11.10.2017, 09.48 Uhr

BKA-Erfolg im Kinderporno-Fall: Kinderschänder war selbst Vater - ihm drohen 15 Jahre Haft

Im Kinderporno-Missbrauchsfall um ein vierjähriges Mädchen gingen die Ermittler bei der Aufklärung außergewöhnliche Wege - mit Erfolg. Nun wurde bekannt, dass der Verdächtige selbst Vater ist. Alle News hier im Ticker!

Das Bundeskriminalamt fahndete mit Opferbildern nach einem Kinderschänder. Bild: dpa

Die Fotos, die durch die Presse gingen, wirkten verstörend. Ein kleines Mädchen blickt mit ihren Kinderaugen in die Kamera, die Haare fielen verspielt ins Gesicht. Eben dieses kleine Mädchen lag wenig später angsterfüllt in einem Bett. Das Bundeskriminalamt (BKA) fahndete gestern über Facebook nach einem widerlichen Kinderschänder mit den Bildern eines Opfers. Schon nach wenigen Stunden konnten die Ermittler den Erfolg vermelden.

Bilder von missbrauchten Kleinkind veröffentlicht

Die Ermittler waren am Montag mit Fotos des Mädchens an die Öffentlichkeit gegangen. Der bis dahin noch unbekannte Beschuldigte soll das Kind zwischen Oktober 2016 und Juli 2017 mehrfach schwer sexuell missbraucht haben. Er soll Aufnahmen des sexuellen Missbrauchs gemacht und diese anschließend auf einer kinderpornografischen Plattform im sogenannten Darknet verbreitet haben.

Der Lebensgefährte der Mutter wurde nach Angaben der "Bild" bei der Polizei angezeigt. Mutter, Tochter und Großeltern identifizierten den Mann. Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte am Abend zu "Bild": "Er ist deutscher Staatsbürger. Der Mann wird zurzeit befragt.

Das Mädchen ist ebenfalls Deutsche und vier Jahre alt." Es sei von einem Polizeipsychologen untersucht worden und sei wieder in elterlicher Obhut. Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte Ungefuk, dem Kind gehe es den Umständen entsprechend gut. Nach "Bild"-Informationen erfolgte die Festnahme in Niedersachsen. Der dpa gegenüber wollte Ungefuk das zunächst nicht kommentieren.

Öffentlichkeitsfahndung als letzte Chance auf den Täter

Zuvor hatte Ungefuk den ungewöhnlichen Schritt, Fotos vom Opfer zu veröffentlichen, folgendermaßen begründet: "Das ist die letzte Maßnahme, um den Täter zu identifizieren. Darauf greifen wir nur zurück, wenn alle anderen Möglichkeiten nicht zum Ziel geführt haben." Zudem sei Dringlichkeit geboten. "Wir gehen davon aus, dass das Kind weiter dem Zugriff des Täters ausgesetzt ist", hatte Ungefuk gesagt.

BKA und ZIT waren davon ausgegangen, dass der Missbrauch in Deutschland stattfand, wie es in einer Mitteilung am Montagvormittag hieß. Weiter eingrenzen lasse sich der Ort nicht, sagte der Oberstaatsanwalt. Der Verdächtige agiere äußerst vorsichtig, Bild- und Videoaufnahmen von ihm lägen nicht vor. Deswegen habe das Amtsgericht Gießen die Öffentlichkeitsfahndung mit Bildaufnahmen des Opfers angeordnet.

Täter war selbst Vater eines Sohnes (1)

Der Küchenmonteur ist der Stiefvaters des Mädchens. Seine Mutter lernte er kennen, als sie noch ein Baby war. Im Frühjahr 2016 wurde er dann mit seiner Lebensgefährtin selbst Vater eines Sohnes. Ein Familienangehöriger berichtet der "Bild": "Er hat sich immer liebevoll um sein Kind gekümmert."

Kinderpornoszene im Darknet

Die Kinderporno-Szene spielt sich nach Einschätzung von Ermittlern mittlerweile überwiegend im Darknet, dem verborgenen Teil des Internets, ab. Dort können sich Internetnutzer fast komplett anonym bewegen. Dieser Bereich des Internets wird von Menschen genutzt, die viel Wert auf Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben - aber auch von Kriminellen.

In einem anderen Fall waren Ermittler erst im Juli über ein Foto eines Missbrauchsopfers auf die Spur von Verdächtigen gekommen - eine Lehrerin aus Wien hatte das sieben Jahre alte Mädchen schließlich erkannt. Der Vater soll in dem Fall seine Tochter und ihren zwei Jahre jüngeren Bruder über Jahre schwer sexuell missbraucht und dies auch gefilmt haben. Zudem soll er seine Kinder über eine inzwischen zerschlagene Darknet-Plattform mindestens an zwei andere Männer vermittelt haben.

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