Terror in London
Alle Opfer sind Moslems

Gut zwei Wochen nach dem Terroranschlag im Zentrum Londons ist die britische Hauptstadt erneut in heller Aufregung. Wieder rast ein Lieferwagen in eine Menschenmenge, wieder gibt es Opfer zu beklagen. Sind diesmal Muslime das Ziel gewesen?

Im Londoner Stadtteil Finsbury Park hat es nach Polizeiangaben einen schweren Zwischenfall mit einem Toten und zehn Verletzten gegeben. Bild: Victoria Jones / PA Wire / picture alliance / dpa

Bei dem blutigen Zwischenfall im Londoner Stadtteil Finsbury Park hat es einen Toten und zehn Verletzte gegeben. Wie die Polizei am Montagmorgen weiter mitteilte, haben Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen übernommen. Ein Minivan war in der Nacht in eine Menschenmenge nahe einer Moschee gefahren. Nach Angaben des Rats der Muslime ereignete sich der Vorfall vor einem muslimischen Gemeinschaftshaus in der Nähe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park - nicht direkt vor der Moschee, wie es der Rat zunächst mitgeteilt hatte. Der Fahrer wurde festgenommen. Die genauen Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar.

+++ 19.06.2017, 10.20 Uhr: Opfer aus muslimischer Gemeinde - Todesfall wird untersucht +++

Die Opfer der Attacke mit dem Lieferwagen im Norden Londons gehören alle der muslimischen Gemeinde an. Das sagte Neil Basu von Scotland Yard am Montagmorgen vor Journalisten. Es gebe außer dem Fahrer keine weiteren Verdächtigen. Man habe auch keine Waffen wie etwa Messer bei dem Fahrer des Lastwagens gefunden. "Das war eine Attacke auf London und alle Londoner", sagte Basu weiter. Scotland-Yard-Chefin Cressida Dick kündigte angesichts des Vorfalls an, dass zusätzliche Beamte im Einsatz sein würden, auch in der Nähe von muslimischen Einrichtungen.

+++ 19.06.2017, 9.00 Uhr: Lieferwagen-Fahrer soll gerufen haben: "Ich habe meinen Teil getan" +++

Der Mann, der in der Nacht zum Montag einen Lieferwagen in eine Gruppe von Fußgängern vor einem muslimischen Gebetshaus in London gesteuert hat, soll Augenzeugen zufolge gerufen haben: "Ich habe meinen Teil getan". Das berichtete Toufik Kacimi, der Leiter des Gebetshauses, vor dem der Zwischenfall passierte, im britischen Sender Sky News. Der nach Polizeiangaben 48 Jahre alte Fahrer wurde von Polizisten nach der Attacke festgenommen.

Wie Kacimi weiter berichtete, schützte ihn der Imam der benachbarten Moschee vor einem wütenden Mob Umstehender, nachdem er den Lieferwagen verlassen hatte. "Menschen hielten ihn fest und begannen, ihn zu schlagen. Unser Imam Mohammed Mahmoud kam hinzu und rettete ihn, rettete quasi sein Leben", sagte er Sky News.

+++ 19.06.2017, 8.45 Uhr: Gebetshaus verurteilt Attacke und ruft zu Ruhe auf +++

Das muslimische Londoner Gebetshaus, vor dem ein Lieferwagen in der Nacht in eine Gruppe von Fußgängern gefahren ist, hat den Vorfall verurteilt. "Wir haben über Jahrzehnte sehr hart für eine friedliche und tolerante Gemeinschaft hier in Finsbury Park gearbeitet und verurteilen schärfstens jeden Akt des Hasses, der versucht, unsere wunderbare Gemeinschaft zu spalten", heißt es in einer Mitteilung, die das Muslim Welfare House im Stadtteil Finsbury Park am Montagmorgen im Internet veröffentlichte. Die Verantwortlichen riefen zur Ruhe auf: "Spekulationen über den Vorfall sind nicht hilfreich. (...) Die Polizei sollte Zeit bekommen, ihren Job zu machen."

Terror-Fahrer von London wird nach Anschlag psychisch untersucht

Augenzeugen hatten den 48-jährigen Fahrer des Lieferwagens nach Polizeiangaben festgehalten, bis Beamte eintrafen und ihn festnahmen. Der Mann sei "als Vorsichtsmaßnahme" in ein Krankenhaus gebracht worden und werde auf seine psychische Gesundheit untersucht. Augenzeugen berichteten, dass der Täter groß und hellhäutig sei.Acht Verletzte wurden den Angaben zufolge in Krankenhäuser gebracht, zwei Leichtverletzte am Ort des Geschehens behandelt.

Nach Polizeiangaben gibt es bislang keine Erkenntnisse zu weiteren Verdächtigen. Medienberichten zufolge wollen Augenzeugen hingegen zwei Männer gesehen haben, die aus dem Minivan ausgestiegen seien, nachdem dieser in die Menschengruppe gefahren war.

VIDEO: Fahrzeug rast vor Moschee in Menschengruppe
Video: Euronews

Rat der Muslime: Londoner Fahrer womöglich "von Islamhass motiviert"

Aus Sicht des Britischen Rats der Muslime könnte der blutige Zwischenfall ein gegen Muslime gerichteter Anschlag gewesen sein. "Von den Augenzeugenberichten her scheint es, als wäre der Täter von Islamhass motiviert gewesen", schrieb der Rat am frühen Montagmorgen auf Twitter. Muslime hätten in den vergangenen Wochen und Monaten oft Islamhass erleben müssen, der nächtliche Vorfall nahe einem muslimischen Gemeinschaftshaus sei dessen "gewalttätigste Manifestation" bislang.

Der Rat forderte Polizeischutz für Moscheen. Die Behörden müssten nicht nur den aktuellen Vorfall aufklären, sondern auch etwas gegen die "in höchstem Maße beunruhigende Zunahme des Islamhasses" tun. Die Polizei hatte zuvor mitgeteilt, dass Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen übernommen hätten.

Theresa May verurteilt "schrecklichen Zwischenfall" im Londoner Stadtteil Finsbury Park

Die britische Premierministerin Theresa May sprach von einem "schrecklichen Zwischenfall". Sie teilte am frühen Morgen mit: "All meine Gedanken sind mit jenen, die verletzt wurden, mit deren Angehörigen und mit den Rettungskräften vor Ort." Der Vorsitzende der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, zeigte sich "total schockiert".

Londoner Bürgermeister Khan verurteilt "fürchterlichen Terroranschlag"

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat den Zwischenfall vor einem muslimischen Gemeinschaftshaus als Terroranschlag bezeichnet. "Die Londoner Polizei ist nach einem fürchterlichen Terroranschlag auf unschuldige Menschen in Finsbury Park im Einsatz", schrieb er am frühen Montagmorgen auf Facebook. Die kompletten Details seien noch nicht bekannt, "aber das war klar ein gezielter Angriff auf unschuldige Londoner, von denen viele gerade die Gebete während des heiligen Monats Ramadan beendeten", schrieb Khan weiter. Seine "Gedanken und Gebete" seien bei allen Betroffenen.

VIDEO: Augenzeugenberichte! Blutiger Zwischenfall vor Moschee
Video: Euronews

Terror in Finsbury Park: Kleintransporter rast in London in Menschenmenge

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben gegen 00.20 Uhr (Ortszeit, 01.20 Uhr MESZ) die ersten Notrufe erhalten. Die Einsatzkräfte wurden daraufhin zum Ort des Geschehens in der Seven Sisters Road geschickt. Der Stadtteil Finsbury Park liegt nördlich des Zentrums von London.

Bei den Opfern des blutigen Zwischenfalls soll es sich nach übereinstimmenden Angaben vornehmlich um Muslime handeln, die nach dem Ende eines Gebets auf die Straße getreten waren. Unklar war zunächst, ob das Fahrzeug mit Absicht in die Menschenmenge gesteuert wurde. Mehrere Medien zitierten Augenzeugen, die dies bejahten.

Vorsitzender der Moschee verurteilt Terrorattacke in London

Mohammed Kozbar, der Vorsitzende der Moschee, sagte der Boulevard-Zeitung "The Sun": "Wer immer das getan hat, wollte Menschen verletzen. Das ist eine Terrorattacke." Das Fahrzeug, das Passanten rammte, soll dem "Sun"-Bericht zufolge ein gemieteter weißer Lieferwagen sein. Ein solches Fahrzeug war auch auf diversen Bildern vom Ort des Geschehens zu sehen.

Die Millionenstadt war erst kürzlich zum Schauplatz eines blutigen Terroranschlags geworden: Am 3. Juni hatten auf der London Bridge und am Borough Market drei Terroristen mindestens acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.Die Täter wurden kurz darauf von Polizisten erschossen.

FOTOS: Terror in London 2017 Die Bilder zum Attentat auf London Bridge und Borough Market

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loc/news.de/dpa

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