05.01.2017, 08.42 Uhr

Wetter Januar 2017: Tief Axel aktuell, Hoch Angelika kommt: Schlimmste Ostsee-Sturmflut seit 2006 - Tief Axel bringt klirrende Kälte - Hoch Angelika im Anmarsch

Straßen überschwemmt, Autos unter Wasser, einzelne Dämme überspült: Die Sturmflut an der Ostseeküste richtet mancherorts größere Schäden an. In Süddeutschland reißen die Schneestürme nicht ab - Temperaturen bis -20 Grad Celsius werden erwartet. Alle Infos zum Wetter-Chaos lesen Sie hier im News-Ticker.

Tief Axel hat Deutschland fest im Griff. Bild: [M] dpa

Die stärkste Sturmflut an Deutschlands Ostseeküsten seit 2006 hat in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu Überschwemmungen und Schäden geführt. Am Donnerstagmorgen sanken die Pegelstände entlang der Küste aber überall wieder. Vielerorts waren Keller vollgelaufen, Autos mussten weggeschleppt werden. Menschen wurden nach Angaben der Polizei durch die Wassermassen nicht verletzt.

Von der Sturmflut betroffen waren etwa Kiel, Lübeck, Rostock, Warnemünde, Flensburg, Eckernförde, Wismar und Usedom. Auf Rügen wurden einzelne Deiche überspült. Häuser in Strandnähe liefen voll wie bei Heikendorf und Laboe (Kreis Plön) oder in Warnemünde das Restaurant "Seehund". Teils drückte die Sturmflut auch Boote auf Stege.

FOTOS: Sturmflut 2017 Verwüstung und Land unter an der Ostsee
zurück Weiter Die Ostsee am Strand von Binz auf der Insel Rügen wurde von meterhohen Wellen bei der von Tief "Axel" verursachten Sturmflut beherrscht. (Foto) Foto: Stefan Sauer / picture alliance / dpa Kamera

Nächte mit klirrender Kälte - Axel kommt als "Väterchen Frost"

Mütze, Handschuhe, Winterstiefel und möglichst extradicke Socken - ohne warme Kleidung kann ein Aufenthalt im Freien am Freitag zur Qual werden. Das Sturmtief Axel, das seit Tagen das Wetter mit sibirischer Kaltluft prägt, macht nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vorerst keine Anstalten, das Feld zu räumen.

Meteorologe Lars Kirchhübel vergleicht das Tief bereits mit "Väterchen Frost", denn vor allem Nächte mit klirrender Kälte lassen das Gefühl russischen Winters aufkommen. Arktische Polarluft lässt in der Nacht zu Samstag sogar Tiefstwerte von minus 25 Grad erwarten.

Diese Kälterekorde, so beruhigt Kirchhübel, dürften aber nur in einigen Alpentälern über dem frisch gefallenen Schnee erreicht werden. Allerdings sind die landesweit prognostizierten Tiefsttemperaturen zwischen minus 5 und minus 20 Grad in den kommenden Nächten auch alles andere als kuschelig.

Immerhin kommt am Freitag tagsüber auch schon das Hoch Angelika zu Zug. Das heißt: Es ist bis zu minus acht Grad kalt, allerdings überwiegend begleitet von viel Sonnenschein. Ausnahme sind der östliche Alpenrand und das Erzgebirge. Am Samstag wird in der Mitte und im Osten Deutschlands Schnee erwartet, während es im Westen und Nordwesten bei milderen Temperaturen regnen dürfte, hieß es. Angesichts der gefrorenen Böden drohe örtlich Glatteis.

VIDEO: So wütete Tief "Axel" in Deutschland
Video: ProSieben / taff

Schneefall und Minusgrade: Bahnverkehr läuft regelmäßig

Trotz Minusgraden, Schneefall und der Sturmflut an der Ostsee verkehrt die Bahn nach eigenen Angaben regelmäßig. Bis zum Donnerstagmorgen sei es in ganz Deutschland zu keinen nennenswerten Beeinträchtigungen gekommen, sagte ein Bahn-Sprecher. Im Straßenverkehr war es nach dem Wintereinbruch in der Nacht auf Donnerstag in fast allen Regionen des Landes zu Unfällen gekommen.

Bayerns Lawinenwarndienst erhöht Gefahrenstufe

Nach den Schneefällen der vergangenen Tage schätzt der Lawinenwarndienst Bayern die Gefahr in den Alpen höher ein. Im Vergleich zu Mittwoch galt am Donnerstag über der Waldgrenze statt "mäßiger" eine "erhebliche" Gefahr - das entspricht der dritten von fünf Warnstufen. Unterhalb der Waldgrenze hoben die Fachleute die Gefahrenstufe von eins auf zwei an. "Skitouren und Tiefschneefahrten abseits gesicherter Pisten erfordern derzeit Vorsicht und eine überlegte Routenwahl", hieß es. Angesichts von weiterem Schneefall bleibe die Lawinenlage vorerst kritisch.

Ostsee-Sturmflut trifft auch dänische Küste - Haushalte ohne Strom

Die schwere Sturmflut an der Ostseeküste hat am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag auch Teile Dänemarks getroffen. An mehreren Orten sprach die Wetterbehörde DMI angesichts des hohen Wasserstands von einem "Jahrhundertereignis". Mancherorts war der Pegel zwischenzeitlich knapp 180 Zentimeter höher als üblich. Fähren, etwa von Bornholm, Langeland und Ærø, blieben in den Häfen.

In der Nacht gingen die Pegelstände vielerorts wieder zurück. Weil die Dänen sich gut auf das Hochwasser vorbereitet hatten, hielten sich die Einsätze in Grenzen. Verletzte gab es nicht. "Wir machen uns wegen der großen Wassermassen auf den Wegen Sorgen, weil es jetzt Frostwetter gegeben hat", sagte ein Sprecher der Polizei der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. Auf der Insel Fünen waren am Donnerstagvormittag noch 180 Haushalte ohne Strom.

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Januar-Tief Axel lässt die Pegelstände an der Ostsee steigen

An der Ostsee lagen vielerorts die Pegelstände am späten Mittwochabend zwischen 150 und 170 Zentimeter höher als üblich - in Lübeck wurden sogar 1,79 Meter und in Wismar 1,83 gemessen, wie auf "Pegel Online" registriert wurde. Am frühen Donnerstagmorgen war ein Teil des Wassers wieder abgelaufen: Um 04.45 Uhr stand es nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Wismar und Flensburg noch 1,47 Meter, in Greifswald 1,41 Meter und in Kiel-Holtenau 1,42 Meter höher als normal. In Lübeck wurden 1,48 Meter höher als gewöhnlich gemessen.

Nach Sturmflut durch Tief Axel: Höhe der Wetter-Schäden noch unklar

Die Höhe der Sachschäden könne noch nicht beziffert werden, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstagmorgen. In Lübeck und Flensburg wurden zahlreiche Autos aus den Fluten gezogen. Mehrere Keller in Lübeck und Neustadt in Holstein liefen voll. In Kiel mussten mehrere Straßen für den Verkehr gesperrt werden. Zugänge zur Lübecker Altstadt waren für Fußgänger nicht mehr passierbar.

Auf der Insel Usedom verursachte die Sturmflut größere Schäden. Es wurde dort die Alarmstufe 3 ausgerufen. Zwischen Koserow und Zempin habe es Steiluferabbrüche gegeben. In Rostock entlang der Warnow waren viele Häuser in einem zwei Kilometer langen Abschnitt gefährdet. Eine Straße wurde über mehrere Kilometer wegen des Hochwassers gesperrt, in Häuser drang Wasser ein.

Wettervorhersage 5./6. Januar 2017: Tief Axel zieht weiter

Sturm und Schnee sorgten auch für zahlreiche Unfälle in Mecklenburg-Vorpommern, allein zwischen 18 und 22 Uhr wurden der Polizei 22 glättebedingte Unfälle gemeldet. Auch in Bayern und Baden-Württemberg brachten glatte Straßen Autofahrer ins Schleudern. In Oberbayern krachte es nach Polizeiangaben dreimal so häufig wie sonst.

Tief Axel sollte von Skandinavien in der Nacht quer über die Ostsee weiter nach Weißrussland ziehen. Vor allem im Osten und Süden Deutschlands kann es laut DWD aber auch am Donnerstag tagsüber noch bei kräftigen Schnee- und Graupelschauern zu Wintergewittern kommen. An den Nordrändern der Mittelgebirge sowie an den Alpen könne es lang anhaltende Schneefälle geben. Im Bergland könnten die Temperaturen über frisch gefallenem Schnee sogar auf minus 20 Grad sinken. Am Freitag sei in ganz Deutschland tagsüber "gemäßigter Frost" bis minus sieben Grad zu erwarten.

Deutscher Wetterdienst warnt vor Unwetter in Süddeutschland

Tief Axel hat am frühen Donnerstagmorgen in Süddeutschland weiterhin für stürmisches Wetter mit zum Teil viel Schnee gesorgt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte in Teilen Baden-Württembergs und Bayerns vor Unwettern.

Vor allem im Schwarzwald und im Alpenraum sei aufgrund von starkem Schneefall und Schneeverwehungen Vorsicht geboten, sagte ein DWD-Sprecher in Offenbach. Bereits am Mittwoch hatte der Wintereinbruch mit Schnee und stürmischem Wind in Süddeutschland Dutzende Verkehrsunfälle verursacht.

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rut/sam/koj/news.de/dpa

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