Marc Dutroux heute: 20 Jahre danach! Der Fall Dutroux lässt Belgien nicht los

Im Sommer 1996 findet die Polizei in Belgien zwei Mädchenleichen, die Suche nach weiteren verschwundenen Kindern beginnt. 2016 sitzt der Täter Marc Dutroux längst hinter Gittern, das Land beschäftigt er noch immer.

Marc Dutroux im Jahr 2004 vor Gericht. Bild: dpa

Fällt der Name Marc Dutroux, denkt man unweigerlich an eingesperrte, missbrauchte und ermordete Kinder. Sechs Mädchen und junge Frauen hatte der Belgier Dutroux in den 90er Jahren bei Charleroi entführt, in einem Kellerverlies vergewaltigt und getötet. Vier von ihnen starben. Vor zwanzig Jahren, am 13. August 1996, wird der Mann verhaftet. Belgien ist noch immer mit der Bewältigung des Falls beschäftigt.

Marc Dutroux hofft auf vorzeitige Entlassung

Dabei ist auch das Urteil gegen Dutroux schon mehr als ein Jahrzehnt her. 2004 bekommt der heute 59-Jährige eine lebenslange Freiheitsstrafe. Immer wieder versucht er, vorzeitig entlassen zu werden. Bislang vergeblich. Selbst seine Mutter spricht sich in einem Interview gegen eine vorzeitige Entlassung aus. Seine Komplizin und Ex-Frau ist mittlerweile frei.

Der Fall beschäftigt Belgien auch deshalb so sehr, weil es zahlreiche Justiz-Pannen gegeben hat. In den 80er Jahren sitzt Dutroux schon einmal wegen Vergewaltigung von fünf Frauen im Gefängnis. Nach drei Jahren kommt er wegen guter Führung frei - dabei hatten Experten vor dem Mann gewarnt. Sie sollten Recht behalten.

Der Fall Dutroux: Mehr als 20 Zeugen starben

Später, nach seiner Verhaftung, gelingt ihm bei einem Gerichtstermin für ein paar Stunden die Flucht. In der Verhandlung gesteht Dutroux nur, was ihm auch nachgewiesen wird. Der Journalist Piet Eekman recherchiert in der ZDF-Reportage "Die Spur der Kinderschänder", dass mehr als zwanzig Zeugen unter mysteriösen Umständen gestorben sind. Verschwörungstheorien lassen da nicht lange auf sich warten.

FOTOS: Mary-Jane, Mirco, Nina... Kinder, die grausam ermordet wurden

Die schrecklichen Gräueltaten von Dutroux

Noch immer ist nicht geklärt, ob es sich um einen Einzeltäter handelt, oder ob Dutroux gar Teil eines Netzwerkes ist. Am 13. August 1996, dem Tag seiner Verhaftung, erstarrt Belgien. Tag für Tag wurden immer grausamere Details von ihm, seiner Frau Michelle Martin und seinem Komplizen Michel Lelièvre bekannt. Im Kellerverlies seines Hauses hielt er die damals zwölfjährige Sabine Dardenne und die 14-jährige Laetitia Delhez gefangen - und missbrauchte sie. Sie konnten von der Polizei noch befreit werden.

Für die beiden achtjährigen Mädchen Melissa Russo und Julie Lejeune reichte es nicht. Sie waren im Juni 1995 entführt worden und ebenfalls im Verließ eingesperrt worden. Wie die "Welt" berichtet, wurden beide ebenfalls vergewaltigt und schwer misshandelt. Weil er wegen Autodiebstählen im Gefängnis saß, sollen die beiden Kinder verhungert sein.

Das Haus von Dutroux. Bild: dpa

Bis heute werden immer wieder neue Schauergeschichten erzählt. Anlässlich des anstehenden Jahrestags der Festnahme führt das Magazin der belgischen Tageszeitung "Le Soir" ein Interview mit dem ehemaligen Anwalt des Sexualstraftäters. Der Jurist will wissen: eine unterirdische Kolonie entführter Kinder - das sei die Idee von Dutroux gewesen.

Die dunkle Episode der jüngeren Geschichte geht in Serie

In Belgien wird die Affäre zu einer der "dunklen Episoden der jüngeren Geschichte" gezählt, wie etwa die Nachrichtenagentur Belga schreibt. Dieses "Dunkle" reizt aber nicht nur die Medien - die belgische Auseinandersetzung findet längst auch im Serienprogramm und auf der Bühne statt.

Eine gruselige Geschichte eines Sexualstraftäters, der Nachbarn in Schrecken versetzt und Ermittler an ihre Grenzen bringt, können sich die Belgier zu Hause im Fernsehen anschauen. Die Macher der von Kritikern gelobten Serie "Ennemi public" - Staatsfeind - des Senders RTBF haben sich von dem Fall Dutroux inspirieren lassen. Eine ungewöhnliche Form der Auseinandersetzung, mit der er sich nicht nur Freunde machte, fand der Schweizer Theater-Regisseur Milo Rau. Er inszenierte die Geschichte von Dutroux im Mai für ein Festival in Brüssel - seine Schauspieler: bis auf einen Erwachsenen ausschließlich Kinder.

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