Von news.de-Volontär Eric Mittmann - 13.04.2016, 13.34 Uhr

Interview mit Baroness' John Dyer Baizley: "Ich sage dir, wen ich nicht wähle"

Während in den USA noch immer der Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur läuft, gingen die Sludge-Rocker von Baroness einmal mehr auf Europa-Tour. Grund genug, um mit Frontmann John Dyer Baizley über Politik zu sprechen.

Baroness (v.l.): Peter Adams (Gitarre, Gesang), John Dyer Baizley (Gitarre, Gesang), Sebastian Thomson (Schlagzeug) und Nick Jost (Bass, Keyboard). Bild: Daniela C. Düßler/Promotionwerft

Was halten eigentlich US-Musiker von den derzeit in ihrer Heimat stattfindenden Vorwahlen? Und wie reagiert man auf einen Präsidentschaftskandidaten wie Donald Trump? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, hat sich news.de mit John Dyer Baizley, Frontmann der US-Rockband Baroness, zusammengesetzt, um einmal über die politischen Ambitionen seiner Band zu sprechen.

Baroness' John Dyer Baizley im Interview: "Politisch sind wir nicht die aktivste Band"

news.de: Ich habe vorhin noch kurz euren Instagram-Account gecheckt und das Foto von Conne Island's Flüchtlings-Etikette entdeckt (Baroness spielten an diesem Abend im Leipziger Club Conne Island, Anm. d. R.). Um ehrlich zu sein, war das das erste Mal, dass ich eine politische Äußerung seitens der Band gesehen habe.

John Dyer Baizley: Ja, politisch gesehen sind wir nicht die aktivste Band. Es ist ein wichtiger Teil unseres Lebens, genauso wie für jeden anderen. Aber die Band war schon immer ein Ort, an dem wir politische und soziale Probleme eher indirekt aufgegriffen haben. Unsere Intention, als wir die Band gründeten, war es, eher über persönliche Themen zu sprechen. Und für mich war Politik zu der Zeit eher ein universelles denn ein persönliches Thema, weshalb wir diesen Teil erst einmal außen vor gelassen haben. Aber weißt du, jetzt realisieren wir, dass der Raum zwischen deinem persönlichen Leben und dem, was gerade passiert, doch nicht so groß ist.

Also setzt ihr euch eher als Individuen denn als Band mit Politik auseinander, versteh ich das richtig?

Ganz genau. Unsere Ursprünge liegen in der DIY-Punk-Szene und da war Politik sowieso omnipräsent. Jede Band setzte sich damit auseinander. Jeder verstand etwas davon. Die Leute waren also bedient, ohne das jetzt für selbstverständlich nehmen zu wollen. Aber jeder hat nun mal Songs darüber geschrieben, dass man sich gegen Faschismus, Homophobie, Rassismus, Sexismus und all den anderen Kram erheben solle. Das war offensichtlich – und zu der Zeit eben nicht, was wir machen wollten.

Glaubst du, diese Einstellung innerhalb der Punk-Szene hat sich in den letzten Jahren verändert?

Das hat sie definitiv, ja. Genau so, wie sich die gesamte Szene verändert hat, seitdem wir angefangen haben. Für mich fühlt es sich so an, als würde sich Untergrundmusik immer weiter davon entfernen, politische Themen aufzugreifen, je weiter wir uns von Fugazi und Minor Threat und Black Flag entfernen. Bands, die wirklich politisch aufgeladen waren. Was schade ist.

Das wäre meine nächste Frage.

Es ist wirklich schade. Ich meine, ich habe diese Statement heute auf Instagram ja nicht einmal wirklich gemacht – und das selbst mit diesem außer Kontrolle geratenen Wettkampf, den wir gerade in den USA erleben und all den Problemen da draußen. Das wenigste, was ich in diesem Moment tun kann, ist, einem Club wie dem Conne Island meinen Respekt zu zollen. Das waren nicht wir, das war der Club und ich zolle ihm einfach nur Respekt.

Du hast die Vorwahlen jetzt schon erwähnt. Hast du schon teilgenommen?

Ich selbst habe noch nicht teilgenommen. Ich hatte noch keine Gelegenheit dazu. Zum einen, weil wir auf Tour waren, aber auch, weil ich derzeit noch keinen Führerschein in dem Bundesstaat habe, in dem ich lebe. Das macht die Sache etwas kompliziert, aber ich werde dieses Jahr teilnehmen.

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