Leibspeise PET: Welt erstickt im Müll - Plastik-fressendes Bakterium soll's richten

450 Jahre - So lange dauert die Zersetzung einer Plastikflasche! Wissenschaftler wollen jetzt die Lösung für die immer größeren Müllberge auf der Erde gefunden haben: Ein Plastik-fressendes Bakterium soll die Menschheit nun vor dem Müll-Tod retten.

Riesige Mengen Plastik landen jedes Jahr in der Umwelt, wo sie nur sehr langsam abgebaut werden. Bild: Mike Nelson/dpa

Wissenschaftler haben erstmals ein Bakterium entdeckt, das Kunststoff zersetzt. Bislang seien nur wenige Pilze, aber keine Bakterien bekannt gewesen, die Plastik abbauen, schreiben die japanischen Forscher im Fachblatt "Science".

Leibspeise PET: Plastik-fressendes Bakterium entdeckt

Das Bakterium Ideonella sakaiensis 201-F6 hat zwei Enzyme, mit dessen Hilfe es den weit verbreiteten Kunststoff PET (Polyethylenterephthalat) zerlegt. Es könne bei der Sanierung PET-belasteter Flächen und Gewässer hilfreich sein oder beim Recycling Erdöl-basierter Rohstoffe, die zur PET-Herstellung benötigt werden, kommentiert ein deutscher Experte die Entdeckung.

Plastik erst nach 450 Jahren abgebaut

Weltweit werden jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert. 56 Millionen Tonnen entfielen im Jahr 2013 auf PET-Kunststoffe. Daraus entstehen zum Beispiel Flaschen oder Verpackungen. Nur ein geringer Teil davon wird recycelt, riesige Mengen landen in der Umwelt, wo sie nur sehr langsam abgebaut werden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) vergehen etwa 450 Jahre, bis sich eine Plastikflasche in der Umwelt zersetzt hat. Die Kunststoffe werden im Laufe der Zeit in immer kleinere Partikel zerrieben, die sich in der Nahrungskette ansammeln und schließlich auch in den Menschen gelangen können.

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Bisher nur plastikfressende Pilze bekannt

Bisher waren nur Pilze bekannt, die Plastik abbauen. Die Forscher um Shosuke Yoshida vom Kyoto Institute of Technology entnahmen nun an einer Recycling-Anlage für PET-Flaschen 250 Umweltproben - von Sedimenten, Böden, Abwasser oder Aktivschlamm. Dann prüften sie im Labor, ob darin Mikroorganismen steckten, die einen dünnen PET-Film zersetzen können. In einer Sediment-Probe wurden sie fündig: Sie isolierten ein Bakterium, das sie Ideonella sakaiensis 201-F6 tauften.

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