Von Helge Toben - 05.04.2016, 14.31 Uhr

Loveparade 2016: So sehr leiden Loveparade-Überlebende noch heute unter dem Trauma

Fast 6 Jahre nach der Loveparade-Tragödie berichtet der Rettungsassistent Gregor Hecker von seinen Erlebnissen im Tunnel und wie dieser Tag ihn bis heute noch verfolgt. Wie er sich zurück ins Leben kämpft, ist beeindruckend.

Das Loveparade-Unglück forderte 21 Menschenleben. Bild: Daniel Naupold/dpa

Ein bisschen Loveparade gucken in Duisburg und dann noch zu einer Geburtstagsparty. Das war der Plan des Rettungsassistenten. Es kam anders - und ist es bis jetzt geblieben. Am 24. Juli 2010 ändert sich das Leben des Rettungsassistenten Gregor Hecker, der bis dahin schon viel Schlimmes gesehen hatte, für immer.

Im Sommer 2010 ist Hecker 44 Jahre alt. Zur Loveparade fährt er privat mit einem Freund, nicht als Sanitäter, wie er erzählt. Am Samstagnachmittag will er das Gelände über die Rampe, die Zugang und Ausgang zugleich ist, wieder verlassen. Er gerät ins Gedränge, Geschiebe, Gequetsche. Mehrmals hilft er anderen wieder auf die Beine. Dann lichtet es sich.

Wiederbelebungsversuch bei einem der Loveparade-Opfer

Er sieht eine Frau bei der Herzdruckmassage an einem Mädchen. Der Rettungsassistent löst sie ab. "Nach einiger Zeit wurde mir klar, dass das Mädchen kaum noch eine Chance hat, wenn nicht schnell der Notarzt eintreffen würde. Ich drückte aber weiter, bis ich auf einmal an den Schultern von meiner Patientin gerissen wurde", erzählt er. Ein Polizist hatte ihn fortgezogen. Hecker erklärt ihm, dass er wisse, was er tue.

Danach macht er weiter, bis ein Notarzt kommt. "Leider kam für die Frau alle weitere Hilfe zu spät." Wer die Jugendliche war, weiß Hecker nicht. Jede Erinnerung an ihr Gesicht ist verschwunden. Wie sich später herausstellte, war sie eine der 21 Toten.

Hecker kann sich noch erinnern, dass er durch den Tunnel lief und sich auf die Treppenstufen eines Hauseingangs setzte. Wie er wieder zurück in seine Dortmunder Wohnung kam, ist seinem Gedächtnis verloren gegangen. Erst am Sonntagnachmittag kommt er wieder zu sich.

Ist ein Zurück für den Loveparade-Überlebenden in den Arbeitsalltag möglich?

Am Montag nach dem Unglück fährt er wie immer zur Arbeit nach Köln. Sein Zustand ist so, dass ein Notarztkollege ihn zu seinem Hausarzt schickt. Der schreibt ihn erstmal krank. Auch der zweite Anlauf, wieder zu arbeiten, misslingt, "weil meine Konzentration einfach nicht so da war, wie ich es und die Kollegen auch von mir gewohnt waren".

Hecker wird erstmal vom Dienst befreit, sucht Psychologen auf, wird in einer Tagesklinik behandelt. Diagnose: PTBS - Posttraumatische Belastungsstörung. Ein Jahr nach dem Unglück kommt er stationär in eine Reha-Klinik. Nach drei Monaten ist er guter Dinge, der Schlussbericht ist kurz vor seiner Entlassung schon fertig. "Laut dem sollte ich wieder eingeschränkten Dienst beginnen - begleitet mit ambulanter Therapie."

FOTOS: Loveparade-Chronologie Der Streit um die Schuld

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