Todesschüsse in Leipzig
Tod im Rockermilieu - Vier Hells Angels stehen vor Gericht

Ein toter Rocker in der Leipziger Eisenbahnstraße, ein in Österreich untergetauchter Hells-Angels-Boss - der Fall hat Drehbuch-Potenzial. Nun kommen vier Rocker vor Gericht. Der Vorwurf: gemeinschaftlicher Mord.

Polizisten stehen vor dem Klubhaus des Motorradclubs "Hells Angels". Bild: dpa

Nach tödlichen Schüssen im Leipziger Rockermilieu müssen sich ab Montag (11.00Uhr) vier Rocker der Hells Angels wegen Mordes vor dem Landgericht verantworten. Einer von ihnen soll am 25. Juni vergangenen Jahres in der als Kriminalitäts-Hotspot berüchtigten Eisenbahnstraße mehrere Schüsse auf Mitglieder des verfeindeten Rocker-Clans United Tribuns abgegeben haben. Ein 27-Jähriger starb, zwei weitere Männer wurden lebensgefährlich verletzt. Bis Januar 2018 sind 36 Gerichtstermine angesetzt. Bei dem Prozess soll es verschärfte Sicherheitsvorkehrungen geben.

Todesschüsse in Leipzig: Genauer Tathergang noch immer unklar

Was sich genau am 25. Juni 2016 im Leipziger Osten abgespielt hat, ist immer noch unklar. Die Staatsanwaltschaft will Details bis zum Prozess unter Verschluss halten. Bisheriger Stand: Ein damals 30-jähriger Hells Angel soll Schüsse auf mehrere Mitglieder des Rocker-Clans United Tribuns abgegeben haben. Die anderen Angeklagten sollen sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit "Gewalttätigkeiten" beteiligt haben. Ihr Ziel: den Tötungsplan vollenden.

Es ging wohl um Rache. Laut Staatsanwaltschaft suchten die Hells Angels wahrscheinlich gezielt die Auseinandersetzung, um sich für einen früheren Übergriff der United Tribuns zu rächen. Das sächsische Innenministerium warnte nach den Schüssen vor weiteren Racheakten. Es bestehe "ein erhöhtes Vergeltungsrisiko durch die United Tribuns", zudem könne es zu wechselseitigen Machtdemonstrationen kommen.

Wie gefährlich sind die Rockerfehden wirklich?

Wie gefährlich Rockerfehden sind, ist den Sicherheitsbehörden bekannt: Erst im Oktober 2016 wurde der Präsident der Gießener Hells Angels auf dem Gelände des Rocker-Vereinsheims erschossen. Im Mai vergangenen Jahres fielen im Frankfurter Rockermilieu Schüsse auf einem belebten Platz mitten in der Innenstadt. Zwei Männer wurden schwer verletzt.

In Leipzig blieb eine weitere Eskalation nach den Schüssen auf der Eisenbahnstraße aus. Ein Trauermarsch von rund 200 Mitgliedern der United Tribuns durch Leipzig verlief im September weitgehend friedlich. Die Leipziger Hells Angels lösten sich auf.

Der mutmaßliche Schütze wurde noch am Tag der Tat festgenommen, kam unmittelbar darauf in U-Haft. Die drei weiteren Angeklagten folgten in den Tagen und Monaten darauf und sitzen bis heute ohne Unterbrechung im Gefängnis - bis auf einen.

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