Schwerstes Zugunglück seit Eschede
Bad Aibling: Diese 2 Fehler führten zum Todes-Drama

Nach neuen Erkenntnissen geht das Zugunglück in Bad Aibling auf eine tragische Verkettung gleich mehrerer Irrtümer des zuständigen Fahrdienstleiters zurück: Laut bayerischer Landesregierung gilt ein technischer Defekt mittlerweile als "ausgeschlossen", alles laufe auf eine Anzeige des Mannes wegen fahrlässiger Tötung hinaus. Diese Fehler führten zur Katastrophe.

Rettungskräfte am 09. Februar 2016 an der Unfallstelle des Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling in Bayern. Das Unglück ist nach Angaben der Landesregierung auf einen doppelten Irrtum des Fahrdienstleiters zurückzuführen. Bild: dpa

Das schwere Zugunglück in Bad Aibling ist nach Angaben der bayerischen Landesregierung auf einen doppelten Irrtum des Fahrdienstleiters zurückzuführen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte "Bild.de" am Montag: "Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen". Denn nachdem der Mann die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig freigegeben hatte, sei ihm ein weiterer verhängnisvoller Fehler unterlaufen.

Funkspruch-Versuch des Fahrdienstleiters schlug fehl

Laut Herrmann habe der Fahrdienstleiter, als er "seinen ersten Irrtum bemerkte, einen ersten Warn-Funkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen". Er habe jedoch möglicherweise aus Aufregung die falsche Taste gedrückt: "Der Funkspruch ging an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung. Die haben sich daraufhin bei ihm gemeldet. Danach schickte der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer. Diesmal drückte er die richtige Taste, aber da war es schon zu spät", so Herrmann.

FOTOS: Zugunglück in Bayern Bei Bad Aibling sind zwei Personenzüge frontal kollidiert
zurück Weiter Rettungskräfte am 09.02.2016 an der Unfallstelle eines Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling (Bayern). (Foto) Foto: Uwe Lein/dpa Kamera

Innenminister Herrmann: "Unglück hätte verhindert werden können"

Der Innenminister zog ein bitteres Fazit: "Wäre der erste Funkspruch bei den Lokführern angekommen, hätte das Unglück womöglich noch verhindert werden können. Das ist ganz besonders tragisch." Alles laufe nun auf eine Anklage des Fahrdienstleiters wegen fahrlässiger Tötung hinaus. Mittlerweile seien auch alle technischen Defekte ausgeschlossen: "Die Züge waren technisch völlig in Ordnung, inklusive der Bremsen. Das Funknetz hat funktioniert, ebenso alle Stellwerk-Funktionen."

Bei dem Zusammenstoß zweier Regionalzüge auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim waren am 9. Februar elf Menschen ums Leben gekommen und 85 weitere zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Das Zugunglück gilt als eines der schwersten in der Geschichte der Bundesrepublik.

VIDEO: Handyvideo aus Unglückszug nach dem Crash
Video: Youtube (Eric Turner)

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lid/news.de/dpa

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4 Kommentare
  • Robbe

    30.03.2016 14:32

    Hallo Hein und uli, Mir ist bekannt von einigen Lokführer aus früheren Zeiten und heutiger Zeit,daß es nicht so ohne weiteres möglich ist beide Richtungen frei zu geben.Es sei denn es wurde nicht Technisch richtig ab gesichert und dann sind nicht die normale Mitarbeiter ! der Bahnen verantwortlich sondern oberen Geschäftführer und der gleichen aber die haben ja die möglichkeit alles nach unten ab zu wälzen.

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  • Hein Pongel

    29.03.2016 22:56

    Uli, hast ja Recht. Mir haben auch die Haare zu Berge gestanden, als ich hörte, dass man Gegenrichtungen frei geben kann und das ganze noch via Ersatzsignal, das geht gar nicht! Ersatzsignale sind Ersatz eines (defekten) Signals und nur dann schaltbar, wenn eben das eigentliche Signal, in der Regel ein Hauptsignal, nicht einschaltet, egal warum. Die Unfallursache ist klar das eingesetzte Sicherungsystem. Möglicherweise hat ja der Freistaat seine Hand im Spiel? Vielleicht hält er die Bayern für unfehlbar(e Fahrdienstleiter).

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  • uli

    29.03.2016 17:28

    Teil 2. Das "Die Bahn" jetzt alle Schuld auf den Mitarbeiter schieben will, liegt nur daran, dass der Mitarbeiter das "schwächste Glied" in der Haftungskette ist. Der Pfusch ist jedoch erst durch die Bahn möglich geworden. Da reden die von einer Sicherheit, die das Wort nicht wert ist. ALLE Stellwerke sind da ähnlich. Also wird der Mist ausdrücklich toleriert. Und Das nenne ich Grob Fahrlässiges Verhalten der Bahnbosse!!! Freispruch für den Mitarbeiter und Schuldspruch für den Errichter des Stellwerkes sowie Nachrüstpflicht für alle anderen Stellwerke..........................................

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