Eklat im Amtsgericht: Als "Neger" beschimpft und der Richter fand es nicht schlimm

Altenpflegerin Cecilia Boateng hat Streit mit ihrer Vermieterin. Ihr Zwist landet vor Gericht, auch weil Cecilia übel als "Nigger" beschimpft wurde. Doch ausgerechnet vor Gericht kommt es noch heftiger für die Afrikanerin.

Beim Amtsgericht Mülheim ist es zu einem Eklat gekommen. Bild: Fotolia/Paul Hill

Cecilia Boateng kommt eigentlich aus Ghana, lebt aber schon seit Jahren in Deutschland und arbeitet als Altenpflegerin. Wegen eines Streits mit ihrer Vermieterin zieht sie vor's Gericht, auch weil sie als "Nigger" beschimpft wurde. Doch die Verhandlung vor Gericht macht es nur noch schlimmer für die 31-Jährige.

Klägerin wurde als "Neger" beschimpft und Richter führt Diskussion um Beleidigung

"Ich wurde noch nie so gedemütigt, verletzt, enttäuscht!", erklärte Cecilia der "Bild"-Zeitung. Nur was ist genau vorgefallen? "Der Anwalt der Gegenseite versteifte sich auf die Frage, ob 'Neger' oder 'Nigger' gesagt wurde, das sei ein ganz wesentlicher Unterschied", sagte ihr Rechtsanwalt Frederik Albrecht. Der Richter habe daraufhin nicht eingegriffen, sondern die Beleidigung abgetan und noch relativiert. Selbst Bundespräsidenten hätten schon "Neger" gesagt. Damit spielt der Richter auf einen Vorfall während eines Liberia-Besuchs vom ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke im Jahr 1962 an. Dieser soll seine Rede mit den Worten "Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Neger..." begonnen haben. Seitdem wird ihm dieser Satz immer wieder nachgesagt, obwohl Recherchen der "Zeit" 2002 ergeben hatten, dass der Ausspruch durch nichts belegt werden kann.

"Es war, als hätte mich der Richter mit diesem Wort geschlagen!"

Für Cecil war diese Diskussion wie ein Schlag ins Gesicht: "Es war, als hätte mich der Richter mit diesem Wort geschlagen! Er hatte diese erniedrigende Neger-Nigger-Diskussion laufen lassen, als sei das alles in Ordnung! Ich bin eine stolze Afrikanerin, lebe seit sieben Jahren in Mülheim, bin integriert!" Amtsgerichts-Direktorin Susanne Galonska-Bracun erklärte daraufhin der "Bild", dass der Richter nur versuchte beruhigend auf die Parteien einzuwirken. Er habe nicht den Eindruck gehabt, dass sich "die Antragstellerin durch ihn beleidigt fühlte", eine Herabsetzung sei nicht gewollt gewesen.

Immerhin hatte das Amtsgericht der Vermieterin im eigentlichen Rechtsstreit bereits einen Monat zuvor diese und weitere Beleidigungen untersagt.

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jko/gea/news.de

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