8 Jahre Haft: Vater schüttelte sein Baby halbtot

Es ist eine Tat, die sogar den vorsitzenden Strafrichter erschütterte: Ein Vater reißt nachts sein kleines Kind aus dem Schlaf und schüttelt es halbtot - offenbar grundlos. Die Reaktion des Gerichts: Acht Jahre Haft für den Vater und eine Hilfsaktion für das Kind.

Der Vater war offenbar betrunken und frustriert. Bild: Fotolia/michaklootwijk

Er war angeblich betrunken und frustriert. Ein 27-jähriger Vater holt eines nachts seinen drei Monate alten Sohn aus dem Kinderbett und schüttelt ihn fast zu Tode. Das Baby überlebt, ist aber seither schwerstbehindert. Der Fall, mit dem sich nun das Hamburger Landgericht auseinandersetzte, sorgte bei dem vorsitzenden Richter, Ulrich Weißmann, für tiefe Betroffenheit - die er auch bei der Urteilsverkündung am Donnerstag zum Ausdruck brachte.

"Als ich das erste Mal von dem Fall hörte, musste ich an das Lied der Sängerin Bettina Wegner denken, 'Sind so kleine Hände'." Und er fährt fort: "Sind so kleine Köpfe, darf man niemals schütteln." Bereits ein kleines Schütteln schädige nach Auskunft der im Prozess gehörten Gutachter das Kind. Das dürften Eltern nie vergessen.

Vater schüttelt Baby fast zu Tode: "Die Knochen seien wie aus dem Körper herausgefallen"

Was genau in der Nacht zum 29. April in der Wohnung in Hamburg-Finkenwerder geschah, konnte das Gericht nicht klären. Fest steht: Die verlobten Eltern waren am Vortag nicht zur Arbeit gegangen. Stattdessen hatten sie stundenlang am Computer und mit dem Handy gespielt, viel Alkoholisches getrunken und seien schließlich in Streit geraten. Das Baby schlief dabei dennoch ein.

Nachts ging der Vater nach eigener Aussage in das Kinderzimmer, hob den Säugling aus dem Bettchen und schlug ihm ein bis drei Mal mit dem Handballen gegen den Hinterkopf. Ob er es dabei oder später auch heftig schüttelte, blieb während der Verhandlung offen. Nach Angaben einer Gutachterin muss das Kind jedoch fünf bis zehn Sekunden lang bis zu 30 Mal hin- und hergeschüttelt worden sein. Der Kopf müsse dabei "peitschenartig" vor- und zurückgeschnellt sein.

Zum Zustand des Kindes am Morgen danach zitiert Weißmann den Angeklagten: "Die Knochen seien wie aus dem Körper herausgefallen gewesen und das Kind sei wie ein Kartoffelsack zusammengefallen." Der Vater weckte die Mutter und alarmierte die Rettungskräfte. Nach telefonischer Anweisung der Retter reanimierten die Eltern das Baby.

Sieben Operationen: Es wird nie wieder gesund werden

Nach sieben Operationen liegt das Kind inzwischen auf einer Palliativstation. Es ist blind und taub, kann nicht schlucken, hat an Armen und Beinen spastische Lähmungen. Nach Auskunft der Ärzte wird es nie wieder gesund werden. Seine Lebenserwartung beträgt maximal zehn Jahre.

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2 Kommentare
  • kanitvastan

    16.04.2016 14:42

    das ist doch kein leben mehr, auch wenn es nur max. 10 jahre sind. jedem tier gibt man seine erlösung, aber solchen fällen, falsch verstande ethik und mitgefühl muß auf der strecke bleiben. alles unter dem deckmantel menschlichkeit, für mich - eh nur ein weiteres versuchskanickel.

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  • Vany

    15.04.2016 15:21

    Was sind schon 8 Jahre für ein ganzes Leben,dessen Zukunft und die qualen die das Baby erleiden musste und das Kind erleiden wird.Da zeigt sich doch wieder, dass es ganz klar nicht jedem erlaubt werden sollte Kinder in die Welt zu setzen und auch zu erziehen.Einfach nur grausam.da fehlen weitere Worte.Zudem wird der Kleine auch fürchterlich geschrien haben.(Mutter von zwei Kindern.4Jahre & 7 Monate)

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