28.04.2017, 14.43 Uhr

Krzysztof Charamsa: Ex-Priester: "50 Prozent des gesamten Klerus sind schwul"

Krzysztof Charamsa erschütterte die katholische Kirche mit seinem Coming Out - und musste dies hoch bezahlen. Zwei Jahre später rechnet er mit Papst, Vatikan und Klerus ab.

Krzysztof Charamsa und sein Lebenspartner bei Charamsas offiziellen Coming Out am 3.10.2015. Bild: dpa

Hinter vorgehaltener Hand wurde es ja schon lange erzählt. Ein offenes Geheimnis, dass die katholische Kirche eine Doppelmoral pflegt. Denn innerhalb der Kirche ist Homosexualität längst nicht mehr so verpöhnt, wie es nach außen hin dargestellt wird. Schließlich gibt es auch schwule Priester, auch wenn diese ihre Homosexualität unter allen Umständen geheim halten müssen. Der Vatikan-Theologe Krzysztof Charamsa bekannte sich 2015 kurz vor der Bischofssynode zu Ehe und Familie zu seiner Homosexualität.

Charamsa: Unter Ratzinger ging es im Vatikan so schwul zu, wie nie zuvor in der Neuzeit

Daraufhin wurde er von all seinen Ämtern enthoben. Damals lobte er Papst Benedikt XVI. dennoch als "fantastisch". "Er hat uns die Schönheit des Dialogs wiederentdecken lassen", so Charamsa. Nun hat er ein Buch veröffentlicht. "Der erste Stein. Als homosexueller Priester gegen die Heuchelei der katholischen Kirche" heißt es und ist als Abrechnung mit der Doppelmoral des Vatikan zu verstehen. Darin schreibt Charamsa unter anderem: "Ratzinger verstand es vorzüglich, den Hass auf die Homosexuellen zu verschärfen. Wenn ich jedoch (...) an die Jahre zurückdenke, in denen er Papst war, dann steht mir ein Pontifikat vor Augen, in dem es im Vatikan so schwul zuging, wie wohl nie zuvor in der Neuzeit."

Charamsa: "Wir arbeiten gegen homosexuelle Leute ein bisschen wie eine Sekte"

Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagt Krzysztof Charamsa: "Die katholische Kirche braucht nicht nur ein Coming-out, sie braucht eine Revolution von schwulen Männern. Wir fragen nach Respekt, nach Achtung, wir fragen nach einer richtigen Reflexion über unsere Identität." Und dann spricht er über das Verhältnis der katholischen Kirche zur Homosexualität. Denn die Institution habe "keine richtigen Argumente" für ihre "doktrinale Position". Und Charasma geht einen Schritt weiter: "Wir arbeiten gegen homosexuelle Leute ein bisschen wie eine Sekte, eine fundamentalistische Sekte." Es gebe einfach "keinen realen Dialog mit der Realität".

Charamsa: "50 Prozent des gesamten Klerus sind schwul"

Und auch bei "Markus Lanz" sprach Krzysztof Charamsa über das Verhältnis des Vatikans zur Homosexualität. Bei Lanz sagte er, dass 50 Prozent des Klerus schwul seien. Jedoch gebe es auch viele Priester, die sich mit ihrer Sexualität nicht auseinander setzen. So, wie es von der katholischen Kirche verlangt wird. Deshalb sei schwer zu schätzen, wie viele Priester ihre Homosexualität auch ausleben.

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gea/sba/news.de

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