02.01.2017, 15.44 Uhr

Gefängnis-Revolten in Manaus, Brasilien: Killer auf der Flucht! Mindestens 50 Tote bei Knast-Aufständen

Wärter wurden als Geiseln genommen, einige Opfer sogar geköpft: In einem brasilianischen Gefängnis sind rivalisierende Häftlinge aufeinander losgegangen.

In Brasilien ist es zu einem blutigen Gefängnis-Aufstand gekommen. Bild: Mikael Damkier - Fotolia.com

Bei einer Gefängnisrevolte in Brasilien sind mehr als 50 Häftlinge getötet worden. Das teilten die Sicherheitsbehörden des Bundesstaates Amazonas am Montag mit. Mehrere Opfer seien geköpft worden, sagte Sicherheitssekretär Sérgio Fontes laut einem Bericht des Nachrichtenportals G1.

Gefängnis-Aufstand in Manaus: Wärter als Geiseln genommen

Die Meuterei in dem Gefängnis Anísio Jobím in der nordbrasilianischen Stadt Manaus brach am Sonntag aus, als rivalisierende Häftlingsgruppen aneinander gerieten - mutmaßlich ging es um die Kontrolle des Drogenhandels in der Anstalt. Zwölf Gefängniswärter und 74 Häftlinge seien zeitweise als Geiseln genommen worden. Kopflose Leichen von sechs Inhaftierten seien von Aufständischen aus dem Gebäude geworfen worden.

Dutzende Angehörige von Häftlingen versammelten sich vor der Haftanstalt, um Auskunft über inhaftierte Verwandten zu bekommen. Pressevertretern wurde der Zugang verweigert.

Zwei berüchtigte Banden sollen an dem Gewaltausbruch beteiligt gewesen sein: die Primeiro Comando da Capital (PCC/Erstes Kommando der Hauptstadt) mit Hauptsitz in São Paulo und die Familia del Norte (FDN). "Mitglieder der FDN wollten Häftlinge des PCC töten", sagte Fontes. In der Anstalt mit Kapazität für 454 Inhaftierte waren 585 Häftlinge untergebracht.

Erst nach 17 Stunden konnten die Sicherheitskräfte die Kontrolle über die Haftanstalt wiedergewinnen. Örtlichen Medienberichten zufolge flüchteten 112 Häftlinge.

Rivalisierende Gefängnisbanden nach Meuterei in Manaus getrennt

Als Reaktion sind Berichten zufolge knapp 130 Häftlinge mit Verbindungen zu einer der beteiligten Banden in eine andere Anstalt verlegt worden. Sie hätten Todesdrohungen erhalten und seien in ein Gefängnis im Zentrum der nordbrasilianischen Stadt Manaus gebracht worden, das erst im Oktober geschlossen worden sei, berichtete das Portal "O Globo". Die Meuterei in dem Gefängnis Anísio Jobím war am Sonntag ausgebrochen, als rivalisierende Häftlingsgruppen aneinander gerieten - mutmaßlich ging es um die Kontrolle des Drogenhandels in der Anstalt.

Koordinierte Angriffe in Gefängnissen in Manaus

Bei einer weiteren Meuterei in einer nur 100 Meter entfernten anderen Haftanstalt konnten 87 Gefangene flüchten. Laut "O Globo" wurden bis Montagabend 40 der insgesamt fast 200 Flüchtigen wieder eingefangen. Auch in einem dritten Gefängnis in unmittelbarer Nähe gab es einen Aufstand, diesen unterdrückten die Sicherheitskräfte allerdings rasch. Die drei Revolten waren nach Regierungsangaben koordiniert.

Brasilien hat die höchste Zahl an Gefängnisinsassen

Es handelt sicht um die höchste Opferzahl bei einer Gefängnisrevolte in Brasilien seit der Meuterei 1992 in der Haftanstalt von Carandiru in São Paulo. Dort kamen 111 Häftlinge um, als die Polizei das Gefängnis stürmte. Im Oktober 2016 wurden bei mehreren Revolten in nur einer Woche mindestens 18 Häftlinge getötet.

Die kriminellen Banden sind landesweit organisiert. Mitglieder können auch in Haft in der Regel untereinander per Handy kommunizieren. Die Polizei hält sich im Inneren der Gefängnisse aus dem Geschehen heraus. So blüht auch hinter den Mauern der Drogenhandel. Die Gewerkschaften der Haftwärter kritisieren vor allem eine völlig unzureichende Personalausstattung.

Brasilien ist eines der Länder mit der höchsten Zahl an Gefängnisinsassen. Nach Angaben des Instituts IPCR gibt es derzeit über 620.000 Häftlinge im Land.

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zij/koj/news.de/dpa

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