Preisträger 2017: Friedensnobelpreis für internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung

Als letzter der traditionellen Nobelpreise wird am Freitag der für Frieden verkündet. Die Erwartungen haben sich bestätigt: Der Friedensnobelpreis ehrt den Kampf gegen Atom-Waffen.

Die Medaille des Friedensnobelpreis ist 1902 vom norwegischen Künstler Gustav Vigeland entworfen worden. Bild: dpa

Der Friedensnobelpreis könnte in diesem Jahr politisch hoch brisant werden. Mehrere Experten sehen den Kampf gegen Atomwaffen als zentrales Thema, wenn die Jury in Oslo am Freitag (11.00 Uhr) den Preisträger verkündet. Das könnte nach den letzten Atom- und Raketentests ein deutliches Signal nach Nordkorea senden. Und auch in die USA, wo Präsident Donald Trump das Atom-Abkommen mit dem Iran kritisiert.

Friedensnobelpreis für internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung

Der Friedensnobelpreis 2017 geht an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican). Die Organisation erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken", wie das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekanntgab. Ican habe sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffe bemüht.

Experten hatten im Vorfeld einen Preis im Kontext des Kampfes gegen Atomwaffen vorhergesagt. Die Osloer Jury hatte sich in diesem Jahr unter 318 Anwärtern entscheiden müssen - 215 Personen und 103 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen. Nur wenige Nominierungen waren im Vorhinein bekannt.

Im vergangenen Jahr hatten die fünf Mitglieder des Nobelkomitees Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos ausgezeichnet. Er erhielt den Nobelpreis für "seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden".

Wenige Wochen zuvor hatten Santos und der Chef der linken Farc-Guerilla, Rodrigo Londoño alias "Timochenko", Geschichte geschrieben, als sie nach Jahrzehnten des Konflikts mit mehr als 220.000 Toten und Millionen Vertriebenen einen Friedensvertrag unterzeichneten.

Friedensnobelpreis 2017 wird am 10. Dezember verliehen

Wie die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Literatur wird der mit neun Millionen schwedischen Kronen (etwa 940.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, verliehen. Überreicht wird die Auszeichnung anders als die anderen Nobelpreise nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Warum Nobel dies entschied, ist nicht bekannt. In seinem Testament legte der Dynamit-Erfinder fest, die Auszeichnung solle an denjenigen gehen, der "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen" gewirkt hat.

Ican-Geschäftsführerin überwältigt von Nobelpreis

Die Geschäftsführerin des frisch gebackenen Friedensnobelpreisträgers Ican ist überwältigt. "Wir bekamen den Anruf nur ein paar Minuten vor der offiziellen Verkündung", sagte Beatrice Fihn (34), Geschäftsführerin von Ican, der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen, am Freitag vor ihrem Büro in Genf. "Wir waren schockiert, dann haben wir gekichert und einen Moment gedacht, der Anruf war vielleicht ein Scherz." Sie seien zutiefst dankbar, sagte Fihn.

Jury-Chefin: Friedensnobelpreis soll Atom-Staaten an Pflicht erinnern

Der Friedensnobelpreis an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung soll die Atom-Nationen auffordern, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf Nuklearwaffen einzuhalten. Jury-Chefin Berit Reiss-Andersen sagte am Freitag: "Wir senden Botschaften an alle Staaten, vor allem die mit Atomwaffen." Der Nobelpreis sei nicht als Kritik an einem konkreten Land zu verstehen. "Wir treten mit diesem Preis niemandem vors Schienbein", sagte sie.

Das Risiko, dass Atomwaffen zum Einsatz kämen, sei derzeit größer als seit langer Zeit. Mehrere Staaten modernisierten ihre Arsenale und die Gefahr sei real, dass mehr Länder versuchten, Atomwaffen herzustellen. Konkret nannte Reiss-Andersen Nordkorea.

Kandidaten und Nominierungen für den Friedensnobelpreis 2017

2016 hatte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos den Preis bekommen. Er wurde für sein langes Ringen um ein Ende des mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkriegs in seinem Land ausgezeichnet. Der Nobelpreis hatte den ins Stocken geratenen Friedensprozess noch weiter vorangetrieben.

In diesem Jahr waren 215 Personen und 103 Organisationen nominiert. Öffentlich gemacht wird die Liste erst in 50 Jahren. Einige Namen wie etwa Papst Franziskus, die syrischen Weißhelme und die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas sind trotzdem bekannt. Unter den Kandidaten sind auch Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin.

Lesen Sie auch: Türkei-Präsident soll den Friedensnobelpreis erhalten.

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kad/news.de/dpa

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