++ Hurrikan "Irma" aktuell ++: Mindestens 13 Tote in der Karibik, Schäden in Milliardenhöhe, erste Plünderungen

Über den französischen Überseegebieten in der Karibik wütet der Wirbelsturm "Irma" besonders heftig. Mindestens acht Todesopfer sind durch den Hurrikan bereits zu beklagen, darunter ein Baby.

Ein Kind auf der Straße eines Armenviertels in Port-au-Prince (Haiti). Dort stationierte UN-Mitarbeiter seien auf den Hurrikan vorbereitet und stünden ebenfalls bereit, Nothilfe zu leisten, versicherte der UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Bild: dpa

Der extrem gefährliche Hurrikan "Irma" hat in der Karibik mehr als sechs Menschen in den Tod gerissen. Der Wirbelsturm der stärksten Kategorie fünf habe auf den französischen Karibikinseln Saint-Barthélemy und Saint-Martin darüber hinaus schwere Schäden angerichtet, sagte Präfekt Eric Maire am Mittwoch. Das gesamte Ausmaß sei noch unklar. Staatspräsident Emmanuel Macron warnte, die Schadensbilanz werde "hart und grausam" sein. Als immer wahrscheinlicher gilt, dass "Irma" auf den US-Staat Florida treffen könnte. Derweil brauten sich in der Region gleich zwei neue Wirbelstürme zusammen.

+++ 8. September 2017, 16.10 Uhr:Plünderungen im Chaos nach Hurrikan "Irma" +++

 

Nach den Verwüstungen durch Hurrikan "Irma" in der Karibik wird Sint Maarten von Plünderern heimgesucht. Die Lage sei ernst und unübersichtlich, sagte der niederländische Premierminister Mark Rutte am Freitag. Es gebe Berichte, dass Bürger auch bewaffnet auf der Straße seien. Die niederländische Marine nannte die Situation auf Facebook "besorgniserregend". "Marinesoldaten und Militärpolizei unterstützen zur Zeit die lokalen Behörden beim Bewahren der öffentlichen Ordnung."

Sint Maarten teilt sich mit Saint-Martin (Frankreich) eine Insel. Auch dort soll es Plünderungen geben. Eine Bewohnerin sagte am Donnerstag dem französischen Radiosender France Bleu Limousin, sie sei schockiert und ernüchtert. Es gebe Prügeleien um Fernseher oder Ventilatoren. Sie habe Angst, nach draußen zu gehen, fügte die Frau hinzu. "Ich sehe auf der Straße junge Menschen mit Macheten, die uns böse ansehen. Ja, ich habe Angst um meine Sicherheit." Sie fürchte, dass bald das Wasser und die Lebensmittel - vor allem bei der ärmeren Bevölkerung auf der Insel - knapp würden.

Die französische Regierung kündigte am Donnerstag die Entsendung von zusätzlichen Polizeibeamten nach Saint-Martin an.

+++ 8. September 2017, 14.45 Uhr: Hurrikan "Irma" und die Superlative +++

Hurrikan "Irma" hat nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) in Genf mindestens zwei Rekorde gebrochen. Mit einer über mehr als 37 Stunden ununterbrochenen Windgeschwindigkeit von fast 300 Kilometern in der Stunde sei "Irma" weltweit der am längsten wütende Hurrikan gewesen, mindestens seit Beginn der Aufzeichnungen Anfang des letzten Jahrhunderts, sagte eine WMO-Sprecherin am Freitag in Genf.

Den Rekord hielt bislang Zyklon "Haiyan", der 2013 auf den Philippinen mehr als 24 Stunden mit Topgeschwindigkeiten wirbelte und mehr als 6000 Menschenleben forderte. Hurrikan, Zyklon und Taifun sind je nach Weltregion verschiedene Bezeichnungen für dasselbe Wettersystem.

Im Atlantik (ausgenommen Karibik und Golf von Mexiko) sei "Irma" nach Windgeschwindigkeit der bislang stärkste Hurrikan seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Dass dort drei Hurrikane gleichzeitig wirbeln - "Irma", "Jose" und "Katia" - sei zwar ungewöhnlich, aber nicht neu. So sei es auch 1967, 1980, 1995, 1998 und 2010 gewesen.

Es gebe keine Hinweise, dass der Klimawandel häufiger so schwere Stürme verursacht, sagte die Sprecherin. Allerdings legten Computersimulationen nahe, dass ein wärmeres Klima für stärkere Stürme sorge. Damit werde die Zahl der Hurrikane in den Kategorien 4 (Windgeschwindigkeiten bis zu 251 Kilometer in der Stunde) und 5 (mehr als 251 Kilometer in der Stunde) wahrscheinlich steigen.

 

Wie entsteht ein Hurrikan?

"Irma" hat sich zwar mittlerweile zu einem Hurrikan der Stufe vier abgeschwächt, bleibt aber trotzdem gefährlich. Und auf "Irma" folgt der nächste Wirbelsturm "Jose".

Wie entsteht ein Hurrikan?

Hurrikans sind tropische Wirbelstürme. Sie entstehen, wenn sich über dem tropischen Regenwald des afrikanischen Kontinents Gewitterherde bilden, die von den Passatströmungen in Richtung Karibik getrieben werden. Wenn die Wassertemperatur bei 26 Grad Celsius oder höher liegt, steigt feuchte, warme Luft nach oben, die zu wirbeln beginnt und dem Sturm Energie gibt. Herrschen zusätzlich bis zu einer Höhe von sieben bis zehn Kilometern konstante Winde, werden die entstehenden Wolkentürme nicht verweht. Um das Zentrum des Sturms rotieren dann starke Winde und heftige Regenschauer. Im Auge des Sturms herrschen dagegen Windstille und ein extrem niedriger Luftdruck.

Was sagt der Luftdruck aus?

Der Luftdruck sagt aus, wie stark ein Tiefdruckgebiet ist. Niedriger Luftdruck im Zentrum eines Hurrikans bedeutet: Es besteht ein großer Unterschied zum Luftdruck außerhalb des Hurrikans. Da der Wind sich nach den Luftdruckunterschieden richtet, führen große Luftdruckunterschiede zu extremen Windgeschwindigkeiten und damit zu einer hohen Zerstörungskraft. Windgeschwindigkeiten von annähernd 300 Kilometern pro Stunde wie bei «Irma» sind sehr selten.

Wie berechnen Experten den Weg eines Sturms?

Experten erstellen mehrere Simulation auf Grundlage verschiedener Daten. Luftdruck, Windrichtung, Windstärke, Temperatur von Luft und Wasser, Luftfeuchte und Wellenhöhen werden per Satellit, von einem Schiff, Bojen und auf dem Land aufgezeichnet. Aus der Beobachtung der Ist-Situation werden mögliche Szenarien erstellt. Die Simulationen werden dann miteinander verglichen. Aus den Gemeinsamkeiten ergibt sich die wahrscheinlichste Zugbahn eines Hurrikans.

+++ 8. September 2017, 14.39 Uhr: Hurrikan "Irma": Forscher schätzen Schäden auf 10 Milliarden Dollar +++

Hurrikan "Irma" hat nach Berechnungen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in der Karibik bislang Schäden von rund 10 Milliarden Dollar verursacht. "Gemessen an der Schadenssumme war dies der schlimmste Sturm in der Karibik aller Zeiten", sagte James Daniell vom "Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology" (CEDIM) am Freitag in Karlsruhe. Besonders schwer seien die Überseegebiete Großbritanniens, Frankreichs und der Niederlande getroffen worden. "Irma" habe bis zu 50 Prozent aller Güter auf der Insel Barbuda zerstört. Allein auf Sint Maarten und Saint Martin wird der Schaden auf rund vier Milliarden Dollar geschätzt.

Die Bilanz wurde mithilfe eines Risikoschadenmodells erstellt, bei dem die direkten ökonomischen Schäden nach einer Naturkatastrophe berechnet werden. Grundlage dafür ist eine Datenbank mit 60.000 Einträgen. Seit 1900 gehen demnach 19 Prozent der gesamten Wirtschaftsschäden von sieben Billionen Dollar auf Stürme zurück. "Irma" ist ein Hurrikan der höchsten Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometern pro Stunde.

Hilfe für die Karibik kommt in Gang - Dafür kann man spenden

Hilfsorganisationen haben schon Vorbereitungen für die Opfer des Hurrikans "Irma" in der Karibik getroffen. Die Lage ist allerdings noch unübersichtlich. Klar ist: Der Wirbelsturm hat einige Inselstaaten verwüstet. Unter anderem helfen folgende Organisationen selbst oder durch Partner vor Ort:

- UNICEF

"Große Probleme zeigen sich oft erst hinterher, wenn etwa eine ohnehin schwache Infrastruktur betroffen ist, Krankenhäuser nicht mehr funktionieren, die Nahrungsmittelversorgung unterbrochen ist und Schulen monatelang geschlossen bleiben", erklärt UNICEF-Sprecher Rudi Tarneden. Auf den vom Hurrikan teils schwer getroffenen Inseln Antigua, Barbuda und Barbados unterstützt UNICEF die Behörden mit Materialien zur Wasseraufbereitung, Hygieneartikeln, Medikamenten, Zusatznahrung und Schutzutensilien. UNICEF hat eine Online-Spendenmöglichkeit speziell zu "Irma" eingerichtet.

- Aktion Deutschland Hilft

Aktion Deutschland Hilft, ein Dachverband verschiedener Hilfsorganisationen, will vor allem auf Inseln helfen, wo sich staatliche Unterstützung als schwierig erweist, und die keine Überseegebiete oder besondere Gemeinden europäischer Länder sind, erklärte eine Sprecherin. Partner der Aktion bereiten sich auf Einsätze vor. Noch müsse aber mehr über die Ausmaße bekannt werden. Grundsätzlich könnten Trinkwasser, Lebensmittel und stabile Zeltplanen für Notunterkünfte bereitgestellt werden. Spenden unter dem Stichwort "Nothilfe weltweit" werden auf einem Spendenkonto entgegengenommen.

Bank für Sozialwirtschaft. IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 BIC: BFSWDE33XXX,

- Diakonie Katastrophenhilfe

Auch die Katastrophenhilfe der Diakonie hat sich zusammen mit internationalen Partnern auf Schäden "Irmas" vorbereitet. Bisher galt das Augenmerk vor allem Haiti, das nach ersten Erkenntnissen aber weniger Sturmschäden verzeichnet als zuvor angenommen. "Wir müssen nun auf die genaue Schadenerhebung warten", erklärte ein Sprecher. Grundsätzlich stünden Hilfskits mit Kohletabletten zur Wasserraufbereitung, Hygieneartikel, Planen und Decken bereit. Unter dem Stichwort "Sturmhilfe Karibik" werden auf dem Katastrophenhilfe-Konto der Diakonie Spenden entgegengenommen.

Evangelische Bank. IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02 BIC: GENODEF1EK1

- Caritas international

Nothilfe-Teams von Caritas international werden zuerst mit lokalen Regierungen Bedarfs- und Schadenserhebungen durchführen sowie Hilfsgüter zu den Menschen in den betroffenen Regionen bringen. Sobald der Hurrikan über die Karibik hinweggezogen ist, können von Caritas auch Hilfsgüter wie Planen und Bauwerkzeug sowie Hygieneartikel und Küchenutensilien verteilt werden. Spendengelder speziell für "Irma"-Opfer können unter dem Stichwort "Hurrikan Irma" auf folgendes Konto überwiesen werden.

Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe. IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02 BIC: BFSWDE33KRL

- SOS-Kinderdörfer weltweit

Die SOS-Kinderdörfer haben unter anderem in Haiti und dem benachbarten Inselteil der Dominikanischen Republik erste Lebensmittel- und Wasservorräte aufgestockt, Gebäude gesichert und Notunterkünfte eingerichtet. Spenden können auf das normale Nothilfekonto der Organisation überwiesen werden. Die Gelder werden dann dort eingesetzt, wo sie im Moment gebraucht werden, wie ein Sprecher erklärt. Beim Verwendungszweck sollte "Nothilfe" angegeben werden.

GLS Gemeinschaftsbank. IBAN: DE22 4306 0967 2222 2000 00 BIC: GENODEM1GLS

- Arbeiter-Samariter Bund

Der ASB ist schon seit dem Erbeben 2010 mit einem Länderbüro auf Haiti vertreten und hat bereits Helfer vor Ort. In Deutschland wartet ein Notfallteam auf Abruf, um in betroffenen Gebieten medizinische Feldlager aufzubauen. Der noch unübersichtlichen Lage wegen wurde allerdings noch kein spezielles Spendenkonto eingerichtet.

+++ 8. September 2017, 13.37 Uhr: Millionen Menschen brauchen nach Hurrikan "Irma" Hilfe +++

Millionen Menschen werden nach Schätzungen von Hilfsorganisationen nach dem Durchzug des gewaltigen Hurrikan "Irma" auf Hilfe angewiesen sein. Schon bevor der Sturm Haiti und Kuba erreichte, waren 1,2 Millionen Menschen betroffen, wie Pascale Meige, Direktorin für Krisenvorbereitung bei der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), am Freitag in Genf berichtete. Die Mitarbeiter stünden in den betroffenen Ländern bereit, um zu helfen.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat in Haiti vor dem Sturm genügend Nahrungsmittel deponiert, um 150.000 Menschen einen Monat versorgen zu können. In Kuba sei für 270.000 Menschen vorgesorgt worden. Nach Angaben der Föderation haben Zehntausende Menschen ihre Bleibe und ihr Hab und Gut verloren. Andere seien nur durch Stromausfälle betroffen. Millionen weitere Menschen lebten in der Schneise, die der Hurrikan nach den Vorhersagen auf seinem Weg Richtung Norden noch nehmen soll.

+++ 8. September 2017, 13.36 Uhr: Niederländischer König besucht Krisengebiet in der Karibik +++

Nach dem verheerenden Hurrikan "Irma" wird der niederländische König Willem-Alexander die getroffene Region in der Karibik besuchen. Der König werde am Sonntag zunächst zur niederländischen Insel Curacao reisen, teilte die niederländische Regierung am Freitag in Den Haag mit. Von dort aus werde er möglicherweise weiter zur Antilleninsel Sint Maarten reisen, die am schlimmsten von "Irma" getroffen worden war.

Die Hilfsaktion der Niederlande läuft vor allem über Curacao. Auch die kleineren niederländischen Antillen-Inseln Saba und Sint Eustatius waren von "Irma" getroffen worden. Allerdings waren die Schäden dort sehr viel geringer als auf Sint Maarten. Der Inselteil mit rund 40.000 Einwohnern gehört als autonomes Land zum niederländischen Königreich.

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