Tierquälerei und Selfie-Wahn
Sind Tiere moralischer als Menschen?

Menschen, die Tiere treten oder im Selfie-Wahn verenden lassen, übersehen, wie schmerzempfindlich Tiere tatsächlich sind. Dass sie aber zu weit mehr Emotionen fähig sind, belegen neueste Studien.

Ist dieser Hund glücklich oder ist das nur eine menschliche Interpretation? Bild: Fotolia/Christin Lola

Dass Tiere Grundemotionen wie Schmerz, Angst und Trauer empfinden können, darüber sind sich nicht nur Verhaltensbiologen einig. Einen Hund an seinen Vorderpfoten wie bei einer Kreuzigung festzubinden und mit Gegenständen zu bewerfen, ist sowohl Tierquälerei als auch schmerzhaft und beängstigend für das Tier. Wir als Menschen können mit dem Tier mitfühlen und uns in seine Lage versetzen.

Uneinigkeit herrscht allerdings darüber, ob Tiere ebenfalls zu komplexen Emotionen wie Empathie fähig sind. Können sie sich in andere Tiere oder gar Menschen hineinversetzen und deren Gefühle verstehen? Handeln sie hilfsbereit oder vielleicht sogar moralisch?

Gemeinsam sind wir stark: Wenn Tiere an einem Strang ziehen

Während einige unter den Wissenschaftlern skeptisch sind und allein dem Menschen solche Eigenschaften zuschreiben, bestreiten das andere strikt und berufen sich auf Experimente mit Tieren. So zum Beispiel der Verhaltensbiologe und Primatenforscher Frans de Waal. "Sich um andere kümmern, ihnen helfen, Empathie für sie empfinden – all das tun auch Tiere", erklärt er in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau".

So sei Kooperation unter Tieren weit verbreitet und ein evolutionärer Vorteil. In einem einfachen Experiment lässt sich das deutlich machen. Bei dem sogenannten "Seilzieh-Test" kommt es darauf an, dass Tiere gemeinsam an einer Plattform ziehen, auf der Futter liegt. Ein Tier allein kann die Plattform nicht bewegen, da sie zu schwer ist. Es geht nur zu zweit. Schimpansen, Wölfe, Elefanten oder Raben meistern diesen Test ohne Probleme, wie die Dokumentation "Wie Tiere fühlen" von Gabi Schlag eindrücklich zeigt.

Hunde verstehen, wie sich ihr Herrchen fühlt

Neben der Hilfsbereitschaft scheinen Tiere aber auch durchaus zu empathischem Verhalten fähig zu sein. So hat das Team um Neurobiologin Peggy Mason an der University of Chicago das Sozialverhalten bei Ratten untersucht. In einem Experiment sperrten die Wissenschaftler zwei Ratten in eine Box, von denen eine in einer Röhre eingesperrt war. Die freie Ratte hat sich sofort zu der eingesperrten Ratte begeben und sie zu befreien versucht, auch wenn in einer anderen Röhre ein Stück Schokolade lockte.

Und eine Studie im Clever-Dog-Lab in Wien hat erst kürzlich gezeigt, dass Hunde in der Lage sind, Gesichtsausdrücke von Menschen zu unterscheiden. "Unsere Studie belegt, dass Hunde zwischen wütenden und freudigen Gesichtsausdrücken bei Menschen unterscheiden können", erklärt der Studienautor Ludwig Huber laut "Spiegel".

Wie es aber tatsächlich in den Tieren aussieht, können die Wissenschaftler nicht sagen. Sie können lediglich von dem Verhalten der Tiere auf ihre Gefühle schließen. Ob ein Hund, der in den USA zwei Wochen lang vor der Haustür auf sein verstorbenes Herrchen wartet, tatsächlich traurig ist, bleibt zu vermuten – der Gedanke scheint aber gar nicht so abwegig.

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kad/zij/news.de

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