"Ich habe mich gefühlt wie eine Sklavin": Wie Au-pairs in Deutschland ausgebeutet werden

Das Modell klingt verlockend. Sie kümmern sich um den Haushalt und lernen nebenbei noch Land und Leute kennen. Meist ist das Jahr als Au-Pairs in Deutschland eine tolle Erfahrung - doch es gibt auch andere Fälle.

Eine junge Nepalesin erzählt von ihrer Au-pair-Erfahrung in Deutschland. Bild: Screenshot ARD

Am Montagabend zeigte die ARD in ihrer Reportage "Billigkraft statt Babysitter – Au-pairs in Deutschland" fünf junge Frauen für die ihre Zeit in Deutschland alles andere als berauschend begann. Dabei begleiteten sie die Au-pair-Helferinnen Susanne Flegel und Marita Grammatopoulus, die sich mit ihren Agenturen um Mädchen in Not kümmern und oft die einzigen Ansprechpartnerinnen sind.

Au-pairs in Deutschland: "Ich habe mich gefühlt wie eine Sklavin"

Jedes Jahr reisen Schätzungen zufolge 8.300 Au-pairs nach Deutschland. Sie sollen im Haushalt helfen, die Kinder betreuen, aber noch genügend Zeit haben Freunde zu finden und die Kultur des Landes kennenzulernen. Die Vermittlung läuft häufig über das Internet und privaten Initiativen. Arbeitsverträge werden von der Bundesagentur für Arbeit geprüft – doch ob sie eingehalten werden, ist eine andere Sache. Das ARD-Team zeigt Jugendliche, die Non-Stop ackern. Und das ohne Bezahlung oder staatlicher Kontrolle. Ashika aus Nepal erzählt den beiden Helferinnen von ihrem Leiden in der Gastfamile: "Ich habe mich gefühlt wie eine Sklavin". Ihre Gastmutter hat sie angeschrien, bespuckt und als "Dreck" bezeichnet.

Au-pair-Mädchen aus Nepal arbeitete oft zwölf Stunden am Tag

Auch die Chinesin Sudha hatte kein Glück mit ihrer Gastfamilie. Sie erzählte den Reportern, dass ihr Gastvater sie umarmt habe, versucht sie zu küssen und ihr unters Kleid gefasst habe. "Ich hasse ihn und ich hasse meine Gastmutter, die mir nicht glauben wollte", so die 20-Jährige. Die 21-Jährige Elisha aus Nepal dokumentiert mit einer Kamera ihren Alltag. Sie putzt, kocht, passt auf die Kinder auf und das oft zwölf Stunden am Tag oder länger. Als ihre Gasteltern in den Urlaub fuhren, ließen sie die Nepalesin alleine in der niedersächsischen Provinz zurück. Irgendwann musste sie auch die Ferienhäuser der Familie putzen - ohne Bezahlung.

Die Doku zeigt die Schattenseiten als Au-pair. Das heißt aber noch nicht, dass die Ausbeutung in Deutschland Gang und Gebe ist. Und auch die Doku endet zumindest versöhnlich. Alle Mädchen, die das ARD-Team porträtierte haben entweder neue Gastfamilien gefunden oder sind wieder zu Hause. Im Fall der 20-Jährigen Sudha ermittelt inzwischen die Polizei.

Auch interessant: Wieso musste das sexy Au-Pair-Mädchen sterben?

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jko/sba/news.de

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