Von news.de-Volontär Eric Mittmann - 07.06.2016, 08.01 Uhr

Aras Bacho: Wie ein Flüchtlingsjunge die Flüchtlingskrise sieht

Er lebt seit fünf Jahren in Deutschland, ist engagierter Blogger und setzt sich für Flüchtlinge ein: Aras Bacho verließ als 13-Jähriger seine Familie in Syrien, um ein besseres Leben zu beginnen. Von der deutschen Gesellschaft erwartet er mehr Engagement bei der Integration.

Er lebt seit fünf Jahren in Deutschland und will sich nun auch für Flüchtlinge einsetzen: der 18-jährige Aras Bacho. Bild: Aras Bacho

"Frau Petry hat zwar studiert, aber sie scheint mir ungebildet", meint Aras Bacho, als er nach einer kurzen Kennenlernphase bereits auf aktuelle Themen zu sprechen kommt. Parteien wie die AfD hetzen gegen Flüchtlinge, die Täter der Kölner Silvesternacht waren ungebildet und Merkel verkauft sich an die Türkei. Es sind harte Worte, die Aras für die Entwicklungen in Europa findet und die mitunter von dem Ablenken, worüber er eigentlich sprechen möchte.

Denn ursprünglich ging es Aras darum zu erklären, wie gut sich Flüchtlinge in die Gesellschaft integrieren. Er selbst bildet dabei eigentlich bereits ein ausreichend gutes Beispiel, lebt seit fünf Jahren in Deutschland, geht zur Schule und will in den Sommerferien in einer Asylunterkunft arbeiten, um Deutsch zu unterrichten.

Aras Bacho: Für eine sichere Zukunft floh er nach Europa

Als Aras 13 war, verließen er und seine heute 30-jährige Schwester ihr Elternhaus im syrischen Merkebe, um eine sichere Zukunft in Europa zu finden. Aufgrund des Bürgerkrieges hat er heute nur "manchmal Kontakt" zu seiner Familie, wie er selbst sagt. "Es herrscht dort aber glücklicherweise noch kein Krieg."

Um auf die Lage seiner Freunde und Landsleute aufmerksam zu machen, sucht Aras stets den Kontakt zu Nachrichtenagenturen und Medienhäusern. Seine Fotos wurden bereits auf der Seite der "Huffington Post" gezeigt, seine Geschichte auf "euronews.com" veröffentlicht. Er selbst besitzt einen Blog, auf dem er regelmäßig über aktuelle Themen spricht und Bilder präsentiert.

Seit fünf Jahren in Deutschland: Wie ein Flüchtling die Flüchtlingskrise sieht

Spricht man ihn auf die Flüchtlingsthematik an, zeigt sich Aras leidenschaftliche, aber auch desillusionierte Seite. "Den Älteren fällt es schwer, sich zu integrieren. Ihr Alter macht ihnen Probleme. Bei den Jüngeren klappt das besser. Sie besuchen Selbstlernzentren, gehen zur Schule und suchen sich Arbeit", fasst er seine Eindrücke zusammen. "Dabei geht es vor allem darum, dass sie schnell Deutsch lernen, schließlich müssen sie später im Beruf auch wissen, was ihr Chef von ihnen will."

Zwar müsse dies so früh wie möglich geschehen, dennoch ist er sich bewusst, dass es keine schnelle Lösung des Problems gibt. "Integration braucht Zeit und Geduld und erfordert Engagement von der gesamten Gesellschaft. Dabei sollte man beachten, dass jeder einmal Fehler macht. Die Menschen, die hier herkommen sind verzweifelt und suchen Sicherheit. Man kann ihnen das nicht verbieten. Man kann nur versuchen, mit ihnen zu arbeiten."

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mie/zij/news.de

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