01.12.2016, 09.39 Uhr

Neue Details im Fall Höxter: DIESE Frau entkam nur knapp der "Höxter-Bestie"

Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen von Höxter offenbaren sich immer neue Abgründe: In ihrer Aussage schildert die Angeklagte die Vielzahl der Formen, wie Frauen gequält wurden. Am Ende sei sie selbst gewalttätiger gewesen als ihr mitangeklagter Ex-Mann. Eine junge Frau ist unterdessen an die Öffentlichkeit gegangen - und schildert, wie sie nur knapp den Menschenfängern entkam.

Wilfried W. am 16. November im Landgericht Paderborn. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-Jährigen und seiner Ex-Frau zweifachen Mord durch Unterlassen und mehrfache Körperverletzung vor. Bild: Bernd Thissen/dpa

Der Fall des Folter-Paares aus Höxter schockiert das Land: Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen von jungen Frauen durch die Angeklagten Wilfried und Angelika W. (47) offenbaren sich immer neue Abgründe. In ihrer Aussage vor dem Landgericht Paderborn schilderte Angelika B. nun die Vielzahl der Formen, wie die beiden Frauen quälten. Am Ende sei sie schließlich selbst gewalttätiger gewesen als ihr mitangeklagter Ex-Mann.

Wilfried K. in der Kontaktanzeige: "Humorvoll, groß, leidenschaftlich"

Zwei Frauen starben durch die Hand von Angelika und Wilfried W. Der "Bild"-Zeitung erzählte eine junge Frau nun, wie sie nur knapp der Lock-Masche des Folterpärchens entkam: Wilfrieds Stimme sei "warm" und gleichzeitig "dunkel" gewesen, so Nathalie K. (35), als sie das erste Mal mit ihm telefoniert habe. In den "Schaumburger Nachrichten" war sie zuvor im Oktober 2015 auf eine Anzeige des Mannes gestoßen, der sich darin als "humorvoller 40er, groß, leidenschaftlich" beschrieb, auf der Suche nach einer gleichgesinnten Dame.

Nathalie K.: "Der Griff nach der Liebe"

Nur wenige Tage später sei es zu einem ersten Treffen in Nathalie K.'s Wohnung in Locum gekommen. Wilfried sei damals in einem dunklen Anzug und mit einem Strauß Rosen erschienen. Bereits am ersten Abend seien sie miteinander "zärtlich" geworden, so K. gegenüber der "Bild"-Zeitung - es sei "der Griff nach der Liebe" gewesen, der große Mann sei so "einfühlsam" gewesen. Vier weitere Treffen folgten, sogar von Heirat soll bereits die Rede gewesen sein.

Sie soll niemandem von ihrem Umzug nach Höxter erzählen

Doch schon sechs Wochen nach der ersten Kontaktaufnahme forderte W., sie solle zu ihm nach Höxter ziehen. Seine ebenfalls dort lebende Schwester, in Wirklichkeit seine Ex-Frau und Folter-Kumpanin, wohne zwar mit im Haus, störe sich jedoch nicht an ihrer Liebe. Er habe ihr einen zukünftigen Arbeitsplatz im Haus eingerichtet. Nathalie K. fing an zu packen.

Irgendwann wurde sie stutzig: W. sagte ihr immer wieder, sie solle Bekannten und Freunden nichts von ihrem Umzug nach Höxter und ihrer neuen Partnerschaft erzählen - nur die Zukunft zähle, alte Bekanntschaften solle man zurücklassen.

Psycho-Terror durch die "Höxter-Bestie": "Ich werde bald vor deiner Haustür stehen"

Als die junge Frau anfängt, sich von ihrem Liebhaber zu distanzieren, kippt die Stimmung: Laut "Bild" starteten Wilfried W. und Angelika B. einen beispiellosen Telefon-Terror inklusive Bedrohungen, um Nathalie K. zu einem Besuch zu drängen: "Ich werde bald vor deiner Haustür stehen, und du wirst erleben, was es heißt, mich zu belügen. Da hilft dir kein Beten mehr", so Wilfried W. zu seiner angeblichen großen Liebe.

Erst als ein Bekannter der jungen Frau in Höxter anruft und mit der Polizei droht, hört der Psychoterror auf. Nathalie K. zieht um und begibt sich in eine Klinik zur psychologischen Behandlung. Das Haus in Höxter erkennt sie nur kurze Zeit später in den Nachrichten - Wilfried W. hatte ihr damals Fotos geschickt. Sie erleidet einen Schock: Um ein Haar wäre sie das nächste Opfer des Folter-Pärchens geworden. Ihre Erlebnisse sind nun Teil der Ermittlungsakte des Verfahrens, in dem es um zweifachen Mord durch Unterlassen sowie mehrfache Körperverletzung geht.

  • Seite:
  • 1
  • 2
Empfehlungen für den news.de-Leser