Wachsmotten-Larve als Plastikkiller: Ist DIESE kleine Raupe die Rettung in der Plastik-Krise?

Plastikabfälle gehören zu den größten Problemfaktoren für die Umwelt - doch jetzt könnte eine zufällige Entdeckung einer Hobby-Imkerin einen Ausweg aus der Plastik-Krise aufzeigen. Eine unscheinbare Raupe scheint nämlich Polyethylen problemlos und in großen Mengen verputzen zu können.

Eine Hobby-Imkerin hat durch Zufall entdeckt, dass die Larven der Wachsmotte Plastik in rasantem Tempo und in großen Mengen vertilgen können. Bild: M. Lüchow / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem / picture alliance / dpa

Eine kleineRaupe kann handelsübliche Plastiktüten relativ zügig zersetzen. Die Larven der Großen Wachsmotte(Galleria mellonella)fressen den wohl am häufigsten verwendeten und biologisch kaum abbaubaren Kunststoff Polyethylen (PE), wie spanische Forscher im Fachmagazin "Current Biology" schreiben. Wegen der hohen Zersetzungsgeschwindigkeit habe der Fund "Potenzial für bedeutende biotechnologische Anwendungen".

Kleine Raupe als Rettung in der Plastikkrise? Hobby-Imkerin macht erstaunliche Entdeckung

Die Entdeckung gelang durch einen Zufall. "Ich beschäftige mich beruflich mit Hühnerembryos, bin aber Hobby-Bienenzüchterin", sagte Federica Bertocchini, die an der Studie beteiligt war. Bei der Säuberung eines Bienenstocks habe sie zu Hause im nordspanischen Santander, wo sie an der Universidad de Cantabria arbeitet, plötzlich "diese Würmchen" entdeckt. "Die sich von Pollenresten ernähren und für uns Imker wie die Pest sind." Die Italienerin warf die Larven in eine Plastiktüte. Und siehe da: "Nach einer Weile war der Beutel voller Löcher und die Larven draußen!"

So viel Plastik vertilgen die Larven der Wachsmotte

Diese Beobachtung setzte die Forschungsarbeit der Wissenschaftlerin und ihrer Kollegen in Gange. Dabei fanden sie heraus, dass rund 100 Wachsmotten-Larven in 12 Stunden etwa 92 Milligramm einer normalen Einkaufstüte fressen können. "Das ist ein sehr schneller Abbau, schneller als alles, was zu diesem Thema bisher wissenschaftlich veröffentlicht wurde", sagte Bertocchini. "Wir vermuten, dass für diese schnelle Zersetzung ein Molekül oder Enzym verantwortlich ist, das wir zu isolieren versuchen werden." Dieses Enzym könne man dann in großen Umfang produzieren und es nutzen, um Plastikmüll abzubauen, hofft die junge Wissenschaftlerin.  

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So schnell kann Polyethylen abgebaut werden

Auch andere Organismen wie Pilze oder Bakterien sind bekannt dafür, dass sie Kunststoffe abbauen können. Erst voriges Jahr wurde am japanischen Kyoto Institute of Technology ein Bakterium namens Ideonella sakaiensis entdeckt, das PET-Flaschen verdauen kann. Doch wie andere zuvor entdeckte "Plastikfresser" ist auch Ideonella weit davon entfernt, eine Lösung für das globale Problem mit dem Plastikmüll zu liefern. Unter optimalen Bedingungen und bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius braucht es etwa sechs Wochen, um ein kleines Stück Polyethylenterephthalat (PET) zu zersetzen.

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Da ist die Wachsmotten-Raupe beim Abbau von Polyethylen (PE) deutlich schneller. Dieses aus Erdöl hergestellte synthetische Polymer werde vor allem zur Herstellung von weltweit rund einer Billion Tüten pro Jahr benutzt, die insgesamt rund 60 Millionen Tonnen Plastik entsprächen, erklärt Bertocchini. Plastik ist biologisch kaum abbaubar. Die Zersetzung kann mehrere Jahrhunderte dauern. Der Plastikmüll landet häufig in der Umwelt. Im Meer wird der Abfall von Fischen oder von Vögeln gefressen, die oft qualvoll an dem unverdaulichen Stoff verenden.

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loc/news.de/dpa

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