Skandal in München: Erstaufnahme-Mitarbeiter erpressten Flüchtlinge

In München hat sich in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ein Tiefpunkt der Menschlichkeit offenbart: Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma haben offenbar über Monate hinweg Geld von ankommenden Menschen erpresst und entsprechende Beweise vernichtet. Die Taten wurden jetzt durch Anzeigen der Betroffenen und verdeckte Ermittler offengelegt.

Flüchtlinge am 10. Oktober 2014 in München in der Kantine der Erstaufnahme für Asylbewerber auf dem Gelände der Bayernkaserne. Bild: dpa

Security-Mitarbeiter einer Erstaufnahmeeinrichtung in München sollen über Monate hinweg ankommende Flüchtlinge erpresst haben. Das berichtet das Onlineportal der Tageszeitung "Österreich", "oe24.at", unter Berufung auf Polizeiangaben.

Eine Polizeisprecherin hatte mitgeteilt: "Da haben sich mehrere Betroffene gemeldet und angegeben, dass sie bedroht wurden: Wenn sie nicht das Geld, das über 750 Euro hinausgeht, herausgeben, dann stehe ihnen die Abschiebung bevor." Damit bestätigten die Behörden einen entsprechenden Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR). Asylbewerber dürfen in Bayern maximal 750 Euro behalten, alles darüber hinaus wird seitens der Behörden einbehalten und mit Unterkunft und Verpflegung verrechnet.

Durchsuchung in München und Ermittlungen gegen mindestens 3 Mitarbeiter

Weiterhin sagte die Sprecherin, es werde nun wegen Erpressung gegen drei Mitarbeiter der betreffenden Sicherheitsfirma ermittelt und geprüft, wohin das ganze Geld geflossen sei. Nach Informationen des BR könnte sich diese Zahl jedoch noch erhöhen. Am Mittwoch, den 20. April, habe es eine Durchsuchung der betroffenen Einrichtung gegeben.

Laut BR, der sich auf Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft stützt, liegen nun Anzeigen von mindestens sechs Flüchtlingen vor, aus denen hervorgeht, dass bei der Deklarierung durch Mitarbeiter der Münchner Einrichtung Beträge in Höhe von mehreren hundert Euro verlangt worden sind. Seien die betroffenen Menschen bereit gewesen, das Geld abzugeben, so hätten sich die Mitarbeiter bereit erklärt, die höheren Beträge schriftlich nicht festzuhalten und diese an sich zu nehmen.

Systematische Erpressung in Erstaufnahme durch verdeckte Ermittler belegt

Verdeckte Ermittlungen hätten die Vorfälle inzwischen belegt. In Einzelfällen sei es sogar dazu gekommen, dass Mitarbeiter die Aufnahme von erpressten Flüchtlingen in den Ankunftslisten getilgt hätten um die Taten zu verschleiern.

FOTOS: 2015 - Das Jahr der Flüchtlinge Die Flüchtlingskrise in Bildern

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lid/saw/news.de

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