Weihnachtsmarkt Potsdam: Hinter Potsdamer Bombe steckt Millionen-Erpressung

Der Schrecken sitzt tief - doch nach ersten Ermittlungen der Polizei steckte hinter dem Bombenalarm in Potsdam kein geplanter Anschlag auf den Weihnachtsmarkt, sondern eine Millionen-Erpressung!

Ein Polizeiwagen steht in Potsdam vor dem Zugang zum Weihnachtsmarkt. Bild: Maurizio Gambarini / dpa

Hintergrund des Bombenalarms am Potsdamer Weihnachtsmarkt ist nach Erkenntnissen der Ermittler eine Erpressung des Paketzulieferers DHL. Dies sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Sonntag in Potsdam.

Weihnachtsmarkt Potsdam: News zum Bomben-Alarm in Polizei-Pressekonferenz

Die am Freitag an eine Apotheke am Weihnachtsmarkt gesendete Lieferung mit einem Polenböller stehe in diesem Zusammenhang, sagte Karl-Heinz Schröter. Die Täter verlangten eine Millionensumme. Eine ähnliche Lieferung sei vor einiger Zeit in Frankfurt (Oder) aufgetaucht.

Der oder die Täter nähmen schwerste Verletzungen der Adressaten oder sogar deren Tötung billigend in Kauf, sagte Schröter. Es scheine sich nach bisherigen Erkenntnissen um regional agierende Täter zu handeln. Diese Tat sei besonders verwerflich. Die Sicherheitsbehörden halten weitere Sendungen für möglich oder sogar wahrscheinlich, wie Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke sagte.

Potsdamer Paketbombe war nach neuesten Erkenntnissen hoch gefährlich

Die Paketbombe war nach den neuesten Erkenntnissen der Polizei sehr gefährlich. Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke sagte, der Apotheker habe beim Aufmachen ein Zischen gehört. Zuerst hatte es dagegen geheißen, dass das Paket vermutlich über keinen Zünder verfügt habe. Inzwischen sei der Sprengsatz aber nochmal analysiert worden, sagte Mörke.

Erpresserbrief lag Potsdamer Paket bei

Der am Potsdamer Weihnachtsmarkt entdeckten Bombenattrappe lag ein Erpresserbrief bei. Die Nachricht sei als so genannter QR-Code im Internet verschlüsselt worden, aber eindeutig rekonstruiert worden, sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Sonntag in Potsdam.

Polizei vermutet Erpresser aus dem Raum Berlin-Brandenburg

Die Potsdamer Polizei geht davon aus, dass der oder die Erpresser der DHL aus dem Raum Berlin-Brandenburg stammen. Das sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Sonntag in Potsdam. Die Ermittlungen hätten zu diesem Ergebnis geführt. Allerdings könne er aus ermittlungstaktischen Gründen keine Hintergründe dazu nennen.

Was war auf dem Weihnachtsmarkt in Potsdam passiert?

Am Freitag war ein verdächtiges Paket bei einem Apotheker abgegeben worden, der direkt am Weihnachtsmarkt sein Geschäft hat. Darin befanden sich Hunderte Nägel und ein sogenannter Polenböller, wie Schröter bekanntgegeben hatte. So werden umgangssprachlich Feuerwerkskörper bezeichnet, die wegen Sicherheitsmängeln in Deutschland illegal sind.

Für die Fahndung setzte die Polizei eine Ermittlungsgruppe "Luise" ein - benannt nach der Apotheke, an die das Paket geschickt worden war. In der Gruppe arbeiten rund 25 Kriminalisten. Der Vorwurf laute versuchte Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion.

In der Apotheke hatten Mitarbeiter Verdacht geschöpft und die Polizei alarmiert. Diese richtete einen Sperrkreis ein, der auch Teile des Weihnachtsmarktes betraf. Experten der Bundespolizei zerschossen das Paket dann mit einem speziellen Wasserstrahl. Eine Zündvorrichtung wurde im Anschluss nicht gefunden. Demnach hätte es sich nicht um eine funktionsfähige Bombe gehandelt.

Wieder Trubel auf Weihnachtsmarkt in Potsdam

Am Samstag öffnete der Markt unter nochmals verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Polizei und Stadt schickten zusätzliche Streifen raus, auch Beamte mit Maschinenpistolen passten auf. Auf den Weihnachtsmarkt kamen bereits amSamstagmittag wieder Tausende Besucher, tranken Glühwein oder aßen Bratwürste. "Das Leben ist so sicher, wie es im Leben sicher ist", meinte der 68 Jahre alte Rainer Peglow, der seiner dreijährigen Enkeltochter auf einem Karussell zusah. Da habe sich bestimmt irgendjemand wichtig machen wollen, meinte er über den Täter. "Das kriegt man schon raus." Eine Frau an einem Glühweinstand sagte, die umfangreichen Absperrungen seien völlig richtig gewesen. "Wir haben uns sehr sicher gefühlt."

Apotheker hat Schreck noch nicht überwunden

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) machte sich selbst einen Eindruck bei einem Besuch. "Wir sind glimpflich davongekommen", sagte er. Jakobs sprach auch mit dem Apotheker, an den das Paket gesendet worden war. "Der Schreck ist natürlich noch nicht überwunden", sagte er im Anschluss.

Sicherheitsvorkehrungen auf Weihnachtsmärkten verschärft

Die Sicherheitsvorkehrungen waren bereits nach demterroristischen Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz vor fast einem Jahr bundesweit noch einmal verschärft worden. Am 19. Dezember 2016 war der Attentäter Anis Amri mit einem entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren. Er tötete 12 Menschen und verletzte mehr als 70 weitere.

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kns/news.de/dpa

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