06.01.2017, 10.18 Uhr

Kältewelle in Deutschland: Minus 25 Grad! Deutschland bibbert nach der Ostsee-Sturmflut

Das Wetter bleibt unwirtlich: Nach der heftigen Sturmflut an Deutschlands Ostseeküste lässt arktische Polarluft die Temperaturen tief sinken. Schon in der Nacht geht es runter bis minus 25 Grad. Es drohen weitere Glätteunfälle.

Es bleibt eisig in Deutschland. Bild: picture alliance / Paul Zinken/dpa

Die winterliche Sturmflut an der Ostsee ist gerade abgeklungen, jetzt herrscht in weiten Teilen Deutschlands eisige Kälte. In der Nacht zum Freitag zeigte das Thermometer in einigen Großstädten bis zu minus zehn Grad an, auf der Zugspitze wurden sogar minus 25 Grad erreicht. Auch tagsüber soll es eisig bleiben: Der Deutsche Wetterdienst (DWD)erwartet in weiten Teilen Deutschlands Temperaturen von null bis minus acht Grad, immerhin begleitet von viel Sonnenschein. In der Nacht zum Samstag könnte arktische Polarluft zu neuen Tiefstwerten führen. Angesichts der Frostnächte bereiten viele Städte Unterkünfte für Obdachlose vor.

Weiter erhebliche Lawinengefahr in Hochlagen der deutschen Alpen

In den Hochlagen der deutschen Alpen herrscht weiter erhebliche Lawinengefahr. Damit wird oberhalb der Waldgrenze die dritte der insgesamt fünf Warnstufen erreicht. Bereits bei geringer Zusatzbelastung könnten sich Schneebrettlawinen lösen, warnte der Lawinenwarndienst Bayern am Freitag in München. Auch sei die Gefahr der Selbstauslösung von Lawinen gestiegen, hieß es weiter. Unterhalb der Waldgrenze herrscht nach Angaben der Experten mäßige Lawinengefahr und damit Warnstufe zwei. Die Lawinenlage im bayerischen Alpenraum werde "vorerst kritisch" bleiben, hieß es mit Blick auf die kommenden Tage.

Kälteste Nacht des Winters - In Bayern besonders strenger Frost

Deutschland hat die kälteste Nacht des bisherigen Winters erlebt. Wie ein Sprecher des DWD in Offenbach am Freitagmorgen mitteilte, war es in Bayern besonders frostig. Laut DWD sanken die Tiefstwerte zwischen dem Fichtelgebirge und dem Bayerischen Wald auf rund minus 20 Grad, im oberfränkischen Kronach beispielsweise auf knapp minus 21 Grad. Am kältesten war es in der Wetterstation Schorndorf-Knöbling bei Cham in der Oberpfalz mit minus 22,1 Grad, auf der Zugspitze wurden sogar minus 26 Grad gemessen.

Vergleichsweise mild war es unmittelbar an der Nord- und Ostsee mit Temperaturen zwischen minus 2 und minus 4 Grad. Auf Helgoland wurden in der Nacht minus 3 Grad gemessen. In Berlin, Köln und München bibberten die Menschen bei minus 10 Grad, in Nürnberg sogar bei knapp minus 19 Grad.

Winterwetter am Wochenende: Schnee im Osten, milde Temperaturen im Westen

Am Samstag wird in der Mitte und im Osten Deutschlands Schnee erwartet, während es im Westen und Nordwesten bei milderen Temperaturen regnen dürfte. Grund zur Freude haben die Wintersportler:In den Skigebieten unter anderem im Schwarzwald und im Harz sind bereits etliche Skipisten geöffnet.

FOTOS: Sturmflut 2017 Verwüstung und Land unter an der Ostsee
zurück Weiter Die Ostsee am Strand von Binz auf der Insel Rügen wurde von meterhohen Wellen bei der von Tief "Axel" verursachten Sturmflut beherrscht. (Foto) Foto: Stefan Sauer / picture alliance / dpa Kamera

Schäden nach Sturmflut: Strandabbrüche an der Ostsee

An der Ostseeküste werden nun die Schäden begutachtet, die Sturmtief Axel hinterlassen hat. Die gesamte Küste von Usedom bis zur Grenze nach Schleswig-Holstein werde abgeflogen, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums des Landes. Per Laserscan werde der Küstenverlauf dokumentiert. Durch einen Vergleich mit Werten früherer Messungen könnten dann Dünenrückgänge, Steiluferabbrüche und Strandabspülungen durch die Sturmflut beurteilt werden.

Am Strand von Binz und Prora in Mecklenburg-Vorpommern war die Düne streckenweise in einer Tiefe von drei bis acht Metern abgebrochen. Überschwemmungen hielten die Feuerwehren in Atem. Menschen wurden nach Angaben der Polizei durch die Wassermassen nicht verletzt. Experten rechnen allerdings mit Millionenschäden. Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie war es die stärkste Sturmflut seit 2006.

Sturmschäden schnell der Versicherung melden

Ob Betroffene Geld von ihrer Versicherung bekommen, hängt Experten zufolge nun davon ab, wodurch der Schaden konkret entstanden ist. Grundsätzlich bietet die Gebäude- oder Hausratversicherung Schutz gegen Sturm, Hagel, Feuer und Brand. Damit die Versicherung auch für Schäden durch Naturgefahren wie eine Überschwemmung aufkommt, muss die Police auch Elementarschäden absichern. Aber: "Es gibt nur wenige Versicherer in Deutschland, die ausdrücklich Versicherungen für Sturmflutschäden anbieten", erklärt eine GDV-Sprecherin in Berlin.

Flutschäden wie jetzt an der Ostseeküsten würden von einer Elementarschadenversicherung meist nicht abgedeckt. Denn die Ostsee werde vom Wind aufgepeitscht und an Land gedrückt. Anders sei dies bei Flussüberschwemmungen, die in der Regel eine Folge von Starkregen seien - in solchen Fällen zahle eine Elementarschadensversicherung. Auch Schäden durch Schneedruck, Lawinen oder einen Vulkanausbruch fallen unter die Elementarschadenversicherung. Wird ein Auto bei einer Sturmflut überflutet, zahlt meist die Teilkasko-Versicherung.

Betroffene sollten sich am besten so schnell wie möglich an ihre Versicherung wenden, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Meldung kann per Telefon oder online erfolgen. Hilfreich ist es, Fotos oder Videos von den Schäden zu machen. Die Versicherung besitzt das Recht, den Schaden zu begutachten. Daher sollten Versicherte mit ihr klären, ob und welche Sicherungsmaßnahmen sie vornehmen dürfen. Den Schaden ohne Rücksprache einfach zu beseitigen, ist nicht ratsam.

VIDEO: Sturmflut zerstört Existenzen
Video: Sat.1

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koj/news.de/dpa

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