29.10.2017, 22.18 Uhr

Sturm "Herwart" aktuell: Tote bei Orkan-Chaos ++ Deutsche Bahn stoppt Fernverkehr ++ Schweröl-Frachter in Seenot

"Herwart" hält die Einsatzkräfte auf Trab. In Berlin ruft die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus, die Deutsche Bahn hat ihren Zugverkehr am Sonntagmorgen in weiten Teilen Deutschlands eingestellt. Alle News verfolgen Sie hier im Ticker.

Herbststurm "Herwart zieht über Deutschland". Bild: dpa

Gestoppte Züge, abgedeckte Häuser, umgestürzte Baugerüste, überflutete Straßen, hunderte Einsätze der Feuerwehren: Das Sturmtief "Herwart" hinterlässt Spuren in vielen Teilen Deutschlands. Und ein A380 muss außerplanmäßig landen.

  • Sturmtief "Herwart" braust über Deutschland hinweg
  • Bahn stoppt in 7 Bundesländern Fernverkehr
  • Sturmflut in Hamburg
  • Ausnahmezustand in Berlin

Sonntag, 29. Oktober 2017, 22.07 Uhr: Flughafen Bremen nach Unfall von Privatflugzeug gesperrt

Der Flughafen Bremen ist nach einer missglückten Landung eines Privatflugzeugs am Sonntagabend gesperrt worden. Ankommende Maschinen wurden an umliegende Flughäfen umgeleitet, wie der Flughafen mitteilte. Die Cessna Citation 550 Bravo kam demnach beim Landeanflug aus Richtung Osten von der Start- und Landebahn ab und blieb 15 Meter entfernt im Gras ohne größere Schäden stehen. Die drei Besatzungsmitglieder der in Russland registrierten Maschine seien unverletzt. Passagiere waren demnach nicht an Bord.

Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung aus Braunschweig waren am Abend auf dem Weg nach Bremen, sagte ein Behördensprecher. Ob Herbststurm "Herwart" Ursache für den Unfall sei, müssten die Untersuchungen zeigen. Bis ein Gutachten vorliege, werde es einige Wochen dauern.

Wie lange die Sperrung des Flughafens andauert, war zunächst unklar. Zunächst müsse die Maschine geborgen werden, sagte eine Flughafen-Sprecherin. Fluggäste wurden gebeten, sich mit ihrer Fluggesellschaft für Informationen über ihre geplante Reise in Verbindung zu setzen. Am Sonntagabend fielen nach Angaben der Sprecherin zunächst Flüge nach Istanbul, Stuttgart und Paris aus. Maschinen aus München und Frankfurt/Main konnten nicht in Bremen landen, daher würden die Städte auch Montagfrüh nicht angeflogen.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 19.56 Uhr: Starker Seegang durch Sturm - Frachter treibt vor Langeoog

Bei starkem Seegang durch Sturm hat sich in der Nordsee ein Frachter losgerissen und treibt seit Sonntagmorgen in der Deutschen Bucht vor Langeoog. Versuche, die 225 Meter lange, unbeladene "Glory Amsterdam" zu bergen, blieben zunächst erfolglos. Nach bisherigen Erkenntnissen seien die 22 an Bord befindlichen Menschen unverletzt, hieß es.

Aufgrund des starken Seegangs konnten die Anker zunächst nicht gehievt werden, wie das deutsche Havariekommando mitteilte. Das Lagezentrum hat die Einsatzleitung übernommen. Ein Hochseeschlepper sollte das havarierte Schiff sichern, doch Leinenverbindungen brachen. Auch Spezialisten, die per Hubschrauber bei Windstärke 8 bis 9 bei Wellen bis zu sieben Metern auf das Schiff gelangen sollte, konnten wenig ausrichten. Der Frachter habe gut 1.800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel als Betriebsstoffe an Bord. Die "Glory Amsterdam" versucht nun aus eigener Kraft die Position zu halten, wie es hieß. Ein weiterer Schleppversuch mit drei Schiffen werde vorbereitet.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 18.29 Uhr: Motorboot gekentert - zwei Urlauber gefunden, ein Mann vermisst

Bei stürmischem Wetter ist auf dem Peenestrom in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag ein Motorboot mit drei Urlaubern aus Sachsen gekentert. Zwei Menschen konnten bei Wolgast im Kreis Vorpommern-Greifswald mit lebensbedrohlichen Verletzungen gerettet werden, ein Mann wird noch vermisst, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Urlauber aus der Region Chemnitz waren trotz Sturmwarnung auf den Peenestrom, der zur Ostsee führt, hinausgefahren. Der gerettete 56-Jährige und die 48 Jahre alte Frau seien mit starken Unterkühlungen in Kliniken gebracht worden. Die Suche nach dem dritten Passagier soll am Montag fortgesetzt werden.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 16.05 Uhr: Nach Sturmflut - Bürgermeister beklagt Strandverlust auf Wangerooge

Die schwere Sturmflut in der Nacht zum Sonntag hat auf der ostfriesischen Insel Wangerooge Massen an Sand weggespült. Der Sand am Bade- und Burgenstrand sei zu 80 Prozent verschwunden, sagte Insel-Bürgermeister Dirk Lindner (parteilos). Wegen der meterhohen Abbruchkante seien zwei Strandübergänge gesperrt. Der Lokalpolitiker fühlt sich alleingelassen. "Wir warnen seit Jahren, aber Land und Bund schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu", kritisierte Lindner.

Den Bade- und Burgenstrand habe die Gemeinde vom Bund gepachtet und müsse jetzt auch für die Kosten aufkommen, wieder Sand aufzuschütten. Die Schäden in anderen Bereichen der Insel könne man erst am Montag beurteilen, wenn das Nachthochwasser weg sei, sagte der Bürgermeister.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 16.00 Uhr: Wichtige Fernverkehrs-Strecken wegen Sturms bis Montag gesperrt

Wegen der schweren Schäden durch Sturm "Herwart" kann die Deutsche Bahn den Betrieb wichtiger Strecken im Fernverkehr erst am Montag wieder aufnehmen. Berlin, Hamburg, Hannover, Bremen und Kiel seien zurzeit nicht ans Fernnetz angeschlossen, teilte der Konzern am Sonntag mit. Unter anderem blieben bis zum Montag aufgrund der Sturmschäden die Verbindungen Hamburg-Berlin, Berlin-Frankfurt/Main, Berlin-Leipzig, Berlin-Dresden, Bremen-Hannover, Dortmund-Hamburg und Hannover-Dortmund gesperrt.

Kunden sollten sich vor Reisebeginn über die aktuelle Lage informieren - etwa über die Bahn-App, die Webseite oder eine eigens eingerichtete Hotline. Die Situation bleibe angespannt.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 14.00 Uhr: Camper von Sturmflut überrascht und ertrunken

Ein 63-Jähriger ist am Ufer des Jadebusens (Niedersachsen) von der Sturmflut überrascht worden und ertrunken. Der Mann habe den Ermittlungen zufolge mit seinem Bruder auf einem Campingplatz am Strandbad Sehestedt in einem Bulli übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuß in Sicherheit bringen wollen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Der 59 Jahre alte Bruder konnte sich noch an einem Mast festhalten. Er wurde von einer DLRG-Schlauchboot-Besatzung am frühen Morgen gerettet und unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht. Der 63-Jährige wurde wenig später tot geborgen. Beide Männer stammen aus Nordrhein-Westfalen.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 12.40 Uhr: Umfangreiche Streckensperrung - Deutsche Bahn schaltet Notfall-Hotline für betroffene Reisende

Seit Samstagnacht fegt Sturm "Herwart" über Deutschland hinweg. Vielerorts geht gar nichts mehr. Die Deutsche Bahn hat viele Fernverkehrsstrecken gesperrt und Übernachtungszüge für die gestrandeten Reisenden zur Verfügung gestellt. Folgende Strecken sind betroffen:

  • Berlin–Hamburg
  • Berlin-Stralsund
  • Berlin–Leipzig
  • Rostock-Hamburg
  • Bremen-Hannover
  • Dortmund-Hamburg
  • Hamburg-Westerland
  • Hamburg–Kiel
  • Hamburg–Stralsund
  • Rostock-Sassnitz
  • Wismar-Tessin
  • Lübeck-Stettin

Die Deutsche Bahn hat außerdem eine Notfall-Nummer für Betroffene geschaltet: 0800 - 0996633 Bahnreisende bekommen außerdem alle wichtigen Informationen zur Weiterfahrt auf Twitter. Bis Montag wird der Fernverkehr vorerst gestoppt.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 12.00 Uhr: Orkan-Chaos: Sturm kippt Bäume - Bahn stoppt Züge - Flieger fehlt Sprit; Stück der A8 gesperrt

Das Sturmtief "Herwart" braust über Deutschland hinweg und richtet zahlreiche Schäden an. Die Bahn stoppte am Sonntag in sieben Bundesländern vorsichtshalber ihren Fernverkehr. "Vor dem Nachmittag werden im Fernverkehr voraussichtlich keine Züge fahren", sagte ein Bahnsprecher in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Viele Straßen wurden wegen umgekippter Bäume gesperrt. Meteorologen warnten vor dem Betreten der Wälder, Zoos blieben zu.

In Nordfriesland überschlug sich ein Autofahrer beim Ausweichen vor umgestürzten Ästen und verletzte sich. Auf der A20 bei Bad Doberan in Mecklenburg-Vorpommern rutschten Autos auf einer fünf Zentimeter dicken Hageldecke aus. Dabei verletzten sich zwei Menschen.Die Polizei hat die Autobahn 8 in Oberbayern auf einer Strecke von etwa acht Kilometern gesperrt. Bäume drohten in dem gesperrten Bereich umzustürzen. Die Sperrung in beide Richtungen zwischen den Autobahnausfahrten Neukirchen und Siegsdorf sollte bis voraussichtlich 16.00 Uhr dauern. Im Süden Oberbayerns fuhr die Polizei bis zum Sonntagmittag 150 Einsätze.

Wegen starker Windböen in Frankfurt musste am Sonntag ein Airbus A380 der Lufthansa außerplanmäßig in Stuttgart landen. Nachdem die aus Houston (USA) kommende Maschine wetterbedingt einige Zeit über dem Flughafen Frankfurt gekreist war, entschied sich der Kapitän zur Sicherheitslandung, auch weil Treibstoff knapp wurde.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 9.00 Uhr: Sturm "Herwart": Berliner Feuerwehr ruft Ausnahmezustand aus

Den Ausnahmezustand hat die Berliner Feuerwehr wegen zahlreicher Schäden infolge des Sturmtiefs "Herwart" ausgerufen. Ein Feuerwehrsprecher begründete dies am Sonntagmorgen mit der Vielzahl der Einsätze: Zwischen 04.00 Uhr und 07.00 Uhr seien es 100 gewesen. Alle Freiwilligen Feuerwehren wurden in den Dienst gerufen.

Der Sturm deckte am Morgen ein komplettes Hausdach ab. "Teile liegen auf der Straße", sagte der Sprecher. An zwei Orten stürzten zudem Baugerüste um - ein Fußgänger wurde dabei schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Zwei S-Bahnen rammten umgestürzte Bäume. Verletzte habe es in beiden Fällen nicht gegeben.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 8.30 Uhr: Herbststurm "Herwart": Bahn stellt Zugverkehr wegen Sturms großflächig ein

Die Deutsche Bahn hat ihren Zugverkehr am Sonntagmorgen in weiten Teilen Deutschlands eingestellt. Wegen des Sturmtiefs "Herwart" führen derzeit keine Züge mehr in Nord- und Mitteldeutschland, teilte ein Bahnsprecher am Morgen in Berlin mit. Betroffen seien die Strecken in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Züge aus anderen Regionen in diese Gebiete endeten vorzeitig.

Die Bahnstrecken zwischen Kiel und Hamburg, sowie zwischen Flensburg und Hamburg wurden durch umgestürzte Bäume blockiert. "Entstörtrupps sind bereits mit Kettensägen und anderem schweren Gerät vor Ort und arbeiten fieberhaft an einer Beseitigung der Hindernisse" sagte einBahn-Sprecher. Wann die Strecken wieder frei sein werden, war zunächst unklar.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 8 Uhr: Orkan-Chaos dank Sturm "Herwart" in Hamburg: Sturmflut

Am Hamburger Hafen ist am Sonntagmorgen die Elbe über die Ufer getreten. Feuerwehr und Polizei sind im Einsatz. So drohe eine Tiefgarage in der Nähe der Elbphilharmonie vollzulaufen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Offenbar hätten die Flutschutztore die Garage nicht ausreichend funktioniert. Die Elbchaussee entlang des Hamburger Hafens ist einem Polizeisprecher zufolge ebenfalls überspült worden. Sie wurde teilweise gesperrt. Auch der Hamburger Fischmarkt wurde gesperrt. In Hamburg wird am Vormittag eine schwere Sturmflut mit einem Pegel von 2,5 Metern über dem mittleren Hochwasser erwartet. Etwa 550 Mal ist die Hamburger Feuerwehr wegen des Sturmtiefs "Herwart" bis zum Sonntagmorgen ausgerückt. Auch in den Kreisen Pinneberg, Dithmarschen und Steinburg kam die Feuerwehr laut einer Mitteilung bisher auf insgesamt 230 Einsätze. Der Sturm habe zahlreiche Bäume auf Straßen, Wege, Fahrzeuge und Häuser gekippt.

Im Landkreis Rostock wurde ein Haus von einem Baum getroffen, die Bewohner blieben unverletzt. Die Polizei in Neubrandenburg meldete zwei Bäume, die auf Autos fielen. In Brandenburg war die Nacht ruhig, die ersten Sturmschäden meldete der Lagedienst des Innenministeriums am frühen Morgen. Unter anderem gebe es entlang der Autobahnen 11 und 12 umgestürzte Bäume.

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