Flüchtlingskrise 2016 - Mob blockiert Ankunft
Rabiates Vorgehen: Polizei zerrt Flüchtlinge aus Bus

Menschen, die Schutz suchen, sind verängstigt. Frauen und Kinder weinen. Vor dem Bus, der die Asylbewerber in die Unterkunft im Erzgebirge bringen soll, grölt ein fremdenfeindlicher Mob. Auch die Polizei muss sich Fragen gefallen lassen.

Flüchtlingsankunft in Hamburg: So geordnet wie hier ging es in Clausnitz nicht zu. Bild: dpa

Eine Blockade fremdenfeindlicher Demonstranten vor einer sächsischen Flüchtlingsunterkunft sorgt erneut für Entsetzen. Rund 100 aufgebrachte Randalierer hatten am Donnerstagabend im osterzgebirgischen Rechenberg-Bienenmühle versucht, die Ankunft der ersten Bewohner in einer neuen Einrichtung zu verhindern. Dabei riefen sie Parolen wie "Wir sind das Volk".

Erst nach Stunden konnten die Flüchtlinge, darunter Frauen und Kinder, in ihre Unterkunft gebracht werden. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte die Proteste scharf. Zugleich wirft aber auch ein harter Polizeieinsatz gegen einen Flüchtlingsjungen Fragen auf.

Blockade in Clausnitz: Flüchtlingsgegner randalieren

Nach Angaben der Polizei hatten die Gegner der Unterkunft die Straße zum Heim mit drei Autos blockiert. Erst nach etwa zwei Stunden seien die Wagen entfernt worden. Im Internet kursierte ein Video, das angeblich die Ereignisse am Donnerstagabend im Ortsteil Clausnitz zeigt und auf einer zwischenzeitlich gelöschten fremdenfeindlichen Facebook-Seite veröffentlicht worden sein soll.

In dem knapp halbminütigem Film ist zu sehen, wie Flüchtlinge in einem Bus verängstigt sind. Eine Frau und ein Junge weinen. Auf der elektronischen Anzeigetafel des Busses steht "Reisegenuss".

VIDEO: Schande von Clausnitz: Pöbler gegen Flüchtlinge
Video: Zoom.in

Hat sich die Polizei richtig verhalten?

Am Freitagabend tauchte eine zweite Videosequenz auf, die den Einsatz der Polizei bei der Aktion ins Zwielicht rückt. Zu sehen ist, wie Polizisten Menschen offensichtlich mit Zwang aus dem Bus holen und in ein Haus bringen. Ein Beamter setzt dazu bei einem wohl halbwüchsigen Jungen einen Klammergriff ein, während draußen die Menge johlt. Anschließend ist zu sehen, wie ein anderer Junge freiwillig, aber weinend den Bus in Richtung des Hauses verlässt.

Bei dem Beamten in dem Video handelte es sich um einen Bundespolizisten. Er sei als einer von sechs Bundespolizisten für das Land Sachsen an dem Einsatz beteiligt gewesen, bestätigte ein Sprecher der Bundespolizei der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst hatte "bild.de" darüber berichtet.

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