Von news.de-Volontär Dominik Liebsch - 02.07.2016, 08.00 Uhr

Serienkiller-Porträt - Marc Dutroux: Ein Kinderschänder wird zum Trauma einer ganzen Nation

Ihre Taten sind abscheulich und doch faszinieren sie die Menschen seit jeher: Serienkiller. News.de stellt in regelmäßigen Abständen einige der furchtbarsten Mörder der Kriminalgeschichte und ihre finsteren seelischen Abgründe in kurzen Porträts vor. Dieses Mal: Marc Dutroux. Der Killer und Sexualstraftäter ist eine der furchterregendsten Figuren des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Doch viele glauben, dass seine Taten durch die Verhinderung von Justiz und Politik nie vollends aufgeklärt wurden.

Er stürzte Belgien in ein Trauma, das das Land bis heute nicht überwunden hat: Marc Dutroux, hier auf einem Polizeifoto vom August 1996 nach seiner letzten Verhaftung. Bild: dpa

Marc Dutroux wird 1956 in der Nähe von Brüssel geboren. Nachdem sich sein gewalttätiger Vater von seiner Frau scheiden lässt und auszieht, übernimmt der junge Marc fortan die Rolle des Tyrannen im Haus. Mit 16 verlässt er die Familie und schlägt sich allein durchs Leben. Er macht eine Ausbildung zum Elektriker, 1976 heiratet er, doch aufgrund seines gewalttätigen Verhaltens lässt sich das Paar 1983 wieder scheiden.

Zu diesem Zeitpunkt hat Dutroux bereits eine Affäre mit der 21-jährigen Grundschullehrerin Michelle Martin. Obwohl die beiden zusammen drei Kinder bekommen, leben der unberechenbare Marc und die instabile Michelle von Anfang an eine selbstzerstörerische und von einseitiger Abhängigkeit geprägte Partnerschaft. "Dutroux wurde mein Gott", wird Martin später vor dem Untersuchungsrichter sagen.

Erste Entführungswelle und Verhaftung in den 1980er-Jahren

In den 1980er Jahren wohnt Dutroux zeitweise in seinem Lieferwagen, fährt quer durch Belgien, begeht Raubüberfälle und stiehlt Autos. 1986 werden er und Martin wegen der Entführung und des Missbrauchs von fünf jungen Frauen im Alter zwischen 12 und 19 verhaftet: Dutroux wird zu 13,5 Jahren Gefängnis verurteilt, Martin zu fünf. Hinter Gittern heiraten die beiden. 1992 wird Dutroux aufgrund guter Führung begnadigt und entlassen, Martin ist ein Jahr vor ihrem Ehemann wieder in Freiheit.

Nach ihrer Entlassung bescheinigt ein Psychiater dem Ehepaar durch die Haft entstandene schwere seelische Traumata. Fortan erhält Dutroux aufgrund seiner angeblichen Erwerbsunfähigkeit eine staatliche Rente in Höhe von umgerechnet 2.000 Euro pro Monat. Ferner erhält er Rezepte für das Schlafmittel Rohypnol. Mit diesem wird er später seine Opfer betäuben.

Verschleppt, versteckt, vergewaltigt

Dutroux beginnt, den Keller seines Hauses in Marcinelle, Charleroi, auszubauen und schafft ein verstecktes Verlies. Hier hält er die beiden achtjährigen Mädchen Melissa Russo und Julie Lejeune, die er am 24. Juni 1995 entführt und in seinem Lieferwagen verschleppt, auf engstem Raum und abgeschirmt von der Öffentlichkeit gefangen.

Für die Anfertigung von kinderpornographischem Material, mit dem Dutroux noch mehr Geld verdienen will, werden sie immer wieder sexuell missbraucht. Bereits am 22. August entführt er zwei weitere Mädchen, Eefje Lambrecks (19) und An Marchal (17). Da das Verlies bereits belegt ist, hält er die beiden jungen Frauen im ersten Stock seines Hauses gefangen.

Schwere Ermittlungsfehler: Zweite Verhaftung 1995 - wegen eines Autodiebstahls

Am 6. Dezember drohen Dutrouxs finstere Machenschaften aufzufliegen, als er wegen eines Autodiebstahls verhaftet wird und erneut ins Gefängnis muss. Polizeibeamte durchsuchen sein Haus und hören Kinderstimmen, nehmen jedoch an, dass diese von der Straße kommen.

Zu diesem Zeitpunkt liegt den Behörden bereits seit vier Monaten ein Bericht eines früheren

Komplizen Dutrouxs vor, der behauptet, dieser habe ihm Geld für die Entführung von Mädchen geboten und baue darüber hinaus Zellen in einem seiner Häuser. Doch die Beamten gehen dieser Sache nicht weiter nach: Sie führen eine Hausdurchsuchung durch, während die Mädchen in dem Kellerverlies vor sich hin vegetieren. Eefje und An aus dem ersten Stock sind da bereits tot, vergiftet und vergraben.

Während seines Gefängnisaufenthaltes soll sich Michelle um die beiden Kinder im Verlies kümmern, doch sie lässt sie verhungern. Sie habe sich vor den Mädchen gefürchtet, wird sie später vor Gericht sagen. Als Marc am 20. März 1996 wieder aus dem Gefängnis kommt, ist eines der beiden bereits tot, das andere soll nach seiner Aussage in seinen Armen gestorben sein.

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