Nach Skandal in Arnsdorf: Vorgehen vermeintlicher Bürgerwehr gegen Flüchtling scharf verurteilt

Weil er in einem Supermarkt Mitarbeiter belästigt haben soll, wird ein psychisch kranker Flüchtling von Bürgern überwältigt und gefesselt. Ist es eine Festnahme oder eine brutale Misshandlung?

Angeblich fühlte sich die Verkäuferin von dem Flüchtling bedroht. Bild: news.de Screenshot YouTube/Wow Cool

Ein im Internet verbreitetes Video von der brutalen Festnahme eines psychisch kranken Flüchtlings durch Bürger in einem Supermarkt in Ostsachsen sorgt für Empörung. Vier Anwohner hatten den Mann überwältigt, mit Kabelbindern gefesselt und an einen Baum gebunden, nachdem dieser Zeugenaussagen zufolge Mitarbeiter belästigt und bedroht hatte. In Medien und sozialen Netzwerken war von einer Bürgerwehr die Rede, dies bestätigte sich jedoch nicht. Die Polizei rechtfertigte die Festnahme teilweise. "Durch die Erregtheit des Asylbewerbers war das Festhalten sinnvoll, ich tu mich schwer zu sagen, notwendig", sagte der Görlitzer Polizeipräsident Conny Stiehl.

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Matthias Höhn, sprach hingegen von Lynchjustiz; der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, von rechter Gewalt und Rassismus.

Unter den Männern der "Bürgerwehr" war auch ein CDU-Politiker

Unter den vier Männern war der Arnsdorfer CDU-Gemeinderat Detlef Oelsner. Er verteidigte das Vorgehen. Zusammen mit drei Bekannten sei er eingeschritten, weil der Iraker immer wieder Mitarbeiter des benachbarten Supermarktes bedroht habe. Da der 21-Jährige um sich geschlagen und getreten habe, hätten sie ihn gefesselt und schließlich auf dem Parkplatz an einen Baum gebunden, um auf die Polizei zu warten.

Arnsdorfs Bürgermeisterin bezieht Stellung

Gegenüber dem "Focus" sagte die Arnsdorfer Bürgermeisterin Martina Angermann, Oelsner habe bei "Flüchtlingsthemen schon öfter [eine] andere Meinung als der Großteil des Gemeinderats" gehabt. Das Video beurteilt sie wie folgt: "Bei so viel Gewaltbereitschaft findet man erstmal keine Worte. Wenn man sich gesammelt hat, verurteilt man das. Vor allem, weil man sieht, dass dieser ausländische Patient einer psychiatrischen Klinik in diesem Discounter nichts gemacht hat. Er hat nichts gestohlen." Und urteilt: "Eine Bedrohung kann ich auf diesen Aufnahmen nicht erkennen. Es schaut für mich eher nach Verständigungsproblemen aus. Das, was die Männer anschließend aber gemacht haben, ist Selbstjustiz."

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