Von news.de-Redakteurin Juliane Ziegengeist - 13.04.2016, 13.00 Uhr

Jan Böhmermann: "Einen Tick zu hart": So windet sich das ZDF im Fall Böhmermann

Das ZDF hat sich nach Böhmermanns Erdogan-Kritik selbst zensiert und dafür viel Kritik einstecken müssen. Mit seiner diffusen Haltung tut sich der Sender keinen Gefallen - und setzt seine Skandalgeschichte in diesem Jahr fort.

Steht mittlerweile unter Polizeischutz: Jan Böhmermann. Bild: Britta Pedersen/dpa

Die Causa Jan Böhmermann beschäftigt derzeit ganz Deutschland. Für ihn, seinen Sender und Kanzlerin Angela Merkel ist sie längst zum mittelschweren Desaster geworden. Während Böhmermann selbst - sicherheitshalber - schweigt, ist der Rest um Schadensbegrenzung bemüht. So sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut der dpa zwar, er stehe "zu den Satire-Sendungen, zu den Moderatoren und zu Herrn Böhmermann auch". Zugleich distanzierte sich der Senderchef von dessen Aussagen.

ZDF-Intendant Thomas Bellut: Jan Böhmermann ist zu weit gegangen

"Sie entsprach nicht den Vorstellungen, die wir vom Programm haben. Ich fand es einen Tick zu hart, einen Tick zu weit gegangen", beurteilt Bellut Böhmermanns Schmähkritik über den türkischen Machthaber Erdogan. Der Sender hatte sich nach Ausstrahlung des Beitrages, der zahlreiche Formulierungen unter der Gürtellinie enthielt, gegen eine Wiederholung im TV-Programm entschieden und die betreffende Passage der Sendung auch aus der ZDF-Mediathek entfernt.

Löschung der Böhmermann-Kritik kein Resultat öffentlichen Drucks

"Die Parodie im 'Neo Magazin Royale' vom 31. März zum Umgang des türkischen Ministerpräsidenten mit Satire entspricht nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt", erklärte der Sender damals dazu. Dass diese Entscheidung auf den Druck von außen erfolgt sei, weist Bellut zurück: "Das war reine Meinung des Programmdirektors, das war seine Auffassung, dass wir es aus der Mediathek genommen haben", sagt er gegenüber der dpa.

VIDEO: Erdogan vs. Böhmermann
Video: ProSieben

Nach der Sendung habe es rund 2.000 Mails oder Anrufe mit Beschwerden gegeben, weiß der ZDF-Intendant. "So bin ich auch erst auf die Sendung aufmerksam geworden", gibt er zu. Zugleich beschwichtigt Bellut: "Ich plädiere dafür, dass ein kleiner Teil dieser längeren Satire-Sendung nicht so hoch gehoben wird. Am Ende bleibt es eine Sendung, über die man so oder so urteilen kann." Bei den aktuellen Ermittlungen vertraue er voll und ganz auf den deutschen Rechtsstaat.

Lesen Sie hier:Das sagen Politiker und Promis zur Staatsaffäre.

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