Nach der Bluttat von München: Können Amokläufe verhindert werden?

Nach den Amokläufen in München und Japan sind noch viele Fragen offen. Wie konnte es zu der Gewalttat kommen? Was bringt einen Menschen dazu, Amok zu laufen? Und kann man Tragödien wie in München verhindern? Ein Einblick.

Blumen und Kerzen an der der U-Bahn Station des Olympia-Einkaufszentrums (OEZ) in München. Am 22. Juli hatte der 18-jährige Ali David S. in und um das Einkaufszentrum 9 Menschen und dann sich selbst getötet. Bild: dpa

Columbine, Erfurt, Winnenden, Utøya, Newtown, München, Japan. Amokläufe erschüttern immer wieder unsere Gesellschaft und ereignen sich dabei so überraschend wie kaum eine andere Tragödie. Die Fragen sind dadurch im Nachhinein oftmals die selben: Wie konnte es dazu kommen? Was bringt einen Menschen dazu, Amok zu laufen? Wie können solcherlei Schreckensszenarien zukünftig verhindert werden und ist ein Vorbeugen überhaupt möglich?

München, Erfurt, Columbine: Definiere "Amok"

Dabei sollte man wahrscheinlich zunächst von einer Definition des Wortes "Amok" ausgehen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht man darunter eine "willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblichen (fremd-)zerstörerischen Verhaltens", wobei die Gewalttat mehrere Menschen gefährden, das heißt verletzen oder gar töten muss, wie es die Webseite "psychosoziale-gesundheit.net" formuliert.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) veröffentlicht zum Stichwort "Amoklauf" folgende Definition: "Das Wort 'Amok' kommt aus der malaiischen Sprache und bedeutet wütend oder rasend. Bevor es in einem Amoklauf zur Katastrophe kommt, haben sich nach Einschätzung von Experten Angst, Demütigung, Eifersucht oder Scham oft lange aufgestaut. Häufig handeln die Täter aus Rache und töten wahllos. Oft suchen sie dafür einen Ort aus, den sie mit der Verletzung ihrer Psyche in Verbindung bringen. Beispiele sind Amokläufe in Gerichts- oder Schulgebäuden."

FOTOS: Öffentliche Blutbäder Die grauenvollsten Amokläufe

Nach der Definition: Lassen sich Amokläufe verhindern?

Wie die Forensikerin Monika Egli-Alge gegenüber "blick.ch" betont, sind die konkreten Motive für einen Amoklauf "immer sehr individuell". Dennoch lassen sich mit Blick auf die eingangs genannten Beispiele Gemeinsamkeiten erkennen. So sollen sowohl im Falle des Columbine-Massakers, bei Erfurt und Winnenden schulische Probleme und die soziale Isolation der Täter als mögliche Demütigung im Alltag eine wichtige Rolle gespielt haben.

Das Problem an dieser Stelle, das auch die dpa im weiteren Verlauf ihrer Definition nennt: "Nach Erkenntnissen von Polizeipsychologen lebten sie vor der Tat in der Regel eher unauffällig, zeigten ihre Gefühle kaum." Und auch Egli-Alge gibt zu: "Die Voraussagequalität ist bei Amokläufen äußerst niedrig. Denn wenn jemand nicht will, dass man von seinen Plänen erfährt, erzählt er nichts. Und wenn jemand nichts sagt, haben Eltern, Lehrer, Freunde, aber auch Psychiater keine Chance."

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