Obdachlose im Winter: "Ich darf mich einfach nicht aufgeben"

Kälte, Krankheit und Gleichgültigkeit machen Obdachlosen zu schaffen. Schlafplätze in den Großstädten sind knapp. Zugenommen hat auch die Zahl der jüngeren Menschen, die auf der Straße leben.

Die kalte Jahreszeit kann für Obdachlose gefährlich werden. Bild: dpa

Eine Wohnung hat er nicht, aber Kurt steht lächelnd im Weihnachtstrubel in der Mainzer Innenstadt und bietet seine Obdachlosenzeitung an. "Ich bin froh, dass ich abends meine Platte unter der Brücke aufbauen darf, dass dies vom Ordnungsamt geduldet wird", antwortet er auf die Frage nach seinem Schlafplatz.

Prekäre Lage für Obdachlose im Winter

Der 44-Jährige ist einer von schätzungsweise 335.000 Wohnungslosen in Deutschland - dazu gehören neben Bewohnern von Heimen und Unterkünften eine nicht genau bekannte Zahl von Menschen, die im Freien übernachten. Im Winter wird ihre Situation rasch prekär.

Diese Menschen seien meist ohnehin schon gesundheitlich geschwächt, erklärt Werena Rosenke von der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Wohnungslosenhilfe. Wenn dann noch eine Krankheit dazukomme, gebe es auch in einem nicht so strengen Winter die Gefahr, auf der Straße an Unterkühlung zu sterben. Seit 1991 sind nach Angaben der Organisation bundesweit mindestens 289 Obdachlose erfroren. Im vergangenen Winter waren es drei Fälle - in Berlin, Plauen (Sachsen) und Appenweier (Baden-Württemberg).

"Ich habe Angst vor dem Winter", sagt der 31 Jahre alte Ioannis aus Rumänien, der in Mainz in einer Fußgängerzone sitzt und bettelt. "Jeden Tag bin ich auf der Straße, nachts schlafe ich an einer Hauswand." Vor sich hat Ioannis eine Gehhilfe und einen Pappbecher. Am Tag sammelt er 15 bis 20 Euro, gerade genug zum Überleben. "Die Stadt hilft nicht, die Kirche hilft nicht", klagt er.

Keine Sozialleistungsansprüche für ausländische Obdachlose

Wer aus Rumänien nach Deutschland komme und keine Arbeit finde, habe keinerlei Ansprüche, sagt Beate Jagusch in der Beratungsstelle der dem katholischen Caritas-Verband angeschlossenen Pfarrer-Landvogt-Hilfe in Mainz. Niemand sei für ihre Unterstützung verantwortlich. "Das ist tragisch, dass wir Menschen wie ihm nicht viel mehr als das Aufwärmen in der Teestube anbieten können." Zur Unterkunft für den Winter hat die Evangelische Wohnungslosenhilfe in Mainz Container aufgebaut. Am ersten Tag mussten 15 Obdachlose weggeschickt werden, weil die 24 Plätze schnell vergeben waren.

Hilfe für Obdachlose ist grundsätzlich Sache der Kommunen. Diese sind im Rahmen der Gefahrenabwehr gehalten, Ersatzwohnraum zur Vermeidung oder Beseitigung von Obdachlosigkeit zur Verfügung zu stellen. "Das gilt insbesondere in der kalten Jahreszeit, in der die Kommunen durch geeignete Unterkünfte Schutz vor dem Erfrieren sicherstellen müssen", erklärt das rheinland-pfälzische Sozialministerium.

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