Wölfe in Deutschland: Vom Menschen geköpft! Wer ist hier das gefährliche Raubtier?

Seit der Jahrtausendwende erobert der Wolf Deutschland zurück und verbreitet sich rasant. Darüber freut sich nicht jeder. Naturschützer und Wissenschaftler werben um Akzeptanz für das geschützte Raubtier.

Wölfe erobern Deutschland. Bild: dpa

Immer wenn sich Claudia Szentiks Gummistiefel und Atemschutz anzieht, ist wieder einer gestorben. Auf ihrem Seziertisch im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin landen seit 2012 alle Wölfe, die in Deutschland tot gefunden werden - 24 Tiere waren es allein seit Beginn dieses Jahres. Die Tierpathologin öffnet Körperhöhlen, entnimmt Organproben und forscht wie eine Detektivin nach der Todesursache. Je nach Zustand des Kadavers hantiert sie dafür bis zu sieben Stunden mit Skalpell und Mikroskop.

Bedrohlich oder bereichernd? Diskussion über Wölfe verschärft sich

Die meisten der Wölfe, die Szentiks untersucht, sind im Straßen- und Schienenverkehr ums Leben gekommen - erfasst und überrollt auf Streifzügen durch ihr etwa 250 Quadratkilometer großes Territorium. Andere wurden im Kampf mit Artgenossen verletzt oder sind schwer erkrankt. Für jeden zehnten Wolf muss Szentiks jedoch eine Todesursache notieren, die sie besonders betroffen macht: illegale Tötung. Am häufigsten lassen sich Schussverletzungen nachweisen, drei Tiere sind sogar geköpft worden. "Diese Fälle zeigen leider, dass es bei einigen Menschen sehr an Akzeptanz mangelt", sagt die Pathologin. "Es ist für mich unbegreiflich, warum jemand ein geschütztes Tier gezielt umbringt."

120 - 130 Wölfe leben in Deutschlands Wäldern

Tatsächlich wird in der Öffentlichkeit regelmäßig Ärger laut, seit der Wolf um die Jahrtausendwende begann, Deutschland für sich einzunehmen. Während Artenschützer vom beispiellosen Vormarsch begeistert sind, erfüllt er viele Landwirte und Anwohner mit Sorge. Aus Polen kommend hat sich der Wolf verbreitet - längst sind es nicht mehr ausschließlich Brandenburg und Sachsen, denen das Thema Kopfzerbrechen bereitet. Nach Daten des Bundesamtes für Naturschutz sowie der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) gab es im vergangenen Jahr Nachweise für 120 bis 130 erwachsene Tiere in Deutschland: von Oberbayern bis zur Nordsee, von der deutsch-polnischenGrenze bis ins Rheinland. Schwerpunkt ist ein noch lückenhaftes Band von der Lausitz bis nach Niedersachsen.

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