Zugunglück von Bad Aibling 2016
Menschliches Versagen! Fahrdienstleiter schuld am Unglück

Elf Tote, mehr als 80 Verletzte - wie es zu der Katastrophe von Bad Aibling kam, ist nun geklärt. Menschliches Versagen führte zum tödlichen Frontalcrash. Gegen den Fahrdienstleiter sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Ein Wagon und Trümmerteile an der Unglücksstelle bei Bad Aibling. Bild: Uwe Lein/dpa

Genau eine Woche nach dem Zugunglück mit elf Toten im oberbayerischen Bad Aibling haben sich die Ermittler an diesem Dienstag erstmals zur Unfallursache geäußert. Staatsanwaltschaft und Polizei gaben in einer Pressekonferenz Auskunft und bestätigten den Anfangsverdacht: Der Katastrophe ging menschliches Versagen voraus.

Menschliches Versagen schuld am Zugunglück von Bad Aibling

Gegen den Fahrdienstleiter sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese in dem oberbayerischen Kurort. "Hätte er sich plichtgemäß verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß der Züge gekommen." Unmittelbar nach dem Unglück wurde bereits gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet.

Stimmen aus der Pressekonferenz zum Zugunglück
Bad Aibling
zurück Weiter

1 von 20

Die beiden Nahverkehrszüge des zwischen Holzkirchen und Rosenheim verkehrenden privat betriebenen Meridians waren am Dienstag vergangener Woche bei Bad Aibling frontal zusammengestoßen. Elf Menschen kamen ums Leben, mehr als 80 Insassen wurden teils schwer verletzt. Der Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn hatte beide Züge auf der eingleisigen Strecke passieren lassen. Er habe sich nach anfänglicher Aussageverweigerung inzwischen ausführlich geäußert, sagte Giese.

Kein Vorsatz! Fahrdienstleiter beging tragischen Fehler

In Untersuchungshaft sei er derzeit nicht. "Man muss nicht davon ausgehen, dass hier ein Haftgrund vorliegt", sagte Giese. Es gehe um eine fahrlässige Tat, nicht um eine vorsätzliche und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren. Der Fahrdienstleiter wurde in Absprache mit seinen Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht. "Ihm geht's nicht gut", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. "Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen", fügte er hinzu.

Zugunglück von Bad Aibling: Keine Hinweise auf technisches Versagen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte bereits am Montag bekräftigt, dass es beim Unglück von Bad Aibling weiterhin keine Hinweise auf technisches Versagen gebe. "Tatsache ist, dass nach den Daten, die wir haben, ein technischer Fehler nicht vorgelegen hat." Zuvor hatte auch die Deutsche Presse-Agentur über menschliches Versagen berichtet.

Gemessen an der Zahl der Toten ist das Eisenbahnunglück das schwerste in Deutschland seit der ICE-Katastrophe von Eschede im Jahr 1998. Damals kamen 101 Menschen ums Leben. Die Wiederherstellung der stark beschädigten Bahnstrecke dauert noch immer an. Auf einer Länge bis zu 120 Metern müssen Schienen und Schwellen teils erneuert werden.

Lesen Sie hier: Ein Ort in Trauer: "Miteinander tragen, was unerträglich ist".

FOTOS: Zugunglück in Bayern Bei Bad Aibling sind zwei Personenzüge frontal kollidiert
zurück Weiter Rettungskräfte am 09.02.2016 an der Unfallstelle eines Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling (Bayern). (Foto) Foto: Uwe Lein/dpa Kamera

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

zij/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

4 Kommentare
  • wolfgang

    17.02.2016 16:50

    Der Fahrdienstleiter wie schön man hat einen Schuldigen gefunden. Aber wer ist wirklich schuld das ist doch die Bahn die durch Sparmaßnahmen mögliche Sicherungen nicht einbaut. Schon viele Menschen sind dadurch ums Leben gekommen. Man kann mir Glauben da ich mich bei der Bahn auskenne.

    Kommentar melden
  • Bieni

    16.02.2016 16:30

    Dieser Mann kann einem nur leid tun. Jedem können Fehler passieren, darin ist er nicht unnormaler als andere, nur dass sein Fehler so schwere Folgen hatte, dass dadurch viele Menschen leid davongetragen haben und 10 Menschen sind tot. Undd die Opfer können einem auch wirklich leid tun.Das schlimmste ist, dass dieser Mensch nun für den Rest seines Lebens mit dieser Schuld leben muss. Keine Strafe kann so schwer sein, dass sie ihm diese Last nimmt. Ich bete für diesen Mann, dass er mit sich wieder in Frieden kommen kann.

    Kommentar melden
  • Shacco

    16.02.2016 15:15

    Bei Eingleisigen Strecken müsste dich einem einfachen, manuellen Schalter am Gleiskörper solch ein Unglück zu verhindern sein, der eine eingleisige Strecke gegen falsche Fahrtrichtung eines Zuges absichert. Ich fragte mich schon vor 50 Jahren, als ich noch bei der Bahn beschäftigt war, warum nicht alle eingleisigen Strecken gegen menschliche Fehler gesichert sind. Doch mir glaubte damals niemand und wurde sogar als Gschaftler ausgelacht aber nichts geschah, deshalb müssen immer wieder und sei es als menschliches Versagen sterben.

    Kommentar melden

Kommentar schreiben

noch 600 Zeichen übrig

Empfehlungen für den news.de-Leser