Tschernobyl: 30 Jahre nach dem Super-GAU! So groß ist die Atom-Gefahr in Deutschland

Die Katastrophe ereignete sich vor drei Jahrzehnten - und wirkt doch bis heute nach. Der Super-GAU von Tschernobyl veränderte die Welt. Einige der ältesten und baufälligsten Reaktoren befinden sich in Deutschland. Wie hoch ist die atomare Gefahr tatsächlich?

Menschen leben in der Sperrzone um das Atomkraftwerk Tschernobyl nicht - wohl aber eine Vielfalt auch seltener Tiere und Pflanzen. Auf einige Vögel scheint die Strahlung gar positiv zu wirken, berichten Forscher. Bild: Sergey Dolzhenko/dpa

Die Ukraine hat am 26. April mit Kranzniederlegungen, Konzerten und Ausstellungen der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 30 Jahren gedacht. Präsident Petro Poroschenko wurde zu einer Trauerstunde an der Ruine des havarierten Atomkraftwerks erwartet. Auch in Russland und Weißrussland wurde der Katastrophe gedacht. Die Reaktorexplosion vom 26. April 1986 hatte den bislang heftigsten Atomunfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie ausgelöst. Experten schätzen, dass Zehntausende Menschen an den Spätfolgen des Super-GAUs gestorben sind.

30. Jahrestag in Tschernobyl: Atomkraftwerke gefährden noch immer Mensch, Natur und Umwelt

Die Deutsche Umwelthilfe mahnt: Baufällige Risikoreaktoren in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Belgien sind eine Gefahr für Europa und müssen sofort abgeschaltet werden Am 26. April 1986 explodierte der Reaktor in Block 4 des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl nahe der Landesgrenze zu Weißrussland. Es kam zum Super-GAU. Gewaltige Mengen radioaktiver Strahlung wurden freigesetzt, die tausende Menschen das Leben kosteten und ganze Landstriche auf Jahrhunderte verseuchten.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt angesichts des Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe vor den Gefahren, die noch immer von zahlreichen baufälligen und unsicheren Atomkraftwerken in Deutschland und im angrenzenden Ausland ausgehen. Sie fordert einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie in der Schweiz und in Frankreich, verbindliche Mindestanforderungen an AKW in Europa und die sofortige Abschaltung der gefährlichsten Meiler. "Tschernobyl hat bewiesen, dass die nukleare Technik nicht beherrschbar ist.

Dennoch war 25 Jahre später eine weitere nukleare Katastrophe in Japan nötig bis auch die deutsche Bundesregierung endlich erkannte, dass der Ausstieg aus der Kernenergie unvermeidbar ist. Die nukleare Gefahr macht aber nicht an der Grenze halt.

In Deutschland stehen älteste und baufälligste Reaktoren Europas

Im Südwesten Deutschlands stehen einige der ältesten und baufälligsten Reaktoren Europas. Wie die jüngsten Vorfälle in Philippsburg und Biblis gezeigt haben, werden immer wieder Sicherheitsvorschriften missachtet. Die sich daraus ergebende Kombination von veralteter Technik und menschlichem Versagen wird nicht nur für Deutschland eine Gefahr, sondern auch für europäische Nachbarländer. Besonders die Schweiz und Frankreich wären von einer deutschen Reaktorkatastrophe betroffen. Umgekehrt verhält es sich genauso: Anfang 2016 ist das direkt an der deutsch-schweizerischen Grenze liegende Atomkraftwerk Leibstadt wegen unzureichender Wartung eines der Notstands-Kühlsysteme ausgefallen.

Wie in Tschernobyl: Nuklearkatastrophen machen nicht an Grenzen halt

Das 47 Jahre alte AKW in Beznau ist das älteste kommerziell betriebene Atomkraftwerk Europas. Sein Reaktordruckbehälter weist erhebliche altersbedingte Mängel auf. Obwohl das Kraftwerk bereits vor 17 Jahren abgeschaltet werden sollte, läuft es noch immer. Auch das im elsässischen Fessenheim stehende AKW sollte aufgrund gravierender Sicherheitsmängel schon vor einigen Jahren stillgelegt werden. Das Kraftwerk liegt zudem im Rheingraben und ist hochwasser- und erdbebengefährdet. Letzte Woche wurde bekannt, dass die Druckbehälter der belgischen Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 Risse aufweisen. Bezüglich des AKW Philippsburg 2, das seit 1985 in Betrieb ist und zu den ältesten der noch am Netz befindlichen Reaktoren gehört, wurde ebenfalls letzte Woche bekannt, dass Sicherheitsprüfungen vorgetäuscht wurden.

"Die gefährlichsten und ältesten Meiler müssen sofort abgeschaltet werden"

"Die Liste der Skandalreaktoren in Europa macht deutlich: Die Zeit der Kernenergie ist vorbei. Wer das, dreißig Jahre nach dem tragischen Unglück in Tschernobyl, nicht erkannt hat, verleugnet die Gefahr. Das von veralteten Kraftwerken ausgehende Risiko ist real und nicht zu rechtfertigen. Deshalb brauchen wir verbindliche AKW-Mindestanforderungen in Europa im Rahmen des Euratom-Vertrags, der dringend überarbeitet werden muss. Die gefährlichsten und ältesten Meiler müssen sofort abgeschaltet werden", so Müller-Kraenner.

FOTOS: Tschernobyl 30 Jahre Strahlenhölle

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sba/sam/news.de/dpa

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3 Kommentare
  • Babett

    27.04.2016 09:46

    Kom: John hat recht. Die AKW`s unter die Erde zu bauen bedeutet die höchste Sicherheit darstellen. Maximal würde 20 oder 30 Opfer zu beklagen sein, denn bei einer Schmelze könnte man den Reaktor fluten. Der Umstieg auf die Kohleverstromung war ein Verbrechen an das Volk. Die Grünen sind eine kriminelle Vereinigung und schaden der Wirtschaft und dem Deutschen Volk.

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  • RAGNAROEKR

    27.04.2016 09:28

    Die Strahlguttechnologie hat in Deutschland zu meinem Ärger keine Chance mehr. Denn das ist eine politische Schande, die auf den ökologisch-kapitalistischen Komplex zurückgeführt werden muss. Ökologen und andere Stussredner mit ihren zweifelhaften Energiekonzepten sind für das Desaster verantwortlich. Was ist das wieder für ein Blödsinn, Baufälligkeit von Reaktoren zu beklagen, aber so tun, als könne man sie abschalten. Wer hat denn gesagt, dass ein fünfzig Jahre alter Reaktor sicher sei? Minderwertige Denke ist der Standard der grünen Politik. Die Grünen sind alt und unsicher. Abschalten!

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  • John

    27.04.2016 09:18

    Was denken Sie über die AKW's in Deutschland? Reine Hysterie, denn unsere AKW´s wurden ständig nachgerüstet und sind immer auf dem neuesten Stand der Technik und Sicherheit. Die alternative Energie ist Wetterabhängig und sehr anfällig. Der Umstieg auf die Kohleverstromung war ein Verbrechen an die Umwelt. Bereits vor 40 Jahren habe ich der Umweltbehörde geschrieben, die AKW`s 150 m in die Tiefe zu bauen, was technisch lein Problem darstellt aber die höchste Sicherheit erreicht. Sei es Terrorangriffe, Flugkörperabstürze etc. Doch alles wurde verworfen, denn ich bin ja nur ein FH-Techniker.

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