Von news.de-Redakteurin Ina Bongartz - 10.11.2015, 15.55 Uhr

Amoklauf in Winnenden und Newtown: Mein Kind, der Killer: So fühlen sich Eltern von Mördern

Ihre Kinder haben viele Menschen kaltblütig ermordet und unsägliches Leid über hunderte Angehörige gebracht. Doch wie fühlen sich die Eltern, deren Kinder plötzlich zu Killern geworden sind? Drei Väter berichten von der Hölle auf Erden - und unsagbarer Schuld.

Wut, Ohnmacht und Verzweiflung herrschten nach dem Amoklauf von Winnenden 2009. Bild: dpa

Silvio S. gilt als mutmaßlicher Mörder der kleinen Jungen Mohamed (4) und Elias (6). Er hat bereits gestanden, die Kinder verschleppt, sexuell missbraucht und getötet zu haben. Die Eltern des 32-Jährigen hatten ihn auf den Fahndungsfotos erkannt und schließlich an die Polizei verraten.

Der Vater des geständigen Kindermörders erzählte nur wenige Tage nach der Verhaftung seines Sohnes, wie er dessen Geständnis erlebt habe. Silvio S. habe zunächst gar nicht auf die Anschuldigungen reagiert. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" berichtet Dieter S.: "Als ich das Fahndungsbild gesehen habe, habe ich ihn direkt erkannt. Das ist er, hab ich gedacht."

"Er ist und bleibt unser Sohn": Silvio S. gesteht Mord an Flüchtlingsjungen Mohamed

Erst einen Tag später haben ihn die Eltern dann konkret zur Rede gestellt. Dieter S. erklärte: "Und dann gab er es zu. Er war ganz ruhig, keine Tränen, wirkte wie immer. Ich habe zu meiner Frau gesagt: Los, ruf die Polizei an. Er hat uns auch nicht davon abgehalten. Meine Frau hat zum Hörer gegriffen. Er ist dann direkt rausgestürmt. Meine Frau hat gefragt: 'Wo willst du hin?' Er hat nur gesagt: 'Ein Beweismittel holen'."

Die Polizei fand später im Pkw von Silvio S. die Leiche des kleinen Mohamed (4). Sie lag in einer Wanne und war mit Katzenstreu bedeckt. Dieter S. erinnert sich: "Als uns die Polizei gesagt hat, dass im Auto ein totes Kind liegt, haben wir einen Schock bekommen. Plötzlich war unser Sohn ein Mörder. Aber wir konnten ja leider auch nichts mehr unternehmen. Aber eines ist klar: Silvio ist und bleibt unser Sohn. Daran wird sich nichts verändern."

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