Nach Anschlag auf Brüsseler Bahnhof: Verdächtiges Paket auf zweitem Bahnhof gefunden

Eine Explosion, dann fallen Schüsse: Nach Großbritannien und Frankreich scheint nun wieder Belgien Ziel eines Terrorangriffs geworden zu sein. An diesem Mittwoch soll der Nationale Sicherheitsrat zusammenkommen.

Nach einer Explosion ist der Brüsseler Bahnhof Central geräumt worden. Die Explosion war nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Terroranschlag. Bild: dpa

Die belgische Hauptstadt Brüssel ist womöglich nur knapp einem weiteren schweren Terroranschlag entgangen. Sicherheitskräfte schossen am Dienstagabend im Zentralbahnhof einen Verdächtigen nieder, der kurz zuvor eine kleinere Explosion ausgelöst haben soll. Die Staatswaltschaft teilte später mit, dass es sich bei dem Mann nach ersten Erkenntnissen um einen Terroristen gehandelt habe. Er starb an seinen Verletzungen. Weitere Opfer gab es nicht.

+++ Update 21.06.2017, 11.47 Uhr: Verdächtiges Paket entdeckt +++

Nach dem vereitelten Terroranschlag von Brüssel ist am Mittwochmorgen ein verdächtiges Paket vor dem Bahnhof von Namur im Süden des Landes entdeckt wurden. Wie die Polizei auf Twitter mitteilte, wurde der Bahnverkehr gestoppt und eine Sicherheitszone abgesteckt. Verkehr und Fußgänger wurden von dort ferngehalten und Bürger aufgefordert, sich an die Anweisungen der Polizei zu halten. Mehr war zunächst nicht bekannt.

+++ Update 21.06.2017, 11.05 Uhr: Belgischer Premier: Lassen uns vom Terror nicht einschüchtern +++

Nach dem vereitelten Terroranschlag von Brüssel hat Belgiens Ministerpräsident Charles Michel am Mittwoch den Soldaten gedankt, die den mutmaßlichen Attentäter nach einer Explosion im Zentralbahnhof niedergeschossen hatten. In einer potenziell gefährlichen Situation hätten sie schnell und professionell reagiert, sagte Michel in Brüssel. Bei der Tat am Dienstagabend war bis auf den Täter niemand verletzt worden.

Michel bekräftigte, dass die Sicherheitsbehörden die Terroralarmstufe trotz des als Terrortat gewerteten Zwischenfalls zunächst nicht anheben werden. Es gilt weiter Stufe drei von vier. Das bedeute, dass es keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Terrorakt gebe, sagte Michel. Er mahnte seine Landsleute, sich nicht einschüchtern zu lassen und ihre Freiheit im Alltag und ihren Lebensstil zu bewahren.

Trotzdem wurden die Sicherheitsdienste zu erhöhter Wachsamkeit aufgefordert, wie Michel bestätigte. Es solle mehr Kontrollen geben, sagte er.

+++ Update 21.06.2017, 11.04 Uhr: Getöteter Brüsseler Attentäter soll aus Islamisten-Hochburg stammen +++

Bei dem am Dienstagabend in Belgien getöteten Attentäter soll es sich um einen 37-Jährigen aus der als Islamisten-Hochburg bekannten Brüsseler Gemeinde Molenbeek handeln. Das berichteten am Mittwochvormittag übereinstimmend mehrere belgische Medien. Nach Informationen der belgischen Nachrichtenagentur Belga war der Mann allerdings nicht als Terrorverdächtiger bekannt. Er sei der Polizei in der Vergangenheit lediglich im Zusammenhang mit Drogenhandel aufgefallen, hieß es. Ermittler hätten am Mittwochvormittag begonnen, seine Wohnung zu durchsuchen.

+++ Update 21.06.2017, 09.30 Uhr: Brüsseler Zentralbahnhof nach Anschlag wieder geöffnet +++

Der nach einem Terroranschlag gesperrte Zentralbahnhof in Brüssel ist wieder für den Verkehr freigegeben worden. Wie die Bahngesellschaft SNCB am Mittwochmorgen mitteilte, können Züge wieder in der Station halten.

Der Bahnhof war am Dienstagabend komplett gesperrt worden, nachdem Sicherheitskräfte einen mutmaßlichen Attentäter niedergeschossen hatten. Dieser hatte kurz zuvor eine Explosion ausgelöst, die aber glimpflich verlief. Reisende und Bahnhofsmitarbeiter kamen nicht zu Schaden.

Die belgischen Behörden ordneten am Mittwoch eine verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften in Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen an. Die Terrorwarnstufe soll vorerst aber nicht weiter angehoben werden. Sie war bereits vor dem Anschlag am Dienstagabend auf dem zweithöchsten Niveau.

+++ Update 21.06.2017, 08.40 Uhr: Innenminister: Identität des Brüsseler Attentäters ist bekannt +++

Die Identität des am Dienstagabend in Brüssel getöteten Attentäters ist bekannt. Wie der belgische Innenminister Jan Jambon am Mittwochmorgen dem Nachrichtensender VRT sagte, soll sie allerdings erst später öffentlich gemacht werden, um die Ermittlungen nicht zu behindern. "Wir müssen nun auch schauen, wie sich der Mann radikalisieren konnte", sagte Jambon.

Brüssel war am Dienstagabend womöglich nur knapp einem schweren Terroranschlag entgangen. Sicherheitskräfte hatten im Zentralbahnhof einen Verdächtigen niedergeschossen, der kurz zuvor eine kleinere Explosion ausgelöst haben soll. Der Sender VRT berichtete am Mittwochmorgen ohne Quellenangabe, dass der Mann eigentlich eine Nagelbombe haben zünden wollen. Sie funktionierte aber offensichtlich nicht wie geplant. Der Attentäter erlag noch am Dienstagabend seinen Verletzungen. Weitere Opfer gab es nicht.

VIDEO: Explosion in Brüsseler Bahnhof - Attentäter erschossen
Video: Euronews

Terrorverdächtiger soll "Allah-u Akbar" gesagt haben

Nach Angaben eines Augenzeugen soll der Verdächtigte "Allah-u Akbar" (Gott ist groß) gesagt haben. Der etwa 30-Jährige habe das nicht laut gerufen, sondern eher gemurmelt, sagte der Bahnhofsmanager Jean-Michel Michel, der unmittelbar daneben stand, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Zentralbahnhofs, nachdem dieser evakuiert wurde, hinter einem Absperrband auf dem "Grand Place"-Platz. Bild: dpa

Die Nachrichtenagentur Belga berichtete, der Mann habe, nachdem er niedergeschossen worden war, zunächst lange im Bahnhof auf dem Boden gelegen. Sprengstoff-Experten wollten demnach überprüfen, ob er womöglich noch eine Bombe am Körper trage. Zuvor war der Verdacht geäußert worden, dass der Mann einen Sprengstoffgürtel umgeschnallt habe. Ein anderer Zeuge schilderte, wie ein anderer Mann in Handschellen abgeführt wurde.

Explosion im Bahnhof in Brüssel löst Panik aus

Der Bahnhof war direkt nach der Explosion gesperrt worden. Auch umliegende Gebäude wurden geräumt. Die Bahngesellschaft SNCB teilte mit, der Verkehr sei auf Anweisung der Polizei unterbrochen worden, auch in anderen großen Stationen wie Brüssel-Nord und Brüssel-Midi. In der Nacht wurde der Zugverkehr in der belgischen Hauptstadt wieder aufgenommen, allerdings ohne Halt am weiterhin gesperrten Hauptbahnhof.

Im Zentralbahnhof und an den Gleisen war nach der Explosion Panik ausgebrochen. Augenzeugen berichteten einer dpa-Reporterin von einem Knall im Bahnhof. VieleMenschen seien daraufhin schnell in Restaurants und andere Gebäude gelaufen. Brüssels nahegelegene Hauptsehenswürdigkeit, der Große Platz mit dem historischen Rathaus, wurde jedoch nicht geräumt.

Der belgische Ministerpräsident Charles Michel kündigte für den Mittwochvormittag eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats an. Die Terrorwarnstufe im Land wurde zunächst aber nicht auf das höchste Niveau angehoben. Dies solle nur dann geschehen, wenn es Hinweise geben sollte, dass es ein weiterer Terroranschlag unmittelbar bevorsteht, hieß es. Nach bisherigen Erkenntnissen sei dies nicht der Fall.

Großbritannien, Frankreich und Belgien im Visier der Terroristen

Belgiens Hauptstadt war bereits mehrfach von Anschlägen erschüttert worden. Im März 2016 hatten mehreren Bomben islamistischer Attentäter am Flughafen und in einer Metrostation 32 Menschen getötet. Im Mai 2014 erschoss im Jüdischen Museum ein französischer Islamist vier Menschen. Seitdem gehören nicht nur Polizisten, sondern auch mit Maschinenpistolen bewaffnete Militärpatrouillen zum Stadtbild.

Zuletzt hatten islamistische Attentäter wieder Großbritannien und Frankreich angegriffen. In Paris gab es erst am Montag einen Anschlagsversuch auf Polizisten auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées. In Großbritannien hatte es zuvor Anschläge in Manchester und London gegeben.

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mag/news.de/dpa

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