DHL mit Millionenforderung erpresst: Entwarnung! Paket an Staatskanzlei enthielt keine Granate

Im Fall des Potsdamer Bombenalarms geht es um einen Erpressungsversuch gegen DHL. Die Polizei rät deshalb die Bevölkerung zur Vorsicht: Verdächtige Pakete sollten nicht geöffnet werden. Was Post-Kunden jetzt wissen müssen.

Die Behörden warnen, dass auch Privathaushalte in Gefahr sein könnten. Bild: dpa

Nach dem Fund einer Paketbombe in Potsdam rät die Polizei zur Vorsicht bei der Annahme von Paketen mit unbekanntem Absender in der Vorweihnachtszeit. "Wenn Leuten etwas seltsam vorkommt, sollte unbedingt die Polizei gerufen werden", sagte ein Polizeisprecher in der Nacht zum Montag der Deutschen Presse-Agentur. Dies gelte etwa, wenn der Absender nicht eindeutig zugeordnet werden könne oder ganz und gar fehle. Mit dem am Freitag an eine Apotheke am Potsdamer Weihnachtsmarkt gesendeten gefährlichen Paket sollte nach Einschätzung der Ermittler der Paketdienst DHL erpresst werden.

+++ Update 04.12.2017, 14.40 Uhr:Entwarnung: Keine Granate in DHL-Paket an Staatskanzlei +++

 

Ein verdächtiges DHL-Paket an die Thüringer Staatskanzlei hat nach Ermittlungen der Polizei keinen explosiven Inhalt. Es beinhalte keinen gefährlichen Gegenstand, wie nach einer ersten Röntgenuntersuchung des Pakets am Montag angenommen worden war, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt. Das Paket sei an Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) adressiert gewesen. Mitarbeitern der Staatskanzlei war die DHL-Sendung verdächtig vorgekommen, weil sie keinen Absender trug. Die Polizei stellte das Paket sicher.

Nach Angaben von Ramelow hatte die Polizei zunächst von einer möglichen Wurfgranate in der Sendung gesprochen. Bei der Öffnung durch Spezialisten der Polizei entpuppte sich der Inhalt laut Staatsanwaltschaft jedoch als zusammengerollte Kataloge. Ramelow hatte davor gewarnt, eine Parallele zu dem Fund einer Paketbombe in Potsdam und einer möglichen Erpressung des Paketdiensts DHL zu ziehen. "Das ist pure Spekulation", sagte er nach dem Fund in der Staatskanzlei.

+++ Update 04.12.2017, 12:02 Uhr: Verdächtiges DHL-Paket in Thüringer Staatskanzlei eingegangen +++

Ein DHL-Paket mit möglicherweise explosivem Inhalt, die "Bild" spricht von einer Wurfgranate, ist in der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt eingegangen. Mitarbeiter seien auf das Paket aufmerksam geworden, es sei von der Polizei sichergestellt worden, sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Nach einer ersten Vorprüfung habe die Polizei von einer möglichen Wurfgranate gesprochen. Ob sie scharf sei, müssten die weiteren Untersuchungen ergeben.

Eine Parallele zu dem Fund einer Paketbombe in Potsdam und einer möglichen Erpressung des Paketdiensts DHL wollte Thüringens Regierungschef nicht ziehen. "Das ist pure Spekulation", sagte er. Das Paket sei am Freitagnachmittag zugestellt worden und habe bis Montag in einem Regal gelegen. Ramelow sprach von einem ernstzunehmenden Vorfall.

Erpresser fordern von DHL mehrere Millionen Euro

Mitten im Weihnachtsgeschäft verlangen der oder die Erpresser von der Pakettochter der Deutschen Post mehrere Millionen Euro und drohen mit weiteren Bomben, wie die Polizei erklärt hatte. Am Freitag war die Paketbombe am Potsdamer Weihnachtsmarkt von Spezialisten der Polizei unschädlich gemacht worden.

Grundsätzlich ermittelt die Polizei weiter in alle Richtungen. Nach der Zerstörung der Paketbombe am Weihnachtsmarkt war zunächst auch ein terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen worden. Die Sicherheitsmaßnahmen für die Weihnachtsmärkte in Potsdam wurden daraufhin nochmals verschärft.

DHL-Erpressung Potsdam: Täter unbekannt, Ermittlungen laufen

In der Nacht gab es zunächst keine neuen Spuren zu dem oder den Tätern. Es werde aber rund um die Uhr ermittelt, sagte der Sprecher. Seit den ersten Erkenntnissen zu der Erpressung stehen die Brandenburger Ermittler nach Angaben von Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) mit DHL "in engstem Kontakt". In den "nächsten Stunden und Tagen" werde es eine sehr enge Zusammenarbeit geben, erklärte Schröter am Sonntagabend in der Nachrichtensendung RBB-Aktuell. DHL werde auch intern prüfen. Das Unternehmen selbst wollte sich am Sonntag nicht dazu äußern.

Verdächtige Pakete nur in Brandenburg

Die Brandenburger Behörden gehen von einem Täter oder einer Tätergruppe aus der Region aus. Das sei letztlich noch nicht hundertprozentig belegt, sagte Schröter. Aber Nachfragen an alle Landeskriminalämter in Deutschland hätten ergeben, dass kein anderes Land betroffen sei. Die Pakete seien jeweils in Brandenburg aufgegeben und an Adressen in Brandenburg geliefert worden.

Bomben-Alarm in Potsdam: Verdächtiges Paket entdeckt

Am Freitag war ein verdächtiges Paket bei einem Apotheker abgegeben worden, der sein Geschäft direkt am Potsdamer Weihnachtsmarkt hat. In dem Paket befanden sich Hunderte Nägel und ein sogenannter Polenböller. So werden umgangssprachlich Feuerwerkskörper bezeichnet, die aufgrund von Sicherheitsmängeln in Deutschland illegal sind. Anfang November war laut Polizei ein ähnliches Paket an einen Online-Händler in Frankfurt (Oder) gesendet worden. Dieses sei beim Öffnen in Brand geraten.

Behörden erwarten weitere Paket-Sendungen

Die Sicherheitsbehörden halten weitere Sendungen für möglich oder sogar wahrscheinlich. Am Sonntag hatte die Polizei Hinweise auf die Person erbeten, die am Donnerstagmorgen die Paketbombe in eine Potsdamer Packstation gelegt hatte. Die bereits Anfang November verschickte erste Paketbombe des oder der Täter war nach Ermittlungen der Polizei in Berlin aufgegeben worden.

Der Absender der Bomben hatte seine Forderung mit Hilfe eines sogenannten QR-Codes gestellt, der der Potsdamer Paketbombe beilag. Ein ähnliches Schreiben in Frankfurt (Oder) könnte bei dem Feuer verbrannt sein. Die Polizei geht wegen der Abgabeorte und der Adressen davon aus, dass der Täter aus dem Raum Berlin-Brandenburg stammen könnte.

Verdächtige Pakete nicht öffnen! Privathaushalte ebenfalls in Gefahr

Betroffen seien bislang kleine Unternehmen. Sendungen an Privatpersonen seien aber nicht auszuschließen, hieß es. "Wer ein auffälliges Paket zugestellt bekommt, nicht öffnen, denn das könnte die Auslösung bewirken", warnte Innenminister Schröter. Hinweise seien zum Beispiel Rechtschreibfehler oder auch aus dem Paket ragende Drähte, erklärte die Polizei, die auch eine Telefonhotline schaltete.

Zwei Dutzend Hinweise nach Paketbomben - Soko "Luise" mit 50 Fahndern

Für die Fahndung setzte die Polizei eine Ermittlungsgruppe "Luise" ein - benannt nach der Apotheke, an die das Paket geschickt worden war. In der Gruppe arbeiten zunächst rund 25 Kriminalisten. Ermittelt wird laut Staatsanwaltschaft wegen versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und versuchter schwerer räuberischer Erpressung. Bei der Fahndung nach dem DHL-Erpresser hat die Potsdamer Polizei bereits zwei Dutzend Hinweise erhalten. Eine heiße Spur sei aber noch nicht darunter, teilte ein Polizeisprecher am Montag mit.

Neben den Hinweisen gingen bei der Polizei auch zahlreiche Anrufe besorgter Bürger ein, die sich grundsätzlich informieren wollten, sagte ein Sprecher. Dafür solle das Hinweistelefon aber nicht genutzt werden.

Die Sonderkommission "Luise" wurde auf inzwischen etwa 50 Mitarbeiter aufgestockt. Zudem arbeitet die Polizei eng mit der DHL zusammen. Am Sonntag hatte die Polizei Hinweise auf die Person erbeten, die am Donnerstagmorgen die am Tag darauf in eine Potsdamer Apotheke gelieferte Paketbombe in eine Potsdamer Packstation legte.

Allerdings sind auch Fehlalarme möglich: So ging etwa bei der Bußgeldstelle der Polizei in Gransee im Norden von Berlin ein verdächtiges Paket ein, wie die Polizei per Twitter mitteilte. Das Gebäude sollte evakuiert werden. Der Tweet wurde wenig später wieder gelöscht. Es habe sich um einen Fehlalarm gehandelt, sagte eine Sprecherin. Im Paket war nur ein Christstollen.

Paketbomben-Erpresser schlugen schon im November zu! Millionenforderung an DHL

Die Polizei geht davon aus, dass die bereits Anfang November verschickte erste Paketbombe des oder der Täter in Berlin aufgegeben wurde. Sie war an einen Online-Versandhändler in Frankfurt (Oder) geschickt worden. Dort geriet sie beim Öffnen in Brand. Der Absender der Bomben fordert von der DHL einen Millionenbetrag und droht andernfalls mit weiteren Sendungen, wie er in einem Brief in der Potsdamer Paketbombe schrieb.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hatte am Sonntag die Menschen gebeten, beim Empfang von verdächtigen Paketen sehr vorsichtig zu sein und im Zweifel die Polizei zu informieren. Die Paketbomben könnten zu schwersten Verletzungen oder sogar zum Tod führen.

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fka/loc/news.de/dpa

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