast mit Zigaretten und Drogen gehandelt wird, ist bekannt. Aber Schnitzel und Würstchen? Vier Häftlinge aus - Achtung, kein Scherz - Celle mussten sich im Oktober wegen Unterschlagung vor dem örtlichen Amtsgericht verantworten. Die 42 bis 56 Jahre alten Häftlinge der der Justizvollzugsanstalt Celle sollen überwiegend Schweinefleisch portioniert, zu Schnitzel und Würstchen verarbeitet und in eigenen Gefrierfächern verstaut haben. Insgesamt wurden knapp 46 Kilogramm Fleischwaren sichergestellt. Der Prozess fand unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt. Verhandelt wurde in einem Gerichtssaal, wo sonst Terrorverfahren laufen.

Selbst ernannter Magier macht Frau zum Sozialfall

Ein selbst ernannter Magier hat zwar keine Würstchen verschwinden lassen, dafür aber eine psychisch kranke Frau über Jahre ausgebeutet und ihr für Rituale hohe Geldbeträge abgeknöpft. Die Frau aus wohlhabendem Haus war zum Sozialfall geworden. Das Opfer hatte ihm immer wieder Zehntausende Euro übergeben und sogar Häuser verkauft, um an Geld zu kommen. Vor Gericht ging es aber nur um 205.000 Euro, die im Zeitraum zwischen Juli 2008 bis August 2009 geflossen sein sollen. Das Landgericht Kassel hat den Mann im Oktober zu drei Jahren Haft verurteilt.

Husten-Affäre bei Bridge-Weltmeisterschaft: Deutsche Spieler gesperrt

Tragische Folgen hatte ein scheinbar harmloses Husten für zwei deutsche Bridge-Spieler: Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wurde über die Betrugsaffäre bei der Bridge-Weltmeisterschaft 2013 verhandelt. Zwei deutsche Spieler sollen sich den Weltmeistertitel durch einen geheimen Husten-Code ergaunert haben. Der WM-Titel war ihnen nachträglich aberkannt worden. Als Sanktionen wurden Turniersperren gegen das Duo verhängt.

Beide Spieler beteuern aber ihre Unschuld. Sie seien Opfer einer Intrige geworden. Die Beweise gegen sie seien manipuliert. Vor dem Landgericht Köln hatten sie in erster Instanz einen Teilerfolg erzielen können. Das Gericht stufte die Strafen als unverhältnismäßig hart ein.

Depressionen und Schlaflosigkeit! Kuhglocken-Streit in Bayern geht weiter

Um laute Geräusche ging es nur einen Monat später beim Landgericht München II: Ein Unternehmer fühlte sich durch Kuhglockengebimmel vor seinem Haus gestört und verklagte sowohl die Pächterin der Weide als auch die Marktgemeinde auf Unterlassung. Seine Ehefrau und er litten wegen des Lärms der Kuhglocken in Holzkirchen im Landkreis Miesbach unter Schlaflosigkeit und Depressionen, erklärte er. Hinzu kämen der Wertverlust seiner Immobilie sowie Gestank und Gesundheitsgefahr durch Weidestechfliegen. Die Klage scheiterte, da bereits ein Vergleich aus dem Jahr 2015 vorlag.Der Kuhglocken-Streit ist damit aber noch nicht vom Tisch. Das Urteil ist nicht rechtskräftig und der Anwalt des Klägers kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Inzwischen hat die Ehefrau des Klägers eine eigene Klage in gleicher Sache eingereicht. Sie ist nicht mit einem Vergleich vorbelastet. Ein Termin für das zweite Verfahren steht laut Gericht noch nicht fest.

Justizkasse mahnt per Brief einen einzigen Cent an

Ein schlechtes Geschäft machte zum Jahresende die bayerische Landesjustizkasse: Die hat bei einem Mann per Post einen Schuldenbetrag von einem Cent angemahnt - und dafür ein Porto von 70 Cent bezahlt. "Das ist sehr unglücklich gelaufen", sagte ein Sprecher des Oberlandesgerichts (OLG) Bamberg. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.

Dem Bericht zufolge hatte der Mann aus Dingolfing nach einem Gerichtsverfahren eine Geldforderung von 223,01 Euro bezahlen müssen. Bei der letzten Ratenzahlung habe er den Betrag auf eine glatte Zahl gerundet, sagte der Gerichtssprecher. Für das OLG sei das unverständlich. Beim Online-Shopping könne man auch nicht einfach weniger überweisen.

Der Mahn-Brief widersprach nach OLG-Angaben der internen Kleinbetragsregelung. Demnach wird in solchen Fällen auf eine postalische Mahnung verzichtet - auch im Sinne der Wirtschaftlichkeit. Der Mann muss den Cent nun nicht mehr bezahlen. Das Gericht ließ die Forderung fallen, wie der Sprecher erklärte.

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kad/news.de/dpa

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